Jannik Löhden ist zurück aus seiner zweiten Heimat

Neun Jahre lebte der Buxtehuder Jannik Löhden in Köln. Die Stadt wurde zu seiner zweiten Heimat. Jetzt wollte der Verteidiger zurück in den Norden und hat sich dem Regionalligisten VfB Lübeck angeschlossen. Der 33-Jährige will immer ambitioniert spielen.

Dass Jannik Löhden und seine Verlobte noch einmal nach Hamburg ziehen werden, stand fest. Die Stadt, diese Metropole, soll einen Lebensabschnitt mitbestimmen. "Jetzt war ein guter Zeitpunkt", sagt Jannik Löhden. Es stellte sich allerdings die Frage, wo er im Norden "ambitionierten Fußball" spielen kann. "Da gibt es nicht so viel", sagt der gestandene Regionalligaprofi.

Bei Jannik Löhden gestaltete sich dieses Unterfangen allerdings recht leicht. In seinen Worten: "Ganz witzig." Lukas Pfeiffer, den Trainer des VfB Lübeck, kennt Löhden von der Sporthochschule in Köln. Er rief ihn an. Es gab ein "Sechs-Augen-Gespräch" zwischen Löhden, Trainer Pfeiffer und dem sportlichen Leiter. Dann wurde ein Zweijahres-Vertrag vereinbart. Seit dieser Transferperiode ist Jannik Löhden sein eigener Berater. "Nach so vielen Jahren, weiß ich, wie’s geht. Da muss sich kein Berater mehr noch eine Provision einstecken", sagt Löhden.

Der 33 Jahre alte Jannik Löhden hat in seiner Laufbahn nur bei namhaften Regionalligisten gespielt, immer war die Ambition da, den Sprung in die 3. Liga zu schaffen. "Zum Glück", sagt Löhden. Ausgebildet wurde der Buxtehuder größtenteils bei der SV Ahlerstedt/Ottendorf. Sein erstes Herrenjahr spielte er in der Saison 2008/09 und stieg mit A/O sogleich als Landesligameister in die Oberliga Niedersachsen auf. In der folgenden Oberligasaison wechselte er in der Winterpause zu Werder Bremen II und spielte eineinhalb Jahre in der 3. Liga. Auch wenn die Einsatzzeiten übersichtlich waren.

So ein Wechsel, ohne dass Löhden mal in einem Nachwuchsleistungszentrum war, war auch schon vor 13 Jahren nicht alltäglich. "Damals hatte ich meinen Berater kennengelernt, als ich beim U21-Länderpokal für Niedersachsen spielte", sagt Löhden. Zwei Monate präsentierte sich der Nachwuchsspieler bei Werder im Training, während er für A/O aktiv war.

Von 2011 bis 2013 spielte der Zweimeter-Mann für Hannover 96 II. Seine erste Saison war geprägt von einem Kreuzbandriss, neben mehreren Meniskus-Operationen die schwerste Verletzung während seiner schon langen Laufbahn. "Seit mehreren Jahren bin ich verschont geblieben", sagt Löhden. Im zweiten Hannover-Jahr wurde er von Trainer und Ex-Profi Valérien Ismael "sehr gefördert". Der Verteidiger schoss in 31 Spielen vier Tore.

2013 beginnt die Kölner Ära für den Buxtehuder

Er wechselte für zwei Jahre zu Viktoria Köln. 2015 führte Jannik Löhden auch mal "ein nettes Gespräch" mit dem damaligen D/A-Trainer Enrico Maaßen. Die SV Drochtersen/Assel war aber keine Option. Er wechselte für zwei Jahre zu Alemannia Aachen und spielte auf dem berüchtigten Tivoli. "Die mannschaftliche Geschlossenheit" bleibt Löhden in Erinnerung an seine Aachener Zeit.

Danach spielt er drei Saisons, von 2017 bis 2020, für RW Oberhausen. Er tingelt weiterhin aus Köln hin und her, studiert an der Sporthochschule. Woran sich Löhden sofort erinnert: "35 Minuten am letzten Spieltag waren wir in die 3. Liga aufgestiegen, am Ende waren wir nur Vizemeister."Sein vierter Verein in der Regionalliga West wurde letztlich 2020 Fortuna Köln. "Das war dann noch mal etwas Besonderes", sagt Löhden, weil er für die Stadt, die seine Heimat geworden war, spielen durfte. "Wir haben unfassbar ambitioniert gearbeitet", sagt Löhden. Der Aufstieg blieb verwehrt. Vor dieser Saison hatte er nicht den Eindruck, dass die 3. Liga ein realistisches Ziel ist. "Es war eine geile Zeit im Westen", zieht Löhden ein deutliches Fazit.

Die Regionalliga Nord könne er nicht einschätzen, sagt Löhden. Die Leistungsdichte sei wohl nicht so hoch wie im Westen, das Niveau insgesamt etwas geringer. Beim VfB Lübeck werde aber unter Profibedingungen trainiert. Vor dem ersten Saisonspiel am heutigen Freitag (19.30 Uhr) gegen Kickers Emden trainiert der VfB noch einmal um 11 Uhr. "Ich bin sehr angetan von den Bedingungen hier und von der Infrastruktur", sagt Löhden.

Der Saisonauftakt war gleich ein Fußballfest für Löhden und den VfB. In der ersten Runde des DFB-Pokals besiegte der Regionalligist den Zweitligisten Hansa Rostock.

Noch wohnt Löhden in Lübeck. "Der Wohnungsmarkt in Hamburg ist nicht so einfach", sagt er. Zumal er und seine Verlobte klare Standortvorstellungen haben und mit einem kleinen Hund kommen. "Die Wege sind hier aber kurz", sagt Löhden. Erst am Dienstag war er spontan in Buxtehude bei seinen Eltern zum Grillen. Was seine Kontakte in die Heimat zu alten Freunden betrifft, sagt er: "Ich hoffe, die blühen nun wieder mehr auf."

Wann er mit Lübeck auf D/A trifft, wusste Löhden nicht. Er lacht. "Ich habe erst mal nur geguckt, ob wir am Karneval spielfrei sind." Dem ist nicht so. Da muss der Kölner in Jannik Löhden verzichten. Auf D/A trifft der Buxtehuder übrigens am 28. Oktober erstmals, in einem Flutlichtspiel am Freitag in Lübeck.

Aufrufe: 05.8.2022, 07:30 Uhr
Tageblatt / Von Jan BröhanAutor

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