2026-04-16T10:11:10.190Z

Allgemeines

Höhenflug der SG Sielow: Mit Demut und Offensivgeist zum Erfolg

FuPa-Teamcheck: Wie der Aufsteiger die Landesklasse Süd im Sturm erobert. Trainer Uwe Kleemann nennt die Gründe dafür.

von red · 12.02.2026, 18:00 Uhr · 0 Leser
– Foto: Frank Kaiser/Verein

Die SG Sielow ist das Phänomen der bisherigen Saison. Als Aufsteiger gestartet, um in der Landesklasse Süd „wieder Fuß zu fassen“, grüßt die Mannschaft von Trainer Uwe Kleemann zur Winterpause vom zweiten Tabellenplatz. Im FuPa-Teamcheck spricht der Erfolgscoach über das Erfolgsgeheimnis seiner „jungen Wilden“, die Bedeutung von Eigenverantwortung auf dem Platz und warum das Wort „Aufstieg“ für ihn trotz der Erfolgswelle ein Tabu bleibt.

FuPa: Als Aufsteiger steht Ihre Mannschaft nach der Hinrunde auf dem 2. Tabellenplatz und hat die gesamte Liga überrascht – wie erklären Sie sich diesen phänomenalen Durchmarsch in der ersten Saisonhälfte?

Uwe Kleemann: Vielen Dank für das Lob und diese Platzierung kommt natürlich auch für uns überraschend. Wir wollten die Aufgabe respektvoll und mit Demut angehen und wieder ein wenig Fuß fassen im Land. Es wurde in der Vorbereitung gut gearbeitet und durch die gute Nachwuchsarbeit konnten die aufrückenden A-Junioren-Spieler sofort Fuß zu fassen. Damit waren wir auch in der Breite gut aufgestellt und konnten im Training mit sehr guter Beteiligung uns so vorbereiten wie es sich gehört.

Es wurde den Jungs in den letzten Jahren immer wieder eingeschärft, dass zuerst die Arbeit und das Training kommt und dann bringt das vielleicht Erfolg mit sich und wer Erfolg hat - hat dann natürlich auch Spaß. Wir sind dann auch gut in die Saison gestartet mit Siegen gegen Groß Gaglow und Kolkwitz und so entwickelte sich ein kleiner Lauf. Dazu kam natürlich auch das Quäntchen Spielglück in einigen Spielen und das uns keiner so richtig kannte, das wird in der Rückrunde anders sein. Grundsätzlich geben wir den Spielern auch keine Zwänge vor und sie können und sollen auch auf dem Platz eigene Entscheidungen treffen.

FuPa: Mit 59 erzielten Toren in 15 Spielen stellen Sie die gefährlichste Offensive der Landesklasse Süd. Was macht Ihr Angriffsspiel in dieser Spielzeit so schwer berechenbar für die Gegner?

Uwe Kleemann: Grundsätzlich wollen wir selber das Spiel bestimmen und somit den Ball haben. Die Spieler denken offensiv und keiner neidet den anderen auch den Torerfolg. Durch die gute Breite an den offensiven Kräften, kann sich der Gegner auch nicht auf den einen bestimmten Torjäger konzentrieren. Wir verfolgen in den Spielen zwar einen gewissen Plan, aber jeder auf den Platz soll flexibel bleiben und nicht nur positionsgetreu spielen. Natürlich wollen auch wir in Ballnähe mit und ohne Ball Überzahl schaffen und Pressingsituationen auslösen. Wir erwarten von unseren Spielern, dass. wenn sich eine Möglichkeit ergibt, sie diese mit absoluter Überzeugung auch nutzen wollen.

FuPa: Trotz der vielen Siege gab es zwei Niederlagen. Welche Lehren haben Sie aus diesen Partien gezogen, um die Mannschaft noch stabiler für den Titelkampf zu machen?

Uwe Kleemann: Also von Titelkampf will ich nicht reden. Wir verfolgen den Plan Step by Step, aber aus den Niederlagen, das ist richtig, konnten gewisse Rückschlüsse gezogen werden. Auch wenn es mal nicht so läuft, muss man bei sich bleiben und sich nicht mit anderen Dingen beschäftigen. Da gilt es, selber Verantwortung zu übernehmen und nicht die Schuld irgendwo zu suchen. Unsere Stärke war bereits in der Kreisoberliga, dass man sich während des Spiels nicht mit Rückschlägen beschäftigt und weiter selbstbewusst auftritt und an sein eigenes Spiel glaubt.

FuPa: Wie hat sich die Rollenverteilung innerhalb des Teams seit dem Aufstieg verändert, und wer sind die Führungsspieler, die in der ersten Saisonhälfte vorangegangen sind?

Uwe Kleemann: Die Führungsrolle hat sich nicht viel zur Vorsaison geändert. Natürlich nehmen die Spieler viel von Andre Thoms, Martin Dahm und dem Mannschaftsrat mit, aber Spieler wie Marten Scholl oder Andre Zeuke haben in dieser Saison mehr Verantwortung übernommen. Grundsätzlich ist es in Phasen, wo es nicht so gut läuft , noch zu ruhig auf dem Platz und da bedarf es mehr Kommunikation miteinander.

FuPa: Wenn Sie auf die Hinrunde zurückblicken: Gab es einen Moment, in dem Ihnen klar wurde, dass Sie nicht nur um den Klassenerhalt, sondern ganz oben mitspielen werden?

Uwe Kleemann: Es gab da nicht den einen Moment, aber das Spiel in Saspow kann man da schon nennen. Zum einen hat man da eine Reaktion gezeigt, nach der Niederlage in Forst und zum anderen haben da einige Stammkräfte gefehlt und das hat uns gezeigt, dass auch die Spieler dahinter, die bis dato wenig gespielt hatten, ihre Leistungen bringen, um in der Landesklasse bestehen zu können.

FuPa: Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf der Vorbereitung und dem Engagement der Spieler, den hohen Standard der Hinrunde auch im neuen Jahr zu halten?

Uwe Kleemann: Mit der Vorbereitung bin ich absolut nicht zufrieden, was natürlich auch viel dem Wetter geschuldet ist. Das erste Punktspiel findet in knapp zwei Wochen statt und wir konnten bisher nur zweimal auf dem Rasenplatz trainieren. Man hat auch gespürt, dass nicht bei allen der Fokus wieder zu 100 Prozent da ist. Wir brauchen diese Mentalität, um überhaupt erfolgreich zu sein. Auch hier gilt es vielleicht auch Lehren daraus zu ziehen, um das ganze Training attraktiver und abwechslungsreicher zu gestalten. Es wird sich zeigen, ob der jetzige Aufwand gereicht hat, um erfolgreich in die Rückrunde zu starten.

FuPa: Um die Form für den Rückrundenauftakt zu testen: Welche Testspiele stehen noch in Ihrem Kalender?

Uwe Kleemann: Leider sind alle geplanten Vorbereitungsspiele ausgefallen und somit ist momentan nur noch ein Test gegen Krieschow II geplant. Das Spiel soll am 22.02.2026 stattfinden, aber aufgrund Wetterlage und somit auch Platzsuche kann ich über Ort und Zeit noch nicht so viel sagen.

FuPa: In der Winterpause stellt sich oft die Frage nach Verstärkungen oder Entlastung: Sind im Kader für die zweite Saisonhälfte Veränderungen geplant?

Uwe Kleemann: Es wurden in der Winterpause keine Bemühungen unternommen, um Veränderungen vorzunehmen, da wir mit dem aktuellen Kader maximal zufrieden sind. Ein Neu-/Altzugang bei der SG Sielow ist trotzdem zu verzeichnen, Marcel Stahn von dem VfB Cottbus.

FuPa: Der Rückstand auf Tabellenführer Schlieben beträgt nur zwei Punkte – ist die Meisterschaft und der damit verbundene direkte Durchmarsch in die Landesliga nun das klare Ziel für die Rückrunde?

Uwe Kleemann: Vor der Saison war das Ziel, erstmal Fuß zu fassen in der Landesklasse. Vieles hat sich von dem Ziel nicht geändert, denn wir wissen, wie schwierig es wird, diese doch ganz gute Hinserie zu bestätigen. Natürlich ist es schon das Ziel, sich auf den oberen Platzierungen festzusetzen, aber es werden mit Sicherheit auch wieder Rückschläge kommen. Aufstieg und Durchmarsch in die Landesliga ist zu 100 Prozent kein Thema bei uns, denn wir wissen wo wir hergekommen sind und wie viele Jahre man gebraucht hat, um wieder im Land zu spielen.

FuPa: Worauf wird es in den kommenden Monaten besonders ankommen, damit die Euphorie in Sielow bis zum letzten Spieltag anhält?

Uwe Kleemann: Natürlich ist es wichtig, wie man in die Rückrunde startet und da warten zwei absolute Gradmesser mit Groß Gaglow und Kolkwitz. Wir sollten weiter im Verein und in der Mannschaft realistisch an die kommenden Aufgaben herangehen und natürlich bei aller Ernsthaftigkeit sollte der Spaß auf, neben den Platz und besonders in der Kabine nicht zu kurz kommen. Aber da wird mir nicht Bange, da haben wir einige Jungs, die dafür schon sorgen werden.