2025-12-03T05:51:34.672Z

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Daniel Klinger fordert mehr Entschlossenheit im Torabschluss.
Daniel Klinger fordert mehr Entschlossenheit im Torabschluss. – Foto: Markus Becker

Jüchens Fußballer finden einfach das Tor nicht mehr

An der Stadionstraße drückt die Torflaute schon ein wenig aufs Gemüt. Das Auf und Ab in der Oberliga macht in Holzheim niemanden nervös.

In der Tabelle der Oberliga Niederrhein trennt sie auf den für Neulinge extrem beachtlichen Plätzen sieben und acht nur das Torverhältnis, doch die Stimmungslage bei den besten Mannschaften, die der Fußballkreis Grevenbroich/Neuss zu bieten hat, könnte kaum unterschiedlicher sein.

Beim für die Holzheimer SG als Trainer zuständigen Jesco Neumann zeigt der Daumen steil nach oben. „Wer hätte denn gedacht, dass wir nach elf Spieltagen schon 16 Punkte auf dem Konto haben? Wir sind auch immer noch dankbar, dass wir das letzte Saison noch gewuppt haben. Seither haben wir unheimlich viel Selbstvertrauen getankt.“ Natürlich fällt auch bei seinem in Diensten des VfL Jüchen/Garzweiler stehenden Trainerkollegen Daniel Klinger die Zwischenbilanz grundsätzlich positiv aus: „16 Punkte mit einem Torverhältnis von 13:8 sind für einen Aufsteiger jetzt auch nicht so schlecht.“

Richtig zufrieden ist er aber nicht. Und das liegt in erster Linie an der dürftigen Torausbeute. „Die Qualität ist da, und bis 20 Meter vor dem Tor sieht das ganz gut aus, aber dann machen wir zu wenig draus“, hadert er. „Und das liegt vor allem daran, dass wir im letzten Drittel zu oft die falschen Entscheidungen treffen.“ Seine Mängelliste ist lang, lässt sich aber auf zwei entscheidende Defizite reduzieren: „Wir flanken zu wenig und wir schießen zu selten aufs Tor.“ Das nervt und kostet Punkte. Der Coach hat ermittelt: „Einschließlich Pokal haben wir vier Spiele nur mit einem Tor Unterschied verloren.“ Was der von Nils Friebe („Ein absoluter Unterschiedsspieler, der an einem guten Tag jeden Gegner kaputtschießen kann.“) und Yuta Inoue angeführten Offensivabteilung seiner Meinung nach aktuell abgehe, sei das entscheidende Quäntchen Abgebrühtheit im Zweikampf.

Klinger fordert mehr Entschlossenheit

„Ich fordere sie nicht dazu auf, sich fallenzulassen, aber wir kriegen auch keine Freistöße und haben erst ein Tor per Elfmeter erzielt. Zum Vergleich: Ratingen hat schon sieben Strafstöße bekommen und davon sechs verwandelt.“ Auf dem Trainingsplan stand darum zuletzt immer wieder die Entscheidungsfindung vor dem gegnerischen Tor. „Die Jungs wollen immer diese Überdinger machen und vergessen dabei den besser postierten Nebenmann“, kritisiert Klinger, hat die Hoffnung auf Besserung aber selbstverständlich noch nicht aufgegeben: „Auch wenn die Möglichkeiten in der höchsten Amateurklasse natürlich eingeschränkt sind, man kann das trainieren.“

Im krassen Gegensatz dazu steht die Arbeit der Mannschaft in der Defensive. Erst acht kassierte Tore sind einsame Spitze, kein anderes Team in der Liga kann einen einstelligen Wert vorweisen. Selbst das Spitzenduo Ratingen (16) und Schonnebeck (14) ist weit weg. Das zeigt, was in Jüchen möglich wäre.

Der SC St. Tönis, am Sonntag ab 15 Uhr zu Gast an der Stadionstraße, steht bei 20 Gegentreffern, hat selbst allerdings schon 25 Mal eingenetzt. Den Kontrahenten, mit nur drei Zählern weniger als der VfL auf dem ungemütlichen 14. Rang, vermag Klinger nur schwer einzuschätzen. „Das ist eine Wundertüte.“

HSG erwartet enges Spiel

Eine sehr genaue Vorstellungen hat dagegen Neumann vom Mitaufsteiger DJK Adler Frintrop, der sich am Sonntag (14.30 Uhr) auf der Johann-Dahmen-Sportanlage an der Reuschenberger Straße vorstellt. „Eine Mannschaft, die gerne auf ein schnelles Umschaltspiel setzt. Da müssen wir an unser A-Game ran, wie man im American Football sagen würde.“

Zielspieler im Angriff ist oft der 2,04 Meter große Yannick Reiners. „Ein großer Anker im Zentrum“, hat Neumann ermittelt. „Ein bulliger Stürmer, da müssen wir physisch dagegenhalten.“ Der Tabellen-15. ist für ihn darüber hinaus ein Beleg für die Ausgeglichenheit der Liga, haben die in bedrohlicher Nähe zu den Abstiegsplätzen dümpelnden Essener doch nur vier Punkte weniger auf der Habenseite als Holzheim.

„Wir haben ja selbst erlebt, wie schnell das in dieser Saison gehen kann. Wir waren 5./6., aber auch schon mal 14. – und dann punktest du dreifach und bis auf einmal wieder Achter. Das ist Fluch und Segen zugleich, macht uns aber nicht nervös. Es tut gut, nur auf sich zu gucken.“

Aufrufe: 01.11.2025, 09:30 Uhr
NGZ / Dirk SitterleAutor