
Ende Juli soll ein Gutachten mehr Klarheit über die Zukunft der maroden Tribüne an der Hubert-Houben-Kampfbahn bringen. Bis dahin bleibt offen, wie es mit einem zentralen Teil der Großbaustelle weitergeht - und ob die Tribüne überhaupt zu retten ist.
Im Sportausschuss am Dienstagabend, 12. Mai, wurde jetzt deutlich: Die Probleme reichen weit über einen normalen Sanierungsfall hinaus. In der CDU-Fraktion sprach man mit Blick auf die Lage des KTSV Preußen von einer „absoluten Katastrophe“.
Die Stadt stellte im Ausschuss erstmals einen konkreten Zeitplan für die weiteren Untersuchungen vor. Demnach soll ab dem 18. Mai zunächst ein Flächengerüst an der Tribüne aufgebaut werden. Ab dem 26. Mai sind umfangreiche Beprobungen des Betons vorgesehen, die voraussichtlich bis Ende Juni laufen werden. Ein Gutachten wird bis Ende Juli erwartet. Erst danach kann entschieden werden, wie es mit der Tribüne weitergeht - und welche Folgen das für die gesamte Sanierung der Bezirkssportanlage Hubert Houben hat. Denn inzwischen hängt ein erheblicher Teil des Projekts an genau dieser Frage.
Die Verwaltung machte auf Nachfrage der Grünen deutlich, dass derzeit keine seriösen Aussagen zum zweiten Bauabschnitt möglich seien. Dieser umfasst die Rundlaufbahn, Wettkampfanlagen und Nebenflächen rund um die Tribüne. Der Grund: Niemand wolle zunächst neue Sportflächen bauen, um später mit schwerem Gerät oder Kränen erneut Teile der Anlage beschädigen zu müssen, falls umfangreiche Arbeiten an der Tribüne oder ein Abriss erforderlich werden.
Damit bleibt derzeit nicht nur offen, wann der zweite Bauabschnitt startet. Auch mögliche Kosten der Tribünensanierung lassen sich noch nicht abschätzen. Ebenso wenig ist klar, ob die bestehende Tribüne überhaupt erhalten werden kann. Parallel laufen Abstimmungen mit dem Zentralen Gebäudemanagement, der Unteren Denkmalbehörde und dem Landschaftsverband Rheinland.
Die eigentliche Baustelle an der Bezirkssportanlage Hubert Houben war dabei längst geplant. Bereits 2023 hatte der Rat die Sanierung beschlossen, Baustart sollte ursprünglich im Herbst 2025 sein. Nun soll es nach aktuellem Stand in diesem Sommer mit dem ersten Bauabschnitt losgehen. Vorgesehen sind dort ein Kunstrasen-Großspielfeld, ein Kunststoff-Multifunktionsfeld, Tischtennisplatten, ein Ninja-Parcours sowie ein Calisthenics-Bereich. Fertiggestellt werden soll dieser Bereich im Mai 2027, wenn das Wetter mitspielt.
Das Kernproblem entstand erst mit der plötzlichen Sperrung der Tribüne im November 2025. Die Bauaufsicht hatte die Tribüne gesperrt, weil die Standsicherheit gefährdet sei. Die Sperrung trifft den Verein allerdings an einer empfindlichen Stelle: Unter der Tribüne befinden sich Umkleiden, Duschen, Toiletten sowie technische Infrastruktur. Von einem Tag auf den anderen standen diese Bereiche nicht mehr zur Verfügung.
Grundsätzlich ist die Sportanlage zwar weiter nutzbar. Ohne Umkleiden, Duschen und Sanitäranlagen ist ein regulärer Spielbetrieb jedoch nicht möglich. Der Fußballverband verlangt unter anderem getrennte Umkleiden und einen Schiedsrichterraum. Deshalb mussten Heimspiele verlegt und Heimrechte getauscht werden. Mannschaften trainieren inzwischen teilweise auf anderen Anlagen.
Im Ausschuss wurde deutlich, wie angespannt die Situation inzwischen ist. Mehrere Politiker schilderten den Frust beim Verein. Die derzeitige Situation sei kaum noch vermittelbar.
Dabei geht es nicht nur um den Verein selbst. Auch der Schulsport ist betroffen. Die Verwaltung betonte mehrfach, dass man die Nutzung der Anlage für Schulen aufrechterhalten wolle. Deshalb arbeitet die Stadt aktuell an einer schnellen Zeltlösung für die Umkleiden - als Übergangslösung. Die Pagodenzelte sollen dann von Hochseecontainern abgelöst werden, die der Verein beschafft. Die Stadt unterstützt, indem sie Transport und Aufbau bezahlt. Der Verein stellt im Gegenzug die Container auch für den Schulsport zur Verfügung. Geplant sind außerdem zeitnah mobile Toiletten. Was aber kurzfristig schwierig werden dürfte: die vom Verein geforderten Duschcontainer.
Die Verwaltung erklärte, dass insbesondere Duschcontainer kompliziert seien, weil dafür unter anderem Fragen der Wasser- und Abwasseranschlüsse sowie Genehmigungen geklärt werden müssten. Hintergrund: Duschcontainer dürfen nicht ohne Baugenehmigung errichtet werden, wenn sie länger als drei bis sechs Monate stehen bleiben und den klaren Zweck haben, den Spielbetrieb sicherzustellen. Selbst bei hoher Priorität werde es etliche Monate dauern, bis diese Genehmigung erteilt werden könne, erklärte die Sportverwaltung.
Seit der Sperrung der Tribüne läuft der Sportbetrieb des Vereins nur noch eingeschränkt und mit zahlreichen Improvisationslösungen. Die Jugend trainiert inzwischen teilweise an der Westparkstraße beim VfR Krefeld. Seniorenmannschaften sind unter anderem nach Oppum oder zu Spiel und Sport ausgewichen. Klar ist nun auch: In der nächsten Saison wird es beim Provisorium bleiben, ein regulärer Spielbetrieb auf der Bezirkssportanlage ist in diesem Jahr nicht möglich.
Trotz der schwierigen Lage bemühte sich die Verwaltung im Ausschuss um Optimismus. Eine Präsentation zeigte Visualisierungen der künftigen Anlage - vom neuen Kunstrasenplatz bis zu späteren Wettkampfflächen. Sie hatte die Stadt auch schon Anfang der Woche bei einer Bürgerinformation auf Einladung des Bürgervereins Kliedbruch gezeigt - und ebenfalls kontroverse Reaktionen erhalten.
Nun bleibt zunächst vor allem eine zentrale Frage offen: Was passiert mit der Tribüne? Die Antwort darauf soll das Gutachten liefern - frühestens Ende Juli.