
Die Zahl der Frauen- und Mädchenteams im Landkreis nimmt zu. Das bestätigt einen Trend, den der BFV bayernweit beobachtet. Doch an Zuschauern fehlt es teilweise noch.
Landkreis – „Der Fußball in Bayern wird weiblicher.“ Das vermeldete jüngst der Bayerische Fußballverband (BFV). Von den im Juli erstmals mehr als 1,7 Millionen organisierten Mitgliedern im Freistaat seien rund 34 000 Frauen und Mädchen. Damit sei der Anteil der aktiven Fußballerinnen im BFV so hoch wie seit gut zehn Jahren nicht mehr.
In der Saison 2024/25 hätte es in Bayern im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs von mehr als 100 weiblichen Teams gegeben, die aktiv am Spielbetrieb teilnahmen. Besonders groß sei der Aufschwung bei den D- und C-Juniorinnen, bei denen 61 neue Mannschaften kickten.
Eine Altersklasse, die mittlerweile auch im Oberland etabliert ist – überwiegend im Landkreis-Norden. Mit großem Engagement und viel Ausdauer setzte sich Ralph Eckle beim TuS Holzkirchen vor Jahren für die fußballbegeisterten Mädchen ein. Er war überzeugt, dass die zwar durchaus in gemischten Mannschaften mitspielen können, in reinen Mädchenteams aber noch mehr Potenzial haben, sich sportlich zu entfalten, weil sie nicht hinter den Buben in die zweite Reihe treten können, sondern selbst die Initiative ergreifen müssen. Mittlerweile hat der TuS in allen Altersklassen Mädchenteams und ist stolz darauf, in der kommenden Saison auch wieder bei den Frauen anzutreten (wir berichteten). Ein erster Test verlief erfolgreich.
Otterfing/Arget und die SG Tegernseer Tal haben C-Mädchen im Spielbetrieb, und auch die im Vorjahr bei den D-Juniorinnen dominanten Young Girls Oberland als Spielgemeinschaft von Warngau und MSW Oberland werden in dieser Altersklasse antreten. So sehr sich Warngaus Yvonne Frischmuth über ihre Mädchenmannschaft freut, sieht sie doch Schwierigkeiten beim Nachwuchs. „Reine Mädchenmannschaften sind schon attraktiv für die Mädels“, sagt die Jugendleiterin, deren Tochter Milou einst bei den Buben kickte und heute zusammen mit Charlie Hammerer die Mädchenmannschaft trainiert. Die setzt sich zum Großteil aus den Jahrgängen 2011 bis 2013 zusammen. Ein paar Jüngere sind noch dabei, doch zu wenig für eigene Teams.
Selbst mit dem Norweger Modell, das auch Siebener-Aufgebote ermöglicht, tun sich die Vereine im ländlichen Raum schwer. Richtige Neulinge hätten die Warngauer noch nicht dabei gehabt. Alle hatten schon Fußballerfahrung.
Bei der SG Tegernseer Tal sprechen sie diese Neulinge konkret auch an. „Egal, ob du bereits Erfahrung hast oder neu im Fußball bist – komm vorbei und werde Teil unseres Teams“, sagen die B-Juniorinnen-Trainer Stefan Circo und Pektas Özel. Ältere Spielerinnen der SG Tegernseer Tal müssen sich neu orientieren.
„Für sie könnten wir eine Zukunft sein“, sagt Juliette Koll, die über Vater und Bruder mit dem Fußballfieber infiziert wurde und sich beim SV Parsberg für den Frauenfußball starkmacht. Seit einem Jahr spielen sie als Spielgemeinschaft mit dem SV Au zusammen im Inn-Salzach-Kreis. Während die Kapitänin nach einer Operation auf dem Spielfeld gerade kürzertreten muss, steckt sie ihre Energie in die Organisation. Unter anderem versucht sie mit viel Präsenz auf Social Media den Frauen mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen – auch vereinsintern. „Alle sind stolz, dass wir eine Damenmannschaft haben, aber zum Zuschauen kommen noch nicht so viele. Da ist noch Luft nach oben.“
Dass sich Koll während ihrer Zwangspause als Co-Trainerin engagiert, passt ebenfalls zu einem Trend, den der BFV vermeldet. Hinsichtlich derjenigen, die sich in den Klubs engagieren, gäbe es einen deutlichen Aufwärtstrend. Auch Ausbildung und Qualifizierung ist längst nicht mehr nur Männersache. Bestes Beispiel dafür ist die dezentrale Trainerausbildung, die aktuell mit weiblicher Beteiligung mit dem TuS Holzkirchen stattfindet. Heidi Siefert