
Dass einige Spielerinnen des VfR Warbeyen gelegentlich für Lehrgänge an ihren jeweiligen Nationalverband abgestellt werden, ist beim Zweitligisten längst kein neues Thema mehr. Während sich die Frauen des Vereins sukzessive in höhere sportliche Sphären vorgearbeitet haben, stieg auch die Anzahl der Spielerinnen, die auf dem Radar der (U-)Nationalmannschaften ihres Heimatlandes stehen. Isa Warps ist so eine Fußballerin. Auf dem Weg ins Nationaltrikot musste sie aber eine schwere Entscheidung treffen.
In diesem Jahr tat sich für den Sommer-Neuzugang des VfR Warbeyen die Möglichkeit auf, Indonesien – das Heimatland ihres Vaters – auf der internationalen Bühne zu repräsentieren. Isa Warps‘ Großmutter stammt aus Padang auf der Insel Sumatra.
Beim letzten Verein der Offensivspielerin, dem niederländischen Erstligisten NAC Breda, stieß ihr Interesse an der Nationalmannschaft allerdings auf wenig Begeisterung – ganz im Gegenteil. Die Verantwortlichen stellten Warps sogar vor die Wahl, die restliche Saison in Breda zu Ende zu spielen oder das Team zu verlassen. „Ich habe mich für die Nationalmannschaft entschieden, weil für mich damit ein großer Traum in Erfüllung geht. Ich betrachte es als große Chance für meine zukünftige Karriere – auch nach dem Fußball“, sagt die 20-Jährige.
Aber so ein „Doppelleben“ ist nicht einfach. Spätestens als Narjiss Ahamad im Februar innerhalb eines Vormittages von der marokkanischen Nationalmannschaft nach Deutschland zurückgekehrt war, um noch im Regionalliga-Auswärtsspiel bei der SGS Essen II mitzumischen, wissen alle Beteiligten um die Strapazen, die ein Engagement für das Nationalteam mit sich bringt. Dennoch würden sich wohl die wenigsten diese vielleicht einmalige Chance entgehen lassen. Isa Warps hat die Gunst der Stunde genutzt.
Ende Juni bestritt sie ihr Debütspiel für die indonesische Nationalmannschaft. Beim 1:0-Sieg in der Qualifikationsrunde zur Asienmeisterschaft 2026 gegen Kirgisistan erzielte Isa Warps das entscheidende Tor. Auch in vier weiteren Spielen, unter anderem gegen Pakistan und Taiwan, kam sie zum Einsatz. „Leider konnten wir uns nicht für die Asienmeisterschaft qualifizieren. Wir müssen als Team noch wachsen und eine Chemie entwickeln“, sagt Warps, die im kommenden Jahr ein paar Wochen in Indonesien verbringen möchte, um das Land auch abseits des sportlichen Engagements kennenzulernen.
Ihre Feststellungen zur Team-Chemie in der Nationalelf lassen sich nicht zuletzt auch auf die Situation, in der sich der VfR Warbeyen derzeit befindet, übertragen. In den Meisterschafts-Heimspielen hat der Zweitliga-Aufsteiger das Potenzial, das in ihm schlummert, bereits mehrfach unter Beweis gestellt – zuletzt beim 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach. Auswärts läuft hingegen noch wenig zusammen. Aktuell stehen drei deutliche Niederlagen zu Buche.
Immerhin erzielte Isa Warps beim 1:7 gegen Tabellenführer SC Sand ihren ersten Treffer im Trikot des VfR. Im Heimspiel gegen den FC Bayern München II (1:2) hatte Warps, deren Schnelligkeit besonders auf den Flügelpositionen zum Tragen kommt, bereits ein Tor aufgelegt.
„Gerade im Spiel gegen Bayern haben wir uns trotz der Niederlage wirklich gut geschlagen. Ich bin mir sicher, dass wir bald den ersten Sieg einfahren werden. Wir arbeiten wirklich hart“, sagt Warps, die sich über mehrere Probetrainings für den Kader des VfR empfohlen hatte. Das Niveau, das ihr in der Zweiten Bundesliga begegnet, bereitet ihr viel Freude. „Es geht hier sehr intensiv zu. Ich sehe das als Chance, viel dazuzulernen und mich persönlich zu verbessern.“
Zuletzt kam Warps vermehrt auch im Zentrum zum Einsatz. „Normalerweise spiele ich eher als Flügelspielerin, aber weil wir hier mit zwei Stürmerinnen spielen, bin ich ein wenig in die Mitte gerückt. Ich denke, ich kann dem Team mit meinem Selbstbewusstsein und meinen technischen Fähigkeiten helfen“, sagt Isa Warps.