2026-05-15T09:36:57.455Z

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Jo Reichert verlängert den Vertrag, Brandt verkündet seinen Abschied

Vor dem Spiel gab es die Nachricht auf die viele Fans des SSV Ulm schon länger gewartet haben

von Matthias Kloos · Heute, 18:55 Uhr · 0 Leser
– Foto: Imago Images

Der SSV Ulm 1846 Fußball hat seine Zeit in der 3. Liga mit einer weiteren bitteren Pointe beendet. Gegen Rot-Weiss Essen stand es lange 2:2, ehe die Gäste in der Nachspielzeit noch den 3:2-Siegtreffer erzielten. Für Ulm war es ein letzter Spieltag, der vieles von dem spiegelte, was diese Saison geprägt hatte: Rückschläge, Aufbäumen, fehlende Belohnung – und am Ende Enttäuschung.



„Es ist natürlich echt bitter, was jetzt hier wieder abgelaufen ist heute. In den letzten Minuten dann auch das Gegentor zu bekommen, das ist auch ein Sinnbild der ganzen Saison“, sagte ein enttäuschter Max Brandt. Der Abstieg wirke nach, auch wegen der Reaktion im Umfeld: „Generell tut es richtig weh mit dem Abstieg, die Fans so zu sehen. Es ist alles schwierig und es braucht auch erstmal eine Zeit, um das zu verarbeiten.“

Brandt geht nach 103 Spielen

Für Brandt war es zugleich der Abschied nach drei Jahren. Der 24-Jährige absolvierte 103 Spiele für den SSV und erzielte fünf Tore. Seine Entscheidung steht fest: „Ich werde den Weg nicht mit in die Regionalliga gehen. Ich habe auch schon bei einem anderen Verein unterschrieben.“ Dennoch wählte er persönliche Worte: „Meine Zeit endet hier und ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich bei allen Menschen zu bedanken, die ich hier kennengelernt habe.“

Trotz des bitteren letzten Jahres bleibt für Brandt die positive Erinnerung. „Ich hatte wirklich wundervolle Jahre, eine wundervolle Zeit, auch wenn das letzte Jahr dann ganz böse geendet ist und ganz bitter war. Aber ich werde die Zeit immer im Herzen tragen und ich werde immer ein Ulmer sein. Ich werde es verfolgen, was hier weiter passiert und hoffe dass der Verein eine gute Lösung gefunden hat um sich zu erholen, um sich neu aufzubauen und dann wieder zurückzukommen.“

Röser sieht ein Spiegelbild der Saison

Auch Lucas Röser erkannte in diesem Spiel ein Muster der vergangenen Monate. Obwohl Röser selbst in der 28. Minute per Elfmeter zum 1:1 ausgeglich, den Strafstoß hatte er selbst herausgeholt. „Das Spiel spiegelt auch diese Saison wieder. Wir kommen auch raus, kriegen nach der ersten Minute ein Gegentor. Das ist uns dieses Jahr, auch gefühlt schon öfters passiert.“ Dennoch habe die Mannschaft nicht aufgegeben: „Wir haben uns schon zurückgekämpft. Man hat gesehen das wir den Willen haben.“

Gerade den Fans wollte Ulm noch einmal etwas zeigen. „Wir wollten den Fans heute auf jeden Fall was zeigen. Man hat schon gesehen hat, dass wir in der Situation, in der wir stecken, trotzdem gekämpft haben. Hinten raus trotzdem natürlich wieder das 3:2 bekommen. Es ist dieses Jahr relativ häufig passiert, dass wir uns oft auch für den Aufwand nicht belohnt haben. Das ist sehr bitter.“

Röser deutet Verbleib an

Für den Verein beginnt nun eine entscheidende Phase der Neuordnung. Röser sieht sie als eine spannende Situation für den Verein im Sommer. Seine eigene Zukunft ist offenbar weitgehend geklärt: „Wir haben schon die ein oder anderen Gespräche gehabt. Ich hatte positive Gespräche. Ich fühle mich hier sehr wohl. Ich werde hier sehr wahrscheinlich bleiben und darauf freue ich mich schon.“

Auch er betont die besondere Verbindung zu Ulm. „Wir haben eine Verbundenheit hier erreicht, mit dem Verein und mit der Stadt. Das was wir hier erlebt haben, ist schon ganz besonders.“ Die beiden Aufstiegsjahre hätten Spuren hinterlassen: „Trotzdem ist es so, was wir hier erreicht hatten, die zwei Jahre davor waren außergewöhnlich und hat uns alle zusammengeschweißt mit den Fans. Das ist schon etwas Einzigartiges im Fußball und das schätzen wir schon wert.“

Reichert setzt ein Signal

Das deutlichste Bekenntnis kam vor dem Spiel von Jo Reichert. Der 34-Jährige verkündete über das Stadionmikro seine Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr. „Erst einmal möchte ich mich unfassbar bedanken für die ganze Unterstützung über die Saison hinweg. Der Doppelabstieg tut extrem weh, aber das ist jetzt passiert und wir müssen die Blicke nach vorne richten.“

Für Reichert ist der Verbleib mehr als eine sportliche Entscheidung. „Ich hatte für mich schon immer den Traum gehabt, ich möchte meine Karriere bei meinem Herzensverein beenden. Und meine Karriere beende ich nicht, in dem ich mit einer Trage vom Platz getragen werde.“ Nach emotionalen Reaktionen der Fans mit Jo-Reichert Rufen sagte er sichtlich bewegt weiter: „Ich habe mittlerweile 488 Spiele für unseren Verein machen dürfen, und ich hoffe, es kommen noch ein paar dazu.“

Seine Botschaft war klar: „Ich möchte heute das Signal setzen für die Zukunft. Ich bleibe bei Ulm, ich bekenne mich zu unserem Verein. Wir gehen diesen Weg weiter und versuchen uns wieder aufzubauen und ich bin mir ganz sicher, mit euch allen zusammen wird uns das gelingen.“

Dank an die Fans

Trotz des Abstiegs würdigte Röser die Unterstützung der Anhänger. „Die Dritte Liga ist dann schon ein Brett, von den Vereinen und den Fans, die da sind. Aber ich muss auch natürlich einen Lob an unsere Fans aussprechen. Die Saison war brutal schwer für alle hier, für die Fans ganz besonders. Und die sind marschiert von Anfang bis Ende in jedem Spiel.“

Für Röser bleibt der Blick nach vorne. „Es war schon extrem schwer für den Kopf und auch für den Körper. Ich glaube, wir sind jetzt alle froh, dass wir ein bisschen Urlaub haben. Ein bisschen runterfahren können und dann voller Angriff wieder auf die Aufgabe hier.“ Und dann fügte er an: „Ich bin immer ein positiver Mensch und bin immer guter Dinge.“