"Ich fordere den FLVW auf, diesen Missstand zu beheben!"

Auf die Nachricht, dass die NLZ wieder den Trainingsbetrieb aufnehmen, gibt es teils wütende Reaktionen. Ein Überblick.

Volkes Seele kocht. Eine Entscheidung lässt Sportler, Funktionäre und Eltern Sturm laufen. Nachdem jetzt bekannt wurde, dass der Trainingsbetrieb in den vom Verband zertifizierten Nachwuchsleistungszentren ab sofort wieder erlaubt ist - und sonst nirgendwo -, erreichten die Reaktion ungewöhnlich viele Nachrichten. Fast ausnahmslos Beschwerden. FuPa Ostwestfalen hat die Argumente hier in einem Überblick gebündelt.
Olaf Küster, JFV Lohe-Bad Oeynhausen:
"Da fühlt man sich zum einen echt verarscht, zum anderen klar zurückgesetzt. Wie soll man seinen Spielern und eigenen Kindern erklären, dass NLZ-Teams wieder trainieren dürfen und sie nicht? Wir sind auf dem Weg in eine Zweiklassen-Gesellschaft."
Jürgen Tönsfeuerborn, Vorsitzender des Kreisjugendausschuss des Kreises Gütersloh: "Wo ist der Unterschied zwischen dem NLZ und dem Trainingsbetrieb eines Dorfvereins? Abgesehen von der Vorbildfunktion der Profivereine, die im Gegensatz zu den Amateuren sogar (Senioren-)Spiele austragen dürfen, ist dies wieder ein Zeichen, wie unsolidarisch diese Eliten gegenüber ihren "Zuliefervereinen" sind! Wir sind in einer gesamtheitlichen Krise! Muss denn jeder kleinste Spalt, den die Verordnung hergibt, vom "Leistungs-" Fußball ausgeschlachtet werden?

Weiterhin spielen Mannschaften der NLZ in Ligen, in denen auch Mannschaften aus Nichtnachwuchsleistungszentren spielen. Gegenüber diesen Amateurvereinen ist dies eine Wettbewerbsverzerrung, sollte der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Wie erkläre ich einem Dorfverein, dass die Jugend der Profivereine trainieren darf, aber die eigenen Mannschaften nicht? Wir sollten bemüht sein, die Krise GEMEINSAM zu meistern, ohne Extrawürste. Alles was sich die Profi-Vereine nun mehr rausnehmen, führt doch zu einer Neiddebatte, die keiner braucht. Gipfel der Unverschämtheit ist es, nun auch noch Spieler aus den Amateurvereinen zum Probetraining in die NLZ einzuladen! Dies ist ein unhaltbarer Zustand gegenüber den ehrenamtlich arbeitenden Amateurvereinen. Ich fordere den FLVW auf, diesen Mißstand mit dem Land NRW zu beheben."
Marcel Oelker, Jugendleiter SV Ubbedissen: "Vielleicht können Sie mir folgendes „logisch“ erklären: Familie A hat zwei Söhne oder Töchter - beide 12 Jahre alt. Sohn/Tochter A spielt in einem NLZ, Sohn/Tochter B spielt in einem Amateurverein. Sohn/Tochter A darf Fußball trainieren und auch Testspiele austragen und Sohn/Tochter B darf beides nicht. Beide Söhne/Töchter haben das Recht sich zu bewegen und einer sportlichen Ausbildung nachzugehen.

Auf einer Vereinssportanlage haben die Verantwortlichen die Möglichkeit, die Personengruppe einzugrenzen, indem der Zutrittsbereich abgeschlossen wird. Zudem kann der/die Verantwortliche/n eine Nachverfolgbarkeit aller Person mit Namen, Anschrift etc. erbringen und im weiteren kann eine Hygienekonzept (Händewaschen/Desinfizieren) beaufsichtigt und durchgeführt werden. Der Sicherheitsabstand zu den Paaren und weiteren Paar-Gruppen kann problemlos eingehalten und jederzeit sichergestellt werden."
Sven Rottmann, Bünder SV:
"Ich gönne es jedem, der wieder auf den Platz darf, aber in Bünde muss man dafür kämpfen, dass man mit seinem Sohn alleine auf den Platz darf! Der DFB hat die Amateurvereine schon jahrelang nicht genügend unterstützt. Aber die Politik setzt dem Ganzen jetzt echt die Krone auf! Was passiert hier?"


Robin Tusche, SV Bischofshagen-Wittel:
"Alles ganz traurig. Wirst hier schon schief angeguckt, wenn du aufm Spielplatz die Tore benutzt."
Thorsten Kraut, Jugendobmann der SpVg. Brakel:
"Ich freue mich, dass diese Jungs Training haben dürfen. Aber dass die jungen Sportler nun endgültig zur Zweiklassengesellschaft verkommen, ist unfassbar. Wir sind froh, mit einem einzigen im Abstand zu trainieren und sind scheinbar als Amateure Sicherheitsrisiko für die Menschheit! Unsere Jungs und Mädels sind für die Politik also scheinbar eine Gefahr und es nicht wert, hier berücksichtigt zu werden! Es ist eine unglaubliche und unfassbar demütigende Entscheidung gegenüber uns allen anderen Amateurmädchen und -jungs, die fast unwirklich erscheint! Vielen Dank für NICHTS, liebe Politik!"
6704 Aufrufe26.2.2021, 07:00 Uhr
FuPaAutor

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