– Foto: Jens Dünhölter

Jetzt sind die Vereine am Zug: Re-Start oder Abbruch?

Der Fußballverband Westfalen bespricht jetzt mit den Klubverantwortlichen, wie sie sich eine Saisonfortsetzung vorstellen. Das hat auch rechtliche Gründe. Ausschlaggebend dabei ist die Länge der Vorbereitungszeit.

Die nächsten Wochen und die nächsten Videokonferenzen zwischen FLVW und Vertretern der Oberliga Westfalen werden entscheidend sein. Es geht um eine mögliche Fortsetzung der Saison 2020/21. Nach den neuesten Beschlüssen der Bundesregierung wird es nun zeitlich sehr eng, das angestrebte Minimalziel, wenigstens 50 Prozent aller Spiele auszutragen, zu erreichen. Deshalb bittet der Verband zum Gespräch - oder besser gesagt: zum Zoom-Meeting. "Wir werden die Vereine befragen, wie sie die Dinge sehen", sagt Manfred Schnieders, FLVW-Vizepräsident.

An einer Stellschraube können die Beteiligten nämlich noch selber drehen: an der Länge der Vorbereitungszeit. Sollten die Vertreter für eine eher kürzere Präparationsphase plädieren (zwei bis vier Wochen), könnte die Liga theoretisch (sofern es alle anderen Rahmenbedingungen zulassen) Mitte bis Ende April wieder in den Liga-Alltag zurückkehren. Dies wäre allerdings auch schon der späteste Wiedereintrittstermin für die Oberliga.

Einen zeitlichen Puffer gibt es für die höchste Amateurspielklasse in Westfalen nicht mehr, denn mit 21 Mannschaften und 40 Spieltagen ist die Oberliga auch die größte im Lande. Bei einem Liga-Kickoff Mitte/Ende April blieben maximal elf Wochenenden (plus 3 Feiertage), um die Spielzeit zu Ende zu bringen. Weitere Unterbrechungen durch das Wetter, neue Lockdowns oder neuerlich aufflammende Corona-Hotspots und -Erkrankungen nicht berücksichtigt. Um wenigstens die Hinrunde zu Ende zu bringen (die für eine Wertung nötigen 50 Prozent), müssten die Klubs noch zwischen zehn und 14 Begegnungen austragen.

Sollten sich die Oberliga-Vertreter von vornherein für eine längere Vorbereitungszeit von mehr als vier Wochen entscheiden, käme dies faktisch einem Saisonabbruch gleich. Denn dann sind die 50 Prozent nicht mehr realisierbar. Bei der großen FuPa-Umfrage im Januar war das Stimmungsbild sehr uneinheitlich. Manfred Schnieders bestätigt dies: "So ähnlich habe ich das auch wahrgenommen."

Der Verband kann die Saison 2020/21 nicht einfach absagen


Doch wenn nun in den Konferenzen "Butter bei die Fische" müssen, dürfte es wohl deutlicher werden. Die Klubs, die gegen den Abstieg spielen, und die Vereine, die um die "Goldene Ananas" kicken würden, dürften tendenziell eher für eine lange Vorbereitungszeit bzw. den Saisonabbruch votieren. Lediglich die potenziellen Aufstiegskandidaten wären an einer schnellen Fortsetzung der Serie interessiert.

Sollte das Meinungsbild in der Oberliga so ausfallen, gäbe es keinen Re-Start mehr. Die Spitzenklubs - allen voran der FC Gütersloh guckten in die Röhre, die Kellerkinder unter anderem Hamm, Herne, Clarholz wären gerettet. Man muss kein Prophet sein, um zu behaupten, dass dies in den anderen, kleineren Spielklassen ähnlich laufen könnte. Mit dem einen, aber feinen Unterschied, dass die 18er-, 16er- und 14 er-Staffeln de facto noch ein paar Wochen mehr zeitlichen Puffer hätten.

Der Verband, der laut Satzung dazu verpflichtet ist, sich um die Durchführung von Liga-Spielen zu kümmern, kann die Saison 2020/21 nicht einfach absagen. Deshalb beteiligt er wie schon im vergangenen Frühsommer die Vereine, um zu einer rechtlich sauberen Lösung zu kommen. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie diese Lösungen in der jeweiligen Liga aussehen werden.

Aufrufe: 013.2.2021, 07:00 Uhr
Matthias FoedeAutor

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