– Foto: © FC Einheit Rudolstadt

Historisch frühes Tor bleibt Randnotiz

Die Rudolstädter starteten in das Nachholspiel zweier Mannschaften mit dem Vereinsnamen FC Einheit zwar mit dem schnellsten Treffer in zehneinhalb Jahren Oberliga, mussten am Ende jedoch den Kunstrasen im Städtischen Stadion als Verlierer verlassen.

Nach dem Anstoß der Gäste folgte ein Presseschlag, das Leder lag vor Marco Riemer und der Routinier jagte es fast von der Mittellinie am verdutzten Keeper von Wernigerode mit einem Aufsetzer in die Maschen. Da waren noch nicht einmal fünf Sekunden vergangen. Aber der ungewöhnliche Treffer blieb, da Rudolstadt das Match verlor, wohl nur eine Randnotiz...

„Wir sind sensationell mit der ersten Aktion in das Spiel hinein gekommen und gehen früh in Führung. Damit war der Gegner auch geschockt und wir waren in der Vorhand“, beschrieb Holger Jähnisch, seit von Beginn der Oberligazeiten Trainer der Hausherren, die Situation nach dem 1:0. Der Gegner musste den Rückschlag zwar verdauen, prüfte aber kurz darauf Schlussmann Stefan Schmidt mit einem Aufsetzer, den dieser wegfischte (2.). Es folgten zwei Eckbälle für die Grün-Gelben, aber schon hier zeigte sich die Crux dieses Nachmittags. „Leider wurden unsere zahlreichen Freistöße und Eckbälle kaum genutzt. In der chancenarmen Begegnung hätten wir daraus auch mal einen Treffer machen müssen, weil es anders kaum ging“, sagte Jähnisch. Nicht nur beim Siegtor zeigte der Kontrahent aus dem Harz, wie man mit Standards umgeht.

Doch der Ausgleich fiel nicht nach einem ruhenden Ball, sondern nach einem Einwurf, den die Platzelf schlecht verteidigte und den der ziemlich freie Steven Raeck mit einem Schuss aus knapp 16 Metern nutzte (20.). Fast wäre Wernigerode in der folgenden Szene die Führung gelungen, aber Schmidt war erneut aufmerksam (21.).

Die Rudolstädter waren zwar bemüht, doch in der kämpferisch betonen Partie mit einer Menge an Zweikämpfen, konnten sie sich in der torgefährlichen Zone kaum einmal entscheidend durchsetzen. Schon zur Pause zeigte sich Hannes Deicke, der erst seit dem 1. Januar 23 im Amt ist und mit seiner Mannschaft schnell die Punkte für den Klassenerhalt holen will, zufrieden: „Natürlich war es für uns schwierig, schon nach knapp zehn Sekunden durch den Ballverlust in Rückstand zu geraten. Aber meine Jungs haben in den letzten drei Wochen in der Vorbereitung gut gearbeitet.“

Dennoch gehörte die erste Chance nach Wiederbeginn der Jähnisch-Elf, doch Maximilian Schlegel scheiterte am herausstürzenden Torhüter Franz Lohse (47.). Nun wurde die Begegnung auf dem kleinen Platz ein Stück weit giftiger und erinnerte, da man auch auf den eng nebeneinander stehenden Trainerbänken keine Nettigkeiten austauschte, so ein wenig an das letzte Aufeinandertreffen beider Vertretungen im Harzstädtchen. Leider hatte der junge Referee nicht die Ausstrahlung und Souveränität, um das Spiel in ruhigere Bahnen zu lenken. Vier Verwarnungen für den Gastgeber und sechs für die Einheit auf der Gegenseite trugen nicht dazu bei, die Galligkeit auf und neben dem Platz herauszunehmen.

Das Spiel selbst bewegte sich weitestgehend zwischen den Strafräumen, wobei Mateusz Szymanski mit einem Kopfball einen Treffer der Gäste verhinderte (61.). Kurz danach tauchte Schmidt ins bedrohte Eck und hielt stark (63.). Für die Einheimischen verpassten Riemer mit einem Heber (65.) und einem Schuss knapp über das Gebälk (71.) mögliche Treffer. Aber irgendwie beschlich die Zuschauer, so sie den Thüringern die Daumen drückte, das ungute Gefühl, dass ein Siegtreffer wohl eher für die Mannschaft aus Sachsen-Anhalt möglich wäre. Und so kam es auch. Dass der eingewechselte Gino Dörnte, der vom Regionalligisten Halberstadt nach Wernigerode wechselte und den die Rudolstädter aus Nordhausen kennen, mit einer direkt verwandelten Ecke (82.), dafür sorgte und damit den Torhüter so wie Riemer zu Beginn überraschte, war schon bitter.

In der Nachspielzeit hätte der Gast sogar auf 3:1 stellen können, doch Schmidt hielt gegen den allein auf ihn zustürmenden Elia Friebe großartig.

Fazit der Trainer

Hannes Deicke resümierte: „Wir können damit zufrieden sein, auch wenn es am Ende glücklich für uns war. Eine Punkteteilung wäre in Ordnung gewesen. Wir hatten dieses Glück heute und das haben wir uns in der Vorbereitung auch erarbeitet. Deshalb ist der Sieg zwar glücklich, aber letztlich nicht ganz unverdient. Es war ein Fight auf Biegen und Brechen und ein sehr kämpferisch betontes Spiel mit vielen Zweikämpfen. Das war heute in Ordnung, es war ein guter Einstand und ein Auswärtssieg.“

Sein Gegenüber Holger Jähnisch zog diese Bilanz: „Das war natürlich ein missglückter Auftakt ins neue Jahr. Doch das haben wir uns letzten Endes hinten heraus selbst zuzuschreiben. Wernigerode hat uns vorgemacht, wie man auf diesem Geläuf agieren muss – einfach die Zweikämpfe führen. Damit war das Spiel fußballerisch natürlich nicht gut. Aber wir haben uns auch zu oft mit Dingen beschäftigt, die uns nicht weiterhelfen. Durch ein paar Nicklichkeiten lassen wir uns aus der Konzentration bringen. Das sind wir auch ein Stück weit zu naiv aufgetreten. Den Schuh muss sich die ganze Mannschaft anziehen. Daraus müssen wir schleunigst lernen. Wenn man das nicht schafft, hat man schlechte Karten.“

Am kommenden Samstag (28.01.23) spielt das Oberligateam erneut zuhause. Dann empfängt man den FC Grimma.

Aufrufe: 022.1.2023, 17:30 Uhr
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