
Am Freitagabend war für Pascal „Calli“ Schneider Feierabend in der ersten Mannschaft der Holzheimer SG. Der Verein oragnisierte für seinen langjährigen Kapitän ein Abschiedsspiel. Der Abschluss einer bewegten Zeit bei der HSG.
Ein paar Minuten vor dem offiziellen Spielschluss nahm Schiedsrichter Heinz Hübinger die Pfeife in den Mund, um dem Hauptdarsteller des Abends eine gebührende Bühne zu bereiten. Er unterbrach mit einem Pfiff die Partie zwischen der aktuellen Landesliga-Mannschaft der Holzheimer SG und der Auswahl „Calli & Friends“ und gab Spielern, Funktionären und ein paar Besuchern die Möglichkeit, Spalier zu stehen. Damit begann der schwierigste Teil des Abends für die lebende Vereinslegende Pascal „Calli“ Schneider, für die die HSG eigens ein Abschiedsspiel mit zahlreichen alten Weggefährten organisiert hatte. „Ich wollte stark sein, es ging aber nicht“, scherzte Schneider hinterher, weil er sich nach dem Gang durch das Spalier vor lauter Rührung die eine oder andere Träne nicht verdrücken konnte.
Wieso der Verein den großen Aufwand betrieben hat, wird in der Einladung zu dem Abschiedsspiel deutlich. Da heißt es unter anderem: „Calli ist das Paradebeispiel von Vereinstreue“, und weiter: „Dabei hat Calli nicht nur fußballerische Qualitäten, sondern ist vor allem ein ganz toller Mensch.“ Der inzwischen 32-Jährige steht in der Tat für eine Bindung an den Verein, wie sie heutzutage nur noch überaus selten anzutreffen ist. Schließlich startete er in der F-Jugend, durchlief alle Nachwuchsmannschaften, schaffte als A-Jugendlicher den Sprung in die erste Mannschaft und hatte dann als Kapitän entscheidenden Anteil an der Entwicklung von einem A-Ligisten zu einem etablierten Landesligisten. „Unter Trainer Michael Stork habe ich meine Chance in der Ersten Mannschaft bekommen. Dafür bin ich sehr dankbar“, erinnert sich Pascal „Calli“ Schneider, der aber auch gerne auf seine ganz frühen Zeiten bei der HSG zurückblickt. In der Jugend begleitete ihn Trainer Ralf Karbowiak durch alle Jahrgänge und legte die Grundlagen für eine tolle Karriere im Amateurfußball. „Dass er auch zu meinem Abschiedsspiel gekommen ist, war sehr emotional“, sagte Schneider. Nachdem ihm mit der HSG schon im zweiten Seniorenjahr der Aufstieg in die Bezirksliga gelungen war, begann unter Trainer Guido van Schewick eine rasante Entwicklung, in jungen Jahren wurde „Calli“ schon zum Kapitän ernannt.
Es war schon früh zu erkennen, dass er kein gewöhnlicher Spieler war. Seine Lust auf Fußball, seine besondere Motivation kam auch dadurch zum Ausdruck, dass er schon immer lange vor allen anderen beim Training war, um bei der Vorbereitung zu helfen. „Irgendwann bin ich dann auch auf dem Platz zu verlängerten Arm des Trainers geworden“, sagte Pascal „Calli“ Schneider, der dementsprechend eine ganz besondere Beziehung zu Guido van Schewick entwickelte. „Ihm hat es der Verein zu verdanken, dass er in die Landesliga aufgestiegen ist. Er hat aus den damals noch wenigen Möglichkeiten in Holzheim viel gemacht und für einen ganz besonderen Zusammenhalt in der Mannschaft gesorgt“, erklärte Schneider. Nachdem van Schewicks in der später wegen Corona abgebrochenen Saison 2019/2020 von Hamid Derakhshan abgelöst worden war, verloren sich die beiden etwas aus den Augen. Umso überraschter war Schneider, dass auch van Schewick am Freitag zu Gast war. „Das hat mich sehr gefreut“, meinte Schneider. Viel Spaß hatte er freilich auch daran, dass bei „Calli & Friends“ zahlreiche Mitspieler aus all den Jahren im HSG-Trikot noch mal die Schuhe schnürten. Wobei Pascal „Calli“ Schneider die einzige Konstante war, nur er spielte durchgehend in der Holzheimer Erstvertretung. „Ich glaube, mein längster Wegbegleiter war Oliver Esser“, sagte Schneider, der am Freitag jeweils eine Halbzeit für beide Mannschaften auflief. Als er in der ersten Hälfte für „Calli & Friends“ im Einsatz war, war ihm sogar „sein“ Tor vergönnt. Nach einem Foul an Malte Boermans verwandelte er einen Strafstoß und trug so zum 5:4 (2:3)-Sieg der Gästekicker bei.
So schön und emotional der Abschied aus der Holzheimer Erstvertretung auch war, Schneider bereut seine Entscheidung nicht. Auch wenn mit gerade mal 32 Jahren noch einige gute Jahre vor ihm liegen könnten. „Ich habe eine Familie gegründet und mir ein Haus gekauft. Für mich beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt.“ Was aber auch sicher ist: Ganz ohne Fußball geht es dann doch nicht. In der Ü32 der HSG will er sich noch ein bisschen fit halten und künftig als Zaungast die Landesligaspiele verfolgen. „Darauf freue ich am meisten. Mit einem Bierchen in der Hand am Spielfeldrand stehen und meckern.“