– Foto: Jens Dünhölter

Oberliga: Zoff in der Videoschalte

Während der virtuellen Gesprächsrunde zwischen Verband und Vereinsvertretern werden die großen Unterschiede der Klubs deutlich. Als es um das Thema "Geisterspiele" geht, verlässt ein Vertreter wutentbrannt die Sitzung.

Einen Tag danach hatten sich die Gemüter wieder beruhigt. Christian Knappmann, in Verl lebender Trainer von Westfalia Herne, entschuldigte sich sogar beim FLVW-Vizepräsident Manfred Schnieders für sein Verhalten während der Videoschalte aller Oberliga-Vereine. "Knappi" hatte die Frage von Schnieders auf die Palme gebracht, ob sich die Vereine bei einem Re-Start auch vorstellen könnten, eventuell ohne Zuschauer zu spielen. Geisterspiele träfen viele Klubs ins Mark, so Knappmann, sie seien für die Amateurvereine ein No-Go: „Wir, aber auch viele andere Oberligisten, sind aus finanziellen Gründen auf die Zuschauer angewiesen.“

Ähnliche Töne kommen von Victoria Clarholz: „Ich kann Knappi total verstehen. Bei uns in Clarholz machen Spiele ohne Zuschauer absolut keinen Sinn. Für uns ist jedes Heimspiel ein familiäres Event, bei dem wir viel Wert darauf legen, Spaß zu haben“, so Victoria-Trainer Christopher Hankemeier. Auch Tim Eibold, Sportlicher Leiter beim TuS Haltern, sieht dies so: "Eine längere Zeit ohne Zuschauereinnahmen ist undenkbar. Wir haben eine Mischkalkulation, in der spielen die Zuschauer eine wichtige Rolle. Bei uns zählt buchstäblich jede verkaufte Bratwurst."

Manfred Schnieders betont, dass er das Thema "Geisterspiele" als Denkmodell in die Runde geworfen habe. Denn: "Wir müssen sehr klein anfangen“, sagt der FLVW-Vize. Am Ende sei es möglicherweise eine Abwägung: "Starten wir früher mit Geisterspielen oder warten wir ab, bis Zuschauer erlaubt sind?"

In diesem Spannungsfeld bewegen sich die Oberligisten und natürlich auch alle anderen Vereine. Was sind die Klubs bereit zu tun, damit es möglichst schnell wieder losgehen kann? Die zweite Stellschraube, an der die Kicker selber drehen können neben einer Entscheidung über Geisterspiele, ist die der Vorbereitungszeit vor dem Re-Start.

„Die Verletzungsgefahr ohne vernünftige Vorbereitung ist viel zu groß."

Auch diese ist hochemotional und hochkontrovers, wie schon die große FuPa-Umfrage im Januar zeigte. In der Oberliga könnten die Meinungsverschiedenheiten beispielsweise zwischen Spitzenreiter FC Gütersloh und Aufsteiger Victoria Clarholz nicht größer sein. „Ich habe mit unserem Trainer Julian Hesse gesprochen. Er sagt, dass zwei oder drei Wochen Vorbereitungszeit ausreichen, weil alle Spieler bereits seit Wochen individuell nach speziellen Trainingsplänen arbeiten. Dass das nicht ideal ist, ist aber auch klar“, sagt Helmut Delker, Vorstand des FC Gütersloh. Hier spricht der Tabellenführer mit semiprofessionellen Strukturen, der den Aufstieg im Visier hat und als Oberliga-Meister am DFB-Pokal teilnehmen könnte.

„Die Verletzungsgefahr ohne vernünftige Vorbereitung ist viel zu groß. Die Oberliga ist Vorreiter für alle anderen Ligen. Wer sich schwerer verletzt, wird mit dem Fußballspielen aufhören“, betont dagegen der Clarholzer Trainer Christopher Hankemeier. Und: „Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir junge Leute beim Fußball halten können und somit langfristiger denken, anstatt die Saison nach einem halben Jahr Pause innerhalb von zehn Wochen auf Biegen und Brechen durchzupeitschen.“ Hier spricht der Liga-Neuling, für den die Oberliga die größte Herausforderung und das größte Abenteuer der Vereinsgeschichte bedeutet.



Wobei, in einem sind sich beide einig: Jammern zählt nicht! „Wenn die Saison fortgesetzt wird, werden wir nicht rumheulen, sondern Vollgas geben und alles tun, um die Liga zu halten“, sagt Hankemeier. Helmut Delker betont: „Wenn die Saison abgebrochen würde, wäre das für uns als ungeschlagener Spitzenreiter natürlich sehr schade. Aber für uns würde die Welt nicht untergehen. Wir würden dann in der neuen Saison wieder angreifen.“

Am Ende haben es die Klubs mit ihrem Votum ein bisschen selber in der Hand. Die Meinungsbörse ist eröffnet. Die Eckpfeiler indes werden von der Corona-Entwicklung und der Politik bestimmt. Am 4. März tagen die Sportminister. Da erhofft sich Manfred Schnieders "erste Signale, wie es weitergehen könnte". Am 7. März endet der Lockdown. Und am 9. März ist die nächste Videoschalte der Oberligisten terminiert. Da sitzen dann sicher auch wieder viele Emotionen mit im Zoom-Meeting.
Aufrufe: 017.2.2021, 10:00 Uhr
Matthias Foede / Markus VossAutor

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