2026-06-03T09:07:03.210Z

Interview

Interview: Wolf spricht Klartext zum Abstieg, Umbruch und Oberliga

Nach 15 Jahren in der Regionalliga hat es den ZFC Meuselwitz in dieser Saison nun doch erwischt: der Abstieg steht fest. Eine Zäsur für den Klub, der sich über eineinhalb Jahrzehnte mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln in der Liga gehalten hat.

von André Hofmann · Heute, 18:30 Uhr · 0 Leser
– Foto: Tanja Kaltofen

ZFC-Präsident Hubert Wolf ordnet im Gespräch mit FuPa Thüringen die Situation ein, blickt auf Ursachen, Konsequenzen und den Neustart in der Oberliga – und versucht dabei vor allem auch den Blick nach vorn nicht zu verlieren.

FuPa Thüringen: Der Abstieg aus der Regionalliga steht nach 15 Jahren fest. Überwiegt aktuell die Enttäuschung oder auch der Stolz auf das Erreichte?
Hubert Wolf: Das ist alles mit riesiger Arbeit über viele Jahre verbunden gewesen. Deshalb ist es schon ein Mix aus Gefühlen. Im Nachgang ist es nach wie vor schade, keine Frage. Aber ich verliere dadurch nicht den Lebensmut oder die Lebensgeister. Man muss das einordnen, auch wenn es natürlich weh tut.

FuPa Thüringen: Lok ist nicht aufgestiegen, ihr dadurch abgestiegen. Wie bitter ist es, wenn die eigene Zukunft teilweise von Ergebnissen abhängt, die man selbst nicht beeinflussen kann?
Hubert Wolf: Das war uns vorher klar, dass wir es nicht mehr komplett in der eigenen Hand haben. Wenn man auf andere angewiesen ist, ist das nicht extra bitter – es ist einfach die Situation. Am Ende zählt die eigene sportliche Leistung, und da haben wir es nicht mehr geschafft, die nötigen Punkte zu holen.

FuPa Thüringen: Was waren aus Ihrer Sicht die entscheidenden Gründe für den verpassten Klassenerhalt?
Hubert Wolf: Vor allem die lange Verletztenliste in den vielen englischen Wochen, auch durch den langen Winter. Einige Spieler hatten dann schwere Beine, gerade als der Druck größer wurde und es ums Gewinnen ging. Vielleicht hatten wir am Ende auch einfach zu wenig Breite im Kader. Die beiden Winterneuzugänge (Anm. d. Red. Felix Pilger und Jan Halasz) haben leider nicht das erhoffte Stammspieler-Niveau erreicht.

FuPa Thüringen: Hat der Verein in den vergangenen 15 Jahren das Maximum aus seinen Möglichkeiten herausgeholt?
Hubert Wolf: Auch die Dinosaurier sind eines Tages mal ausgestorben. Am Ende entscheidet nicht, wie lange man dabei ist, sondern wie man Fußball spielt. In dieser Liga ist es am Ende bezahlter Sport – und dafür war unsere Leistung in dieser Saison schlicht zu wenig.
Normalerweise hätte es reichen müssen, wenn man zwischenzeitlich elf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz hat.

FuPa Thüringen: Welche wirtschaftlichen und organisatorischen Auswirkungen hat der Abstieg?
Hubert Wolf: Wir rechnen damit, dass uns mehrere zehntausend Euro fehlen werden. Das bedeutet, dass wir uns in allen Bereichen ein Stück weit zurücknehmen müssen und wirtschaftlich vorsichtiger agieren werden.

FuPa Thüringen: Wird es einen größeren personellen Umbruch geben oder bleibt das Gerüst erhalten?
Hubert Wolf: Ja, es wird einen größeren Umbruch geben. Es hat sich in den letzten zwei Monaten schon abgezeichnet, dass es so nicht bleiben kann. Georg-Martin Leopold wird seinen Vertrag als Trainer erfüllen. Die Veränderungen im Kader werden wir Scheibchenweise bekanntgeben – je nachdem, wann die Verträge unterschrieben und die Tinte trocken.

FuPa Thüringen: Ist der direkte Wiederaufstieg das Ziel oder plant ihr einen Neuaufbau in der Oberliga, der bewusst mal ein, zwei Jahre in Kauf nimmt?
Hubert Wolf: Die Frage ist klar zu beantworten: Wir wollen den direkten Wiederaufstieg anstreben.

FuPa Thüringen: Was muss aus dieser Saison gelernt werden?
Hubert Wolf: Es gab am Ende wenig Positives. Wenn man etwas mitnehmen will, dann vor allem, dass uns deutlich gezeigt wurde, wo wir uns verändern und verbessern müssen.

FuPa Thüringen: Welche Botschaft geben Sie den ZFC-Fans mit?
Hubert Wolf: Wir sind ziemlich sicher, dass wir eine Mannschaft ins Rennen schicken werden, die das Potenzial hat, oben mitzuspielen. Ich bin überzeugt, dass die Zuschauer das honorieren werden. Und am Ende gehen Zuschauer lieber dort hin wo gewonnen wird, statt dort hin wo verloren wird.