
Die Rückkehr in den Verbandsspielbetrieb hatte sich Alejandro „Alex“ Medina ganz sicher anders vorgestellt. Bei seinem Debüt auf der Trainerbank der SG Stolberg kassierte der 57-Jährige mit seinem neuen Team eine bittere 1:2-Niederlage im Kellerduell der Fußball-Bezirksliga, Staffel vier, gegen den VfR Würselen. Durch die Pleite rutschte die SG erstmals in dieser Runde auf einen Abstiegsplatz.
„Mit einem 1:1 wären wir gut aufgestellt gewesen. Der Gegner hatte im letzten Drittel insgesamt mehr Aktionen, deshalb ist die Niederlage nicht ganz unverdient“, zeigte sich Medina als fairer Verlierer. Bastug Tchacoura brachte die Hausherren früh mit 1:0 in Führung (11.). Elmehdi Majbour gelang wenig später mit einem sehenswerten Freistoß der Ausgleich für den VfR (22.). In der Schlussphase markierte der kurz zuvor eingewechselte Eugene Nana Amoh-Nkansah den 2:1-Siegtreffer für die Gäste (86.).
„Wir wollten selbst auf das 2:1 gehen, um in dieser Situation für klare Verhältnisse zu sorgen. Das ist uns leider nicht gelungen“, erklärte Medina, der die Ausgangslage bei der SG zugleich als reizvoll beschreibt. „Sonst hätte ich diesen Job nicht angenommen. Gerade diese Brisanz macht die Aufgabe interessant. Es geht in jedem Spiel um alles — und genau das gefällt mir.“
Der A-Lizenz-Inhaber musste daher nicht lange überlegen, als ihn die Anfrage des SG-Vorsitzenden Daniel Lowis erreichte. Für Medina war das Engagement in Stolberg allerdings zunächst eine Reise ins Ungewisse, denn Berührungspunkte zum Verein hatte es bislang nicht gegeben. „Das war ein bisschen so, als würde man aufs offene Meer hinausschwimmen und schauen, was passiert. Aber ich habe in der ersten Woche schon gesehen, dass die Jungs mitziehen und bereit sind, den Weg mitzugehen. Deshalb sind meine ersten Eindrücke positiv“, sagte Medina.
Am Sonntag wartet auf die Stolberger mit dem Tabellendritten Germania Hilfarth die nächste schwere Aufgabe. Medina will den Blick dabei vor allem auf die eigene Mannschaft richten und weniger auf den Gegner. „Was wir jetzt angestoßen haben, wollen wir Schritt für Schritt weiterentwickeln und vor allem effektiver werden. Wir können am Ende auch die spielerisch schlechtere Mannschaft sein — entscheidend ist, dass wir gewinnen“, betonte der Trainer.
Die Zusammenarbeit zwischen Medina und der SG ist zunächst bis zum Saisonende vereinbart. Wie es danach weitergeht, ist offen. „Für alles andere ist jetzt weder Zeit noch Raum. So kann sich der Verein ein Bild davon machen, wie ich arbeite, und ich bekomme einen Eindruck davon, wie die nächsten Wochen laufen. Aber ich bin – und das verlange ich auch von allen anderen – voll auf das Hier und Jetzt fokussiert“, verdeutlichte Medina.
Zugleich machte er deutlich, worauf es im Abstiegskampf ankommt: „Eine Mannschaft steigt auf oder ab, je nachdem, ob alle Rädchen ineinandergreifen oder nicht. Wenn Vorstand, Trainerteam und Mannschaft an einem Strang ziehen, ist maximaler Erfolg möglich. Wenn ein Teil davon nicht funktioniert, bekommt man Probleme. Bei der SG habe ich bislang den Eindruck, dass die Verantwortlichen engagiert, motiviert und mit viel Herzblut dabei sind.“
Der VfR Würselen kommt derweil immer besser in Fahrt. Das Team von Spielertrainer Tim Gerhards feierte den zweiten wichtigen Sieg in Folge. In der Rückrundentabelle belegen die Würselener inzwischen sogar Rang sieben. Gerhards, der bei seinem Ex-Club selbst auf dem Platz stand – für die SG kam er wegen eines Kreuzbandrisses allerdings nie zum Einsatz –, stufte den Erfolg als „hochverdient“ ein: „Nach dem Ausgleich waren wir die klar bessere Mannschaft und hatten deutlich mehr Spielanteile. Ein Punkt wäre für uns am Ende viel zu wenig gewesen.“
Grundsätzlich sieht der 31-Jährige seine Mannschaft auf einem guten Weg. „Die Leistungen der vergangenen Wochen stimmen. Das war jetzt ein wichtiger Schritt“, sagte Gerhards, der mit seinem Team am Sonntag gegen Concordia Oidtweiler nachlegen will: „Natürlich wollen wir wieder auf Sieg spielen. Die Jungs wissen, worum es geht. Deshalb bin ich mit dem Gesamtbild momentan sehr zufrieden.“
Für seinen früheren Verein fand Gerhards zum Schluss auch noch wertschätzende Worte: „Ich wünsche der SG für die letzten Spiele nur das Beste. Ich hoffe, dass die Jungs die nötigen Punkte noch holen und auch in der Liga bleiben.“
Weitere Ergebnisse im Überblick:
Richterich -Germ. Hilfarth 1:3: 0:1 Hasani (56.), 0:2 Schostock (64.), 1:2 Peters (66.), 1:3 Demming (82./Foulelfmeter)
Ay-Yildizspor Hückelhoven - Konzen 1:0: 1:0 Latiris (69.)
Eicherscheid - Kuckum 5:0: 1:0 Jansen (23.), 2:0 Weishaupt (47.), 3:0 Jansen (48.), 4:0 T. Wilden (76.), 5:0 Voßen (83.)
Alem. Mariadorf - Roetgen 1:3: 0:1 Kohl (48.), 0:2 Nadenau (53.), 0:3 Mangaya-Twadela (58.), 1:3 Kamara (86.)
Kohlscheider BC - DJK FV Haaren 3:1: 1:0 Labas (19.), 1:1 Pütz (65.), 2:1 Labas (90.), 3:1 Nkrumah-Sarfo (90.)
SC Erkelenz - Bergrath 3:3: 0:1 Mankartz (5.), 1:1 Filinski (6.), 1:2 Özsan (21.), 2:2 Lütteke (36.), 2:3 Malu (68.), 3:3 Nickels (84.)
SG Stolberg – VfR Würselen 1:2: 1:0 Tchacoura (11.), 1:1 Majbour (22.), 1:2 Amoh-Nkansah (83.)
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