
Sie eilen von Sieg zu Sieg. Und wie bei Spitzenmannschaften eigentlich üblich, steht zunächst einmal die treffsichere Angriffsreihe im Mittelpunkt – also allen voran Franziska Haider, Tabea Fisch und Franzika Schwaiberger. Spiele gewinnt bekanntlich die Offensive, Titel die Defensive. Und auch ganz, ganz hinten hat FC Ruderting höchste Qualität - sogar doppelt. Denn im Kasten des Bayernliga-Vizemeister betreiben Theresa Butscher und Luisa Weinhändler Job-Sharing.
Gemeinhin gelten Torhüter als Einzelkämpfer mit einem Hang zur Verrücktheit. Kommt ihnen jemand ins Gehege, dann kracht's. Sind es Gegenspieler, sowieso. Auch vor Mitspieler machen sie nicht Halt, wenn es sein muss. Und der unmittelbare Konkurrent in den eigenen Reihen wird im besten Falle mit Missachtung belohnt. Nicht so beim FC Ruderting. Dort teilen sich Theresa Butscher und Luisa Weinhändler nicht nur den Posten zwischen den Pfosten, sie sind sogar Freundinnen.
Im Zwei-Spiele-Rhythmus wechseln sich die 28-Jährige und ihre sechs Jahre jüngere Mitspielerin seit inzwischen Jahren ab. Und Trainer Florian Spiller sieht keinen Grund, daran etwas zu ändern – obwohl diese Vorgehensweise ein Kontrapunkt zur weit verbreiteten Meinung, dass sich eine Defensivreihe einspielen muss, ist. „Wir haben zwei hervorragende Torfrauen, die das mehr oder weniger selber regeln“, erklärt der 40-Jährige dazu. „In sehe in diesem regelmäßigen Wechsel kein Unruhe-Potenzial.“
Und auch die beiden Mädls sind mit ihrem Job-Sharing mehr als nur einverstanden. "Wir pushen uns gegenseitig und freuen uns ehrlich, wenn die andere eine starke Parade zeigt“, macht Luisa Weinhändler deutlich. Die beim FC Bayern München ausgebildete Torhüterin weiter: „Der regelmäßige Wechsel hält uns beide im Rhythmus und sorgt dafür, dass jeder von uns seine Qualitäten einbringen kann. Wichtig ist, dass wir uns gegenseitig voll vertrauen – und das tun wir.“

Angesichts dessen, dass sich beide eigenen Angaben zufolge super verstehen und sich gegenseitig sogar als Freundinnen über das Spielfeld hinaus bezeichnen, ist es nur wenig verwunderlich, dass Theresa Butscher ähnliche Worte findet wie ihre 22-Jährige Teamkollegin: „Wir verstehen uns wirklich super, respektieren uns gegenseitig und wissen genau, welche Stärken die andere hat.“ So findet sie Luisa Weinhändler nicht nur auf der Linie überragend, sondern auch als Libero a la Manuel Neuer. Ähnliche Eigenschaften schreibt Letztgenannte auch Theresa Butscher zu. Hinzu kommt noch: „Die Präsenz und Ausstrahlung, die Theri auf dem Platz ausstrahlt, ist in der Liga wirklich einzigartig.“
Ein Alleinstellungsmerkmal in der Frauen-Bayernliga hat der FC Ruderting wegen der außergewöhnlichen Doppelbesetzung im Kasten. Und auch als noch verlustpunktfreier Tabellenführer. „Das ist eine deutliche Ansage an die Konkurrenz“, weiß nicht nur Ralf Bröcker, Trainer des 1. FFC Hof, auf den Ruderting am 9. Spieltag trifft. Obwohl die Oberfranken einen Abstieg verkraften mussten und auch das Comeback in der Bayernliga bisher eher mittelmäßig verlaufen ist, gibt man sich beim ehemaligen Regionalligisten aber nicht vorab geschlagen: „Wir werden die lange Reise nicht antreten nur um die Punkte abzuliefern.“
Wollen die Hofer im Bayerischen Wald bestehen, sollten sie nicht nur die starke Offensive der Rudertinger in Schach halten. Sie müssen auch, wenn sogar ein Sieg her soll, die scheinbar unüberwindbaren Keeperinnen, die Teil der mit Abstand besten Verteidigung der Bayernliga sind, überwinden. Dass das nicht einfach wird, dürfte klar sein – angesicht der doppelten höchsten Qualität.