2026-01-20T07:14:11.657Z

Allgemeines
– Foto: Matthias Wolpert / K. Damrose

Ines Husic: "Werde nie vergessen, wie stolz mein Opa war"

Die 22-jährige Verteidigerin vom Oberligisten 1. FC Heidenheim spricht im FuPa-Interview über ihre Vergangenheit, die aktuelle Saison und ihre Ziele.

Der 1. FC Heidenheim überwintert in der Frauen-Oberliga Baden-Württemberg „nur“ auf Rang sechs – und doch ist im Aufstiegsrennen weiterhin alles offen. Mittendrin: Ines Husic, die ruhige Nummer 2, die der Defensive Stabilität gibt und in der Hinrunde sogar schon zweimal selbst getroffen hat. Im FuPa-Interview spricht die 22-Jährige über Verletzungssorgen, knappe Niederlagen und warum Heidenheim sich trotz Größe „im Herzen wie ein Familienverein“ anfühlt. Ein Porträt über Gelassenheit im Druck – und einen zweiten Saisonanlauf mit Rückenwind aus der Kabine.

Der Plan war klar, beinahe geradlinig: oben angreifen, hochgehen, nach der Vorsaison diesmal nicht wieder kurz vor dem Ziel stehen bleiben. „Für uns war klar, dass wir diese Saison aufsteigen wollen, da wir in der letzten Saison so nah dran waren“, sagt Ines Husic – und man hört in diesem Satz weniger Trotz als nüchterne Zielstrebigkeit. Zur Winterpause aber steht der 1. FC Heidenheim in der Frauen-Oberliga Baden-Württemberg „nur“ auf Rang sechs. 20 Punkte, 25:14 Tore – solide, aber nicht der Anspruch.

Husic beschreibt die Realität ohne Ausflüchte: „Ich glaube, die Hinrunde hat sich jeder von uns anders vorgestellt.“ Der Grund: „Wir sind mit vielen Verletzten in die Saison gestartet und haben Spiele knapp verloren, die wir eigentlich hätten gewinnen müssen!“ Und doch formuliert sie keinen Alarmismus, sondern ein Lob, das wie ein innerer Klebstoff wirkt: „Trotzdem bin ich stolz auf unser Team, dass wir uns trotz so vieler Verletzter gegenseitig aufgefangen haben.“

Wer auf die Tabelle schaut, erkennt: Das Rennen ist eng, selbst eine durchwachsene Vorrunde lässt Raum für eine zweite Erzählung. Husic sagt es so: „Und auch wenn sich der 6. Platz weit abgehängt anhört, ist es dieses Jahr eine super starke Oberliga. Uns fehlen nur 4 Punkte zu Platz 2 und 8 zum Tabellenführer. Insofern ist noch alles offen!“

Die Ruhe in der Kette

Ines Husic ist 22, wird am 28. Februar diesen Jahres 23 – und spielt Verteidigerin mit der Nummer 2. Eine Rolle, die selten glamourös ist, aber oft die Temperatur eines Spiels bestimmt. Sie beschreibt sich selbst als Antithese zum hektischen Fußball: „Ich würde mich als eher ruhige und sehr zuverlässige Defensivspielerin beschreiben.“ Diese Ruhe ist keine Pose, sondern ein Handwerk. „Ich bringe viel Gelassenheit ins Spiel und versuche, dem Team dadurch Sicherheit zu geben – besonders in Drucksituationen.“

Dass die Defensivspielerin in dieser Saison schon zwei Tore in sechs Einsätzen erzielt hat, ist dabei kein Zufall der Statistik, sondern Ausdruck eines kontrollierten Drangs nach vorn. Sie erzählt von Momenten, in denen die Linie zwischen Mut und Übermut dünn wird: „Manchmal packt es mich und dann will ich nach vorne starten, was auch schon mal schiefgegangen ist.“ Entscheidend ist, was danach kommt – keine Selbstanklage, sondern eine Art sportliche Reifeformel: „Aber insgesamt versuche ich, Fußball leichter zu sehen, als ich es vielleicht früher getan habe.“

Heidenheim als Rückkehr in die Familie

Seit 2024 ist Husic wieder in Heidenheim, einem Verein, den sie nicht wie eine Station, sondern wie eine Heimat beschreibt. „Ich kenne Heidenheim schon, seit ich 12 bin, und habe in der Jugend dort einige Jahre gespielt.“ Und: „Ich habe den Verein von Anfang an als sehr herzlich erlebt – und das ist bis heute so geblieben.“

Die Geschichte hat dabei eine besondere Note: Husic durfte damals lange bei den Jungs bleiben – „obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal eine Frauenmannschaft gab“. Was heute wie ein selbstverständlicher Entwicklungsweg wirkt, war damals eher ein Vertrauensvorschuss. Sie sagt: „Umso schöner ist es für mich jetzt, wieder hier zu sein und zeigen zu können, dass sich die Investition in ein Mädchen – obwohl es damals noch keine echte Perspektive im Verein gab – am Ende trotzdem gelohnt haben könnte.“ Und sie verdichtet Heidenheims Selbstbild zu einem Satz, der in Zeiten professioneller Hochglanzmarken fast altmodisch klingt: „Heidenheim steht für viele Werte, die nicht selbstverständlich sind. Obwohl es ein großer Verein ist, fühlt er sich im Herzen wie ein Familienverein an.“

Freiburg: der Sprung ins Erwachsenwerden

Wer Husics Laufbahn liest, sieht nicht den linearen Karriereaufstieg, sondern die Bewegung einer Spielerin, die Erfahrungen sammelt: FC Bayern München (U17), dann Corona ohne Spielbetrieb, später Freiburg II, Alberweiler, Hegnach – und schließlich Heidenheim. Prägend aber war für sie eine Station, die sportlich und privat zugleich zum Wendepunkt wurde: „Die prägendste Station für mich war der SC Freiburg.“

Dort, in der Regionalliga, nahm sie „sportlich extrem viel“ mit, durfte „erste Erfahrungen im Training der ersten Mannschaft“ sammeln. Noch stärker klingt aber der biografische Schnitt: „Mit 17 das erste Mal alleine zu wohnen, mich selbst zu versorgen und weit weg von Freunden und Familie zu sein, war ein großer Schritt für mich.“ Es ist dieser Ton, der Husics Auftreten erklärt: ruhig, geerdet, kaum anfällig für Überschwang.

Nationaltrikot und neue Öffentlichkeit

Ihr persönliches Highlight liegt nicht in einer Torquote, sondern in einem Gefühl, das sich schwer trainieren lässt: Stolz. „Ich denke, das Highlight meiner bisherigen Karriere war die Zeit in der bosnischen Nationalmannschaft.“ Für das Land ihrer Familie zu spielen, sei „unglaublich“ gewesen – und dann kommt der Satz, der den Fußball plötzlich in den Familienkreis holt: „Ich werde nie vergessen, wie stolz mein Opa war, als er mich im Nationaltrikot spielen gesehen hat.“

Auch die Gegenwart bringt Öffentlichkeit – nur eben anders. Auf Instagram und TikTok folgen ihr viele Menschen, doch Husic entzieht dem Hype den Sauerstoff: „Tatsächlich messe ich dem Ganzen gar nicht so viel Bedeutung bei.“ Sie macht Social Media „vor allem aus Spaß“, als kreativen Raum. Und doch wird daraus eine Wirkung, die sie wichtiger findet als Reichweite: „Noch schöner ist es für mich, wenn sich vor allem junge Mädchen dadurch bestärkt fühlen.“ Gerade weil sie die Zweifel kennt, sagt sie, „wenn ich da ein bisschen Mut machen kann, bedeutet mir das am meisten.“

Am Ende dieser Winterpause steht Heidenheim nicht da, wo es stehen wollte – aber auch nicht dort, wo man im Frühjahr schon in die Ausreden flüchtet. Husic formuliert das Ziel bewusst ohne Druckpathos: „In dieser Saison ist mein Ziel, einfach Spaß zu haben und mit der Mannschaft eine richtig gute Zeit zu erleben.“ Und dann, ganz Heidenheimer Pragmatismus: „Natürlich wünschen wir uns den Aufstieg und wollen oben mitspielen.“ Das klingt nicht nach Rückzug. Eher nach einer Verteidigerin, die weiß: Meisterschaften werden nicht nur gewonnen, sie werden auch ausgehalten.

Aufrufe: 026.1.2026, 20:00 Uhr
Timo BabicAutor