2025-12-03T05:51:34.672Z

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Der Klassenerhalt wird zur Mammutaufgabe für Viersen.
Der Klassenerhalt wird zur Mammutaufgabe für Viersen. – Foto: Martin Häming

Houbens komplizierte Aufgabe in Viersen

Ende September übernahm Stephan Houben einen noch sieglosen 1. FC Viersen in der Bezirksliga. Mit seiner Erfahrung soll er die Mannschaft zum Klassenverbleib führen. Kein leichtes Unterfangen, wie Houbens ersten Wochen im Verein zeigen.

Dass Stephan Houben seit einem Monat den Trainerjob beim 1. FC Viersen innehat, hat auch etwas mit Pflichtbewusstsein zu tun. Viersens Abteilungsleiter Manuel Moreira und Houben kennen sich seit mehreren Jahrzehnten, und häufiger versuchte Moreira in der Vergangenheit bereits, Houben als Trainer zu verpflichten. Dieser musste aus verschiedenen Gründen stets ablehnen. Nun bekam Moreira allerdings seinen Zuschlag. „Es war an der Zeit, diese Schuld einzulösen. Das hat sich Manuel über viele Jahre erarbeitet“, sagt Houben.

Houben hat einige Baustellen vor sich

Sportlich betrachtet, hätte die Vergangenheit durchaus günstigere Momente geboten, um als Trainer beim 1. FC Viersen anzuheuern; Houben steigt quasi am Tiefpunkt des Vereins ein. Ende September übernahm er eine Mannschaft, die sechs Niederlagen aus den ersten sechs Spielen kassiert hatte. Der Landesliga-Absteiger schien frühzeitig auch in der Bezirksliga zu kentern, entsprechend musste Graziano Ruggeri, ein Trainernovize im Seniorenbereich, nach wenigen Wochen das Steuer abgeben – Houben leitet nun die Rettungsmission, ein Mann mit reichlich Erfahrung.

Der 54-Jährige besitzt eine lange Vita an Trainerstationen, von der Kreisliga A bis zur Oberliga. Zuletzt stand er zusammen mit Mike Schmalenberg beim Mittelrheinligisten FC Wegberg-Beeck an der Seitenlinie. Einige Jahre betreute Houben zudem als Sportlicher Leiter den Regionalligisten SV Straelen. Die Aufgabe in Viersen ist jedoch komplex. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Verein momentan Probleme hat“, sagt Houben. Vier Wochen Bestandsaufnahme liegen hinter ihm, mit zentralen Fragen: Welche Möglichkeiten bietet der Kader? Wie sind die Spieler drauf? Wie identifizieren sie sich mit der aktuellen Situation?

„Mir war erst einmal wichtig, festzustellen, wie die Mannschaft charakterlich gelagert ist und ob sie bereit ist, die Herausforderung anzunehmen. Da kann ich allen Jungs ein sehr gutes Zeugnis ausstellen“, sagt Houben. Sein Leitsatz für die Mannschaft: Solange er Trainer ist, ist die Mentalität nicht verhandelbar.

Sein Einstand hätte kaum wuchtiger ausfallen können als mit dem 2:1-Erfolg in der Nachspielzeit beim bis dato ebenso sieglosen SV Lürrip. Am vergangenen Wochenende verspielte Viersen hingegen in der Nachspielzeit den Sieg gegen Union Nettetal II (2:2). Dazwischen gab es Niederlagen gegen Tönisberg (0:2) und Grefrath (3:4). Insgesamt zeigen sich positive Impulse im Spiel der Mannschaft. Trotzdem ist ein Klassenverbleib noch in weiter Ferne.

In jedes Spiel als "Außenseiter"

„Wir stehen von der Qualität in der Tabellenregion, in die wir momentan hingehören“, sagt Houben über den Tabellenvorletzten, der vier Punkte nach zehn Spielen aufweist. Nach Aussage des Trainers sei man derzeit auf Matchglück angewiesen – gegen Lürrip war es vorhanden, gegen Grefrath und zuletzt Nettetal II nicht. „Ohne es negativ zu meinen: Wir müssen die Situation so annehmen und anerkennen, dass wir erst einmal in jedes Spiel als Außenseiter gehen“, sagt Houben.

Wie kompliziert die Situation ist, erlebt er bei jeder Trainingseinheit. In der Regel seien zwölf bis 13 Spieler anwesend. „Da bin ich höhere Teilnehmerzahlen gewohnt. Wir kommen nicht in die größeren Spielformen. Wir müssen im Training erfinderisch sein“, sagt Houben. Grund für die geringere Beteiligung sind mehrere schwere Verletzungen. Außerdem verließen in Aleksandar Pranjes und Derman Disbudak zwei Spieler, die als Leistungsträger eingeplant waren, den Verein nach wenigen Wochen wieder. Somit ist die Personallage ohnehin mäßig.

„Grundsätzlich glaube ich, dass wir zeitnah die Kaderstruktur ein Stück weit korrigieren müssen“, sagt Houben. Damit soll sowohl der Trainings- und Spielgestaltung geholfen werden. Vertragslose Spieler während einer laufenden Saison zu bekommen, ist jedoch schwierig, und im Winter zumeist etwas kostspielig. Zumal die neuen Spieler eine gewisse Qualität mitbringen sollten. Unter Umständen kann Houbens Netzwerk helfen, der den Fußball bereits in verschiedenen Positionen und Vereinen in der Region mitgestaltet hat.

Insgesamt hält er die Strukturen beim 1. FC Viersen für gut genug, um etwas bewegen zu können. Dazu zählen für ihn das Stadion am Hohen Busch, der Betreuerstab, der Trainingsabläufe vorbereitet und Physio-Aufgaben übernimmt, sowie die Fachkompetenz, die für ihn die Vereinsführung um Moreira besitzt. „Wir müssen jetzt zusehen, dass wir diese Kompetenz bündeln und unsere Power aufs Eis kriegen“, sagt Houben. Für ihn ist diese Aufgabe aber eher ein Marathon.

Erstes wichtiges Etappenziel für den Verein dürfte sein: bis zur Winterpause ausreichend Punkte zu sammeln, um in der Rückrunde für den Klassenverbleib noch in Schlagdistanz zu liegen.

Aufrufe: 024.10.2025, 13:30 Uhr
Daniel BrickweddeAutor