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Jan Boller: Ein Abschied mit Stolz

Der Kapitän verabschiedet sich ohne Profivertrag – und blickt dankbar zurück.

von RP / Leah Oldenburg · 16.05.2025, 14:30 Uhr · 0 Leser
Jan Boller hat wohl sein letzte Spiel im Fortuna-Dress bestritten.
Jan Boller hat wohl sein letzte Spiel im Fortuna-Dress bestritten. – Foto: Karl-Heinz Rickelmann

Schon mit 21 Jahren hat Jan Boller seine ersten Minuten auf internationaler Bühne gesammelt. Mit dem Linzer ASK überstand der Innenverteidiger die Gruppenphase in der Conference League und stand im Achtelfinal-Hinspiel gegen Slavia Prag (1:4) sogar in der Startelf. Eine Woche später fand die internationale Reise für den österreichischen Klub jedoch ihr Ende, und nur sechs Monate später war auch Bollers Zeit beim LASK vorbei: Der Innenverteidiger zog sich einen Kreuzbandriss zu und musste lange pausieren, seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag verlängerten die Linzer nicht.

Keine Aussicht in der Ersten

Doch der mittlerweile 25-Jährige hat sich zurückgekämpft und ist längst wieder zum unverzichtbaren Anker eines Teams geworden. Vor anderthalb Jahren entschied er sich dazu, einen Schritt zurückzugehen und Fortunas Regionalliga-Mannschaft zu verstärken. Schnell wurde klar, welch guten Fang die Düsseldorfer mit Boller, der sich ohne viel Anlaufzeit zum Stammspieler der U23 mauserte, gemacht hatten. Im vergangenen Sommer übertrug ihm Trainer Jens Langeneke das Kapitänsamt; auch diese Verantwortung meisterte der gebürtige Siegener mit Bravour und ging unermüdlich mit hervorragenden Leistungen voran.

Trotzdem wird sich sein Fortuna-Kapitel zum Saisonende schließen, denn auf lange Sicht ist die Vierte Liga eine Nummer zu klein für den Defensivakteur. Und obwohl Fortuna-Coach Daniel Thioune den 25-Jährigen in den vergangenen Monaten regelmäßig bei den Profis mittrainieren ließ, ihn achtmal für den Spieltagskader nominierte und sogar zu zwei Zweitliga-Einsätzen verhalf, wird der Verein ihm keinen Profivertrag anbieten. Über entsprechende Pläne hatte unsere Redaktion bereits vor mehreren Wochen berichtet, und mittlerweile ist hinter den Kulissen auch eine finale Entscheidung gefallen. Boller wird die Düsseldorfer im Sommer wieder verlassen und seinen Weg an anderer Stelle fortsetzen.

Boller zeihte positives Fazit

Besonders ärgerlich: In der jüngsten U23-Partie sah er seine fünfte Gelbe Karte und ist damit für den letzten Spieltag gesperrt. Die 1:3-Niederlage gegen Schalkes U23 war somit seine letzte Partie in rot-weiß – es sei denn, die Profis qualifizieren sich noch für die Relegation und Thioune setzt dann erneut auf den gebürtigen Siegener. „Ich bin Fortuna dankbar, dass sie mir nach einer schwierigen Zeit Vertrauen geschenkt hat. Und ich glaube, dass ich hier wieder ein Stück weit zu dem Spieler geworden bin, der ich vor der Verletzung war.“ Dazu habe nicht nur die ganze Spielpraxis gezählt, sondern auch die Zeit, in der Boller bei den Profis mitmischte und „auf einem etwas besseren Niveau trainieren durfte und auch ein paar Minuten gespielt habe“, ergänzt der Defensivmann. Auch wenn es nur für zwei 60-Sekunden-Einsätze im Unterhaus gereicht hat, nimmt Boller viel mit: „Es war immer cool, oben mit dabei gewesen zu sein und andere Eindrücke zu sammeln, vor allem auch mit ein paar mehr Fans“, so der scheidende Kapitän. „Ich bin froh, dass ich die Erfahrung machen durfte, auch wenn ich nur zwei ganz kurze Einsätze hatte. Da will man natürlich immer gerne mehr. Dennoch war es gut, dabei gewesen zu sein.“

Parallel hatte er aber immer auch ein Auge auf sein eigentliches Team, das lange um den Klassenerhalt zitterte und ihn erst am drittletzten Spieltag perfekt machte: „Da waren jetzt auch ein paar gute Wochen dabei mit den fünf ungeschlagenen Spielen in Folge“, erzählt Boller. „Die letzten zwei Spiele waren dann nicht zufriedenstellend, aber am Wochenende haben wir nochmal eine Chance, es besser zu machen und zuhause alles reinzuhauen.“ Auf dem Platz wird er dabei zwar nicht stehen, und trotzdem wird es sich der Kapitän mit Sicherheit nicht nehmen lassen, ein letztes Mal zum Flinger Broich zu fahren und seine Mannschaft von der Tribüne aus zu unterstützen.