
Mit am Ende doch satten 7 Punkten Vorsprung kam der FC Karlsdorf II in der Kreisklasse B Hardt als Klassenprimus ins Ziel. Vorentscheidend war am 18. Spieltag der Last-Minute-1:0-Sieg gegen Hauptkonkurrent Huttenheim. Karlsdorf erklomm seinerzeit mit 2 Zählern Vorsprung die Tabellenspitze, ließ sich diese nicht mehr nehmen und baute sie am drittletzten Spieltag entscheidend auf 4 Punkte aus. Am letzten Spieltag legte man dann nochmals im Vergleich 3 weitere Zähler zu. Karlsdorf schoss mit 92 die mit Abstand meisten Tore, 28 Gegentreffer sind der drittbeste Ligawert. Insgesamt kam man auf 21 Siege und 5 Unentschieden. Leverkusen-like blieb man die ganze Saison über ungeschlagen, saisonübergreifend sogar überragende 38 Spiele, also fast eineinhalb Spielzeiten lang.
Meistertrainer Tobias Weschenfelder stand FuPa gerne für ein Interview zur Verfügung.
Tobias, nochmals Glückwunsch zum Aufstieg! Ich nehme mal an, dass ihr dies gebührend gefeiert habt. Was ging ab?
Die Feierlichkeiten hatten bereits nach dem Training am 16. Mai begonnen, als klar war, dass Rheinhausen II nicht antreten wird und die Meisterschaft somit vorzeitig entschieden war. Das Ganze wurde dann die nächsten zwei Samstage fortgeführt. Der schönste Moment war sicherlich am letzten Spieltag, als zahlreiche Zuschauer in der Kohlfahrt nochmals ein gutes Spiel von der Mannschaft sehen durften und im Anschluss alle gemeinsam mit der Mannschaft die Meisterschaft gefeiert haben.
Meisterschaft und Aufstieg sind verdient! Dennoch musstet ihr beides quasi vom Sofa aus erleben, sagten doch am dritt- und vorletzten Spieltag eure Gegner ab. Wie war diese besondere Situation für euch?
Sowohl ich als auch die ganze Mannschaft hätten gerne beide Spiele gespielt. Unabhängig von jeder Situation will niemand, dass Spieltage ausfallen. Die Jungs freuen sich auf jedes einzelne Spiel. Natürlich ist diesmal die Situation sehr besonders gewesen. So hat das Ganze im ersten Moment schon etwas geschmerzt. Insbesondere das ausgefallene Spiel am vorletzten Spieltag, an dem die Meisterschaft entschieden wurde. Trotzdem konnten wir am letzten Spieltag die Runde dann doch noch versöhnlich beenden und der Frust meiner Spieler war spätestens da dann auch verflogen.
Ihr habt mit 68 logischerweise die meisten Punkte geholt, habt die meisten Ligatore (92) erzielt, besitzt das beste Torverhältnis und vor allem seid ihr saisonübergreifend seit 38 Spielen ungeschlagen. Zudem habt ihr auch in der Fairnesstabelle den 1. Rang erklommen. Was war für euch das Entscheidende in dieser Saison, gab es ein oder mehr Schlüsselspiele aus deiner Sicht?
Zunächst einmal bin ich sehr stolz auf die Leistung der Mannschaft. Auch unsere Serie von 38 Spielen ohne Niederlage ist sensationell und etwas Einzigartiges. Der erste Platz in der Fairnesstabelle ist für mich auch besonders wichtig. Wir waren hier immer oben angesiedelt und steigen nun auch als fairste Mannschaft auf. Das Einzige, was ich bemängeln könnte, waren die Gegentore. Vor allem in der Hinrunde haben wir da einfach zuviele bekommen. Ansonsten war es eine herausragende Leistung meiner Mannschaft. Der Schlüssel zum Erfolg ist definitiv der Teamgeist dieser Mannschaft. Wir haben für eine Zweite Mannschaft mit einer Kadergröße von 35 Spielern und einer durchschnittlichen Trainingsbeteiligung von ca. 22 Spielern keine "normale" Situation. Dies hat uns aber durch die ganze Runde getragen, denn immer wenn es Ausfälle gab, standen direkt die nächsten parat und haben ihre Leistung gezeigt. Ich hatte jeden Sonntag mindestens acht Auswechselspieler, egal wieviele Ausfälle wir hatten. Und bei dieser Größe und teils niedrigen Spielzeiten für einzelne Spieler, gab es niemals böses Blut oder schlechte Stimmung innerhalb der Mannschaft. Das zeichnet die Jungs aus, wie sie miteinander umgehen. Dieser Zusammenhalt ist für mich einzigartig und ich glaube auch in keiner anderen Mannschaft so extrem wie hier. Einzelne Spieler möchte ich gar nicht herausheben, weil es in jedem Spiel immer unterschiedliche Schlüsselspieler gab. Dieses Ergebnis ist ein Mannschaftserfolg!
Was war dein/euer Erfolgsrezept? Und hattet ihr auch mal Zweifel, dass es etwa nicht reichen könnte?
Wie bereits erwähnt, sind das Thema Zusammenhalt und auch der Glaube an sich selbst eine unserer größten Schlüssel. Auch in schwierigen Spielen haben wir immer gegenseitig an uns geglaubt und es gab keine Vorwürfe untereinander. Diese Mentalität hat uns dorthin gebracht. Die Trainingsbeteiligung und -qualität war immer auf sehr gutem und hohem Niveau. Alle Spieler haben meine Vorstellungen für den Sonntag gelebt und dementsprechend umgesetzt. Ich selbst bin ein sehr detailverliebter Coach, da hört sich das manchmal nach dem Spieltag doch oft sehr kritisch an. Auch dies haben die Jungs mitgemacht und haben hier auch immer meine Kritikpunkte ernstgenommen und versucht, zu verbessern. Natürlich gab es trotz vieler Euphorie Momente, auch Tage, an denen man Angst hatte, es könnte nicht reichen. Ich persönlich habe daran aber jeden Spieltag geglaubt. Wenn du Meister werden willst, dann darfst du dir einfach nicht viel erlauben. Die besondere Situation, dass auch nur der Meister aufsteigt, hat das Ganze noch nervenaufreibender gemacht als es sowieso schon war. Am Ende bringen dich einzelne Siege nicht zur Meisterschaft, sondern die Summe der Spiele und die Konstanz. Ein bisschen Glück schwingt immer mit, aber mit der ständig aufbauenden Serie an ungeschlagenen Spielen ist natürlich auch das Selbstbewusstsein ständig gewachsen und die Zweifel wurden immer kleiner.
Drei Spieler deines Teams haben zweistellig getroffen. War diese gewisse Ausgeglichenheit ein Vorteil?
In den vergangenen Jahren war es oft nur P. Reineck, welcher zweistellig traf. Dieses Jahr hat er zwar drei, vier Tore weniger auf dem Konto als "normal", aber dafür haben viele andere mehr Tore geschossen als in den Saisons zuvor. Bei uns hat sich im Verlauf der Saison gezeigt, dass grundsätzlich jeder in der Lage ist, Tore zu erzielen. So hat sich der Druck auf mehrere Schultern verteilt. Natürlich haben die besagten drei, Kneis, Jäger und Reineck, die meisten und alle zweistellig, aber auch dahinter haben viele ihren Teil dazu beigetragen. Dies war auch definitiv ein Vorteil für uns.
Du hast viele Spieler schon in der Jugend trainiert. Nun im Herrenbereich gemeinsam aufzusteigen, ist sicherlich etwas ganz Besonderes für dich/euch, nehm ich an, oder?
Für mich war dieser Aufstieg extrem emotional. Ich persönlich habe sehr viel Kraft, Zeit und Gedanken in das Ganze reingesteckt, wie auch schon in meiner Jugendzeit. Ich stehe seit Jahren quasi alleine an der Seitenlinie und bin mittlerweile froh, zwei Spielausschüsse zu haben, die mich da etwas entlasten. Dass ich diesen Erfolg mit vielen Spielern teilen konnte, die ich bereits in der Jugend begleitet habe, macht mich noch stolzer, als ich es eh schon bin. Für mich bedeutet meine Mannschaft alles und die Jungs wissen dies auch zu schätzen. Dieses Verhältnis zwischen jedem einzelnen Spieler und mir macht's für mich persönlich sehr sehr sehr besonders!
Was wird nach dem erstmaligen Aufstieg in die A-Klasse dort die Zielsetzung des FCK II sein? Was erwartet euch in dieser Liga?
Durch den Aufstieg ist natürlich etwas Einzigartiges für unseren Verein, aber auch für die Spieler geschehen. Die Zielsetzung muss natürlich sein, die Klasse zu halten. Ich denke, dass es für die Mannschaft gerade am Anfang etwas eine Umstellung werden wird, weil man sich auch daran gewöhnen muss, nicht mehr der Ligaprimus zu sein. Die neue Liga besteht fast nur aus Ersten Mannschaften bzw. aus Zweitverwertungen von Landes- oder Verbandsligisten. Auf dem Papier sind wir natürlich die kleinste Nummer, aber ich persönlich denke, dass wir sportlich sicher nicht diese Rolle einnehmen werden. Es wird eine neue Herausforderung, an die wir uns alle auch erst einmal gewöhnen müssen. Ich glaube aber, dass wenn wir uns auf die eigenen Stärken besinnen, die Qualität der Mannschaft ausreichen wird, um die Klasse zu halten. Davon bin ich fest überzeugt und dies wird auch unser Ziel sein.