Der Trend spricht gegen die Zukunft des Frauenfußballs

Rückgang bei Jugendteams von bis zu 50 Prozent auch in der Region / Nur zwei Vereine besetzen noch alle Jahrgänge

68 Teams in vier Altersklassen: Das klingt nach regem Leben im Mädchenfußball in Osnabrück Stadt und Land. „Die Tendenz an gemeldeten Teams ist aber stark rückläufig“, berichtet Matina Thale von einem seit Jahren anhaltenden Negativtrend – der nach dem Nachwuchs auch den Frauenfußball der Region erfassen dürfte. Die Referentin für Mädchenfußball in der Region befürchtet: „Geht das so weiter, verschwinden wir wie einst in grauen Vorzeiten wieder in einer Schublade.“
Etwa die Hälfte seiner Mädchenfußballteams hat der Niedersächsische Fußballverband in den letzten zehn Jahren bereits verloren – eine Entwicklung, die auch vor Osnabrück Stadt und Land nicht haltmachte. „Vor sieben Jahren hatten wir noch über 40 D-Juniorinnen-Teams. Nun sind es nur noch 19“, nennt Thale ein Beispiel. Der Boom bis zur WM 2011 im eigenen Land sei danach abgeflacht. Nun hätten sich die Staffelzahlen im Spielbetrieb vor Ort im Schnitt halbiert. Vor allem in den jüngeren Jahrgängen sei die Tendenz fatal: „Bei den E-Juniorinnen tun wir uns schwer, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten“, sagt die 51-Jährige bei nur noch zehn U-11-Teams in Stadt und Land.

Die Gründe dafür sieht Thale im veränderten Freizeitverhalten der Jugend, die heute viel mehr Möglichkeiten habe als früher, analog wie digital. „Dazu hing das ehrenamtliche Engagement an früher traditionsreichen Standorten wie Voltlage und Kettenkamp bei Trainerinnen, die selbst stets bei den Frauen spielten – eine Doppelbelastung, die sich heute kaum noch jemand antut“, erklärt Thale. Nach 2011 sei zudem die Sogwirkung der Frauen-Nationalelf als populäres Vorbild versiegt. Auch im Zuge des aktuellen Jubiläums „50 Jahre Frauenfußball“ seien hier Chancen verpasst worden – wobei die Corona-Pandemie all diese Effekte zusätzlich verstärke. Dazu kämen laut Thale hausgemachte Probleme durch vom NFV-Landesverband erlassene, in der Praxis aber sehr kompliziert zu befolgende Regelungen für Nachwuchskickerinnen an der Basis wie beim Zweitspielrecht.

Bei den Juniorinnen gibt es nur in der höchsten Altersklasse der U17 eine Bundesliga und eine Niedersachsenliga. Die darunter einsortierte Bezirksliga ist bei der U-15 die höchste Staffel, während bei D- und E-Juniorinnen nur auf Kreisebene gekickt wird. Will man bei B- und C-Juniorinnen höher spielen, hilft kein Aufstieg, sondern nur die Anmeldung beim Verband. Die haben aus unserer Region allerdings nur die OSC-B-Juniorinnen (Niedersachsenliga) und die U17 und die U15 der TSG Burg Gretesch (beide Bezirksliga) abgegeben.

Bei den C-Juniorinnen geht der OSC für eine robuste Ausbildung seiner Mädchen einen anderen Weg: Per Ausnahmegenehmigung messen sie sich in der lokalen Kreisklasse mit Jungs. Grundsätzlich dürfen Mädchen übrigens auch inzwischen bis zur B-Jugend in Jungsmannschaften mitspielen.

Taucht man weiter in die lokale Mädchen-Szene ein, findet man unter 68 gemeldeten Juniorinnen-Teams 31 Jugendspielgemeinschaften (JSGs) mit Beteiligung von zwei oder auch drei Vereinen. „Ohne die JSGs ginge im Spielbetrieb schon längst nichts mehr“, sagt Thale. Die meisten Teams (22, davon 12 JSGs) stellen die Vereine im ältesten Jahrgang (U17), die Anzahl nimmt bei den jüngeren Jahrgängen kontinuierlich ab (U15: 20 Teams, 9 JSGs, U13: 16 Teams, 6 JSGs).

Durchgängig alle Jahrgänge von den B-Juniorinnen bis zu den E-Juniorinnen besetzen nur zwei Clubs in Stadt und Land: Gretesch und der TuS Haste – bei der U17 und der U11 als Spielgemeinschaft mit dem SSC Dodesheide. Betrachtet man die drei ältesten Altersklassen (U17, U15, U13), kommt man auf zehn verbliebene Leuchttürme des Mädchenfußballs in der Region.
692 Aufrufe9.12.2020, 18:00 Uhr
Benjamin Kraus / NOZ SportAutor

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