
Dem FC Penzberg ist ein großer Coup gelungen. Johannes Franz gilt als profunder Kenner und bringt ein großes Netzwerk mit.
Seit Langem ist es ein gut gehütetes, aber irgendwie auch offenes Geheimnis, wer der neue Trainer des FC Penzberg wird. Bereits vor mehreren Wochen hat der Bezirksligist seinen Kickern mitgeteilt, dass Johannes Franz die Nachfolge von Maximilian Bauer antritt, der zum Saisonende sein Amt niederlegt. Allerdings hüllen sich beide Parteien gegenüber der Öffentlichkeit offiziell immer noch in eisernes Schweigen.
„Ich sage dazu nichts“, weigert sich Joachim Plankensteiner, die Nachricht zu kommentieren. Aber nicht nur der Vorsitzende des FC Penzberg lässt sich zu der Personalie kein Sterbenswörtchen entlocken, auch Franz will offiziell noch keine Stellung beziehen. „So lange wir uns im Abstiegskampf befinden, äußere ich mich dazu nicht“, gibt sich der aktuelle Trainer des SV Raisting wortkarg. Allerdings sagte Plankensteiner aber auch: „Wir haben mit Franz eine Vereinbarung, dass wir nichts dazu sagen, solange seine Mannschaft nicht gesichert ist“, gab der FC-Boss dann doch indirekt zu, dass der 31-Jährige sein neuer Übungsleiter wird.
Auch wenn es allzu verständlich und entgegenkommend ist, dass die Penzberger Rücksicht auf die Situation ihres zukünftigen Trainers nehmen, dürfen sie seine Verpflichtung als großen Coup feiern. Schließlich stand Franz bereits in der Vergangenheit ganz oben auf ihrer Liste, nur sah er damals noch keinen Handlungsbedarf. Der Coach hat die Zeit genutzt und sich in den vergangenen acht Jahren beim SV Raisting einen Namen gemacht, der weit über die Landkreis-Grenzen hinaus bekannt ist. Franz gilt, obwohl er noch so jung ist, als profunder Kenner des Fußballs, als akribischer Arbeiter und als integre Persönlichkeit. Als er im März seine Entscheidung bekannt gab, seine Arbeit beim SVR zum Saisonende zu beenden, markierte das sowohl für den Klub als auch für ihn eine einschneidende Zäsur.
Mit äußerst bescheidenen Mitteln gelang es ihm, am Ammersee eine Mannschaft aufzubauen, die in der Bezirksliga stets eine gute Rolle gespielt hat. Auch wenn der ehemalige Bayernligist momentan noch in den Abstiegskampf der Bezirksliga Süd verwickelt ist, sieht alles danach aus, dass er die Klasse auch heuer wieder halten wird. Zwei Spieltage vor dem Saisonfinale sollten vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz eigentlich ausreichen, um nicht mehr in die Bredouille zu kommen. Zumal ausgerechnet der FC Penzberg die entscheidende Hilfestellung leisten kann, wenn er am kommenden Wochenende Raistings einzigen noch verbliebenen Widersacher um den direkten Klassenerhalt, den TSV Geiselbullach, in die Schranken weist.
Mit Franz hat der Fußballclub nicht nur einen ausgewiesenen Kenner der Bezirksliga Süd an Land gezogen. Der Coach verfügt über ein großes Netzwerk und ist bestens informiert, welche Talente im Oberland nachrücken. Anders als in Raisting sollten ihm in Penzberg auch die nötigen pekuniären Argumente zur Verfügung stehen, um den einen oder anderen wechselwilligen Spieler in seine neue Mannschaft zu lotsen.
Darüber hinaus hat sich Franz auch als Talentförderer einen Namen gemacht. In den vergangenen Jahren hat er Spieler wie den Peitinger Benedikt Multerer, die aus unteren Spielklassen nach Raisting kamen, zu respektablen Bezirksliga-Kickern geformt. Diese Fähigkeit sollte sich in Penzberg vor allem in Hinblick auf die eigene Nachwuchsarbeit auszahlen, die sich seit einiger Zeit wieder im Aufwind befindet. Da das Hinterland des Vereins im Norden bis nach Geretsried und im Süden bis nach Murnau, im Osten bis nach Bad Tölz und im Westen bis nach Weilheim reicht, kann der Fußballclub unter Franz in den nächsten Jahren zur Anlaufstelle für begabte junge Spieler werden.
Gespannt darf man sein, wie Franz dieses Potenzial nutzen wird. In Raisting musste er in seinem Spielstil Rücksicht darauf nehmen, dass ihm nur wenige Edeltechniker zur Verfügung standen. Das wird in Penzberg ganz anders sein, wo er in dieser Hinsicht aus dem Vollen schöpfen kann. Ein weiterer Pluspunkt des Trainers ist, dass er nicht nur seine neue Mannschaft bestens aus dem gemeinsamen Ligaspielbetrieb kennt, sondern auch einzelne Akteure wie Sinan Grgic und Francois Ngwen, die bereits unter ihm in Raisting trainierten, bevor sie sich in den Südosten des Landkreises veränderten.
Sowohl der Klub als auch der Übungsleiter verfolgen ein gemeinsames Ziel. Franz wollte unbedingt mit dem SV Raisting wieder in die Landesliga zurückkehren, aus der er einst in die Bezirksliga abgestiegen ist. Was ihm am Ende aber verwehrt blieb. Auch in Penzberg liebäugeln sie mit dem Aufstieg in die dritthöchste bayerische Spielklasse. Unter Franz könnte das durchaus gelingen, wenn das Umfeld nur genug Geduld aufbringt, um ihn genauso wie in Raisting in aller Ruhe arbeiten zu lassen.