
Um zu begreifen, wie gewaltig die Herausforderung für die Holzheimer SG ist, bis zum 34. Spieltag am 7. Juni das Ticket für die zweite Saison in der Oberliga Niederrhein zu lösen, genügt schon ein kurzer Blick auf den VfB Homberg, der am Sonntag (Anpfiff 15 Uhr) auf der Anlage an der Reuschenberger Straße zu Gast ist.
In der Saison 2021/22 waren die Duisburger noch Mitglied der Regionalliga West, nach Erster, Zweiter und Dritter Liga die vierthöchste Spielklasse in Deutschland. Die HSG beendete damals ihre vierte Landesliga-Saison nach dem Aufstieg 2018 auf dem überaus ordentlichen vierten Platz. Vier Jahre später treffen sich die beiden so unterschiedlichen Vereine genau in der Mitte, sind Konkurrenten im Abstiegskampf der Oberliga – aktuell mit den besseren Karten für Holzheim.
Denn gewinnt der Neuling am Sonntag, hätte er den auf einem Abstiegsplatz stehenden VfB Homberg abgehängt. „Durch wären wir zwar auch dann noch nicht“, mahnt Trainer Jesco Neumann, „aber das Pendel drehte sich in die richtige Richtung.“ Neun Punkte Vorsprung wären tatsächlich ein dickes Polster. Andererseits: Gelingt den Gästen aus dem Ruhrpott der erste Rückrundensieg, würden sie bis auf drei Zähler zur HSG aufschließen. Dann würde – siehe direkter Vergleich – auch die 1:4-Schlappe der Neusser im Hinspiel wieder zum Thema.
Im PCC-Stadion an der Rheindeichstraße hatte der VfB den Neuling vor allem in der mit 3:0 gewonnenen ersten Hälfte förmlich an die Wand gespielt und sich auf Rang zwei der Tabelle geschoben. Neumann: „Da hatten wir keine Chance.“ Dass Jo Noukumo, Torschütze zum Endstand, seither komplett leer ausgegangen ist und seine Sturmpartner Emir Demiri, Marcio Blank sowie Andres Gomez Dimas ebenfalls unter einer nur noch sporadisch unterbrochenen Ladehemmung leiden, erklärt, warum die Mannschaft von Trainer Stefan Janßen so in die Bredouille geraten ist.
Weil genau dieses eigentlich äußerst fähige Personal auch im Rückspiel auflaufen wird, ist Neumann auf der Hut. „Du weißt nie, was du bekommst. Das ist ein ganz gefährliches Spiel für uns gegen ein Team, das zum letzten Strohhalm greift.“ In seiner Hochrechnung in Sachen Klassenverbleib fehlen der HSG noch zwei Siege. Aber total sicher ist er sich da natürlich nicht: „Insbesondere wenn wir gewinnen, entstehen auf den anderen Plätzen oft die wildesten und verrücktesten Ergebnisse ...“ Nicht zum Ziel führen seine Truppe maue Auftritte wie der am Gründonnerstag beim 1:4 in Essen. „Da hat uns die Emotionalität gefehlt“, kritisiert der Trainer, der am Sonntag auch auf zwei Kicker hofft, die in Essen verletzt ausgewechselt worden waren: Der in dieser Saison bereits achtmal erfolgreiche Sakaki Ota musste im Uhlenkrug-Stadion in der 14. Minute vom Platz und ins Krankenhaus gebracht werden. Der Verdacht auf eine gebrochene Hand hat sich jedoch nicht bestätigt. Ebenfalls noch vor der Halbzeitpause machte auch Jonas Theuerzeit Feierabend: Nach einem, so Neumann, rüden Foul war die Partie für den 23-Jährigen mit einer Prellung oberhalb des Knies vorbei.
Auch wenn Jesco Neumann die Bedeutung des Heimspiels am Sonntag sehr wohl bewusst ist, möchte er das brisante Duell nicht größer machen als es ist. „Wir gehen da recht nüchtern ran.“