
Noch nicht offiziell, aber schon lange kein Geheimnis mehr: Marco Hiller wird den TSV 1860 München im Sommer nach 17 Jahren verlassen.
Nachspielzeit der ersten Halbzeit zwischen 1860 und Essen (1:3) am vergangenen Samstag. RWE-Zehner Ahmet Arslan läuft alleine auf Löwen-Keeper Marco Hiller zu. Ein starker Reflex des 28-Jährigen. Die Kurve skandiert „Hiller, Hiller“. Es wird das vorerst vorletzte Heimspiel des Torhüters für 1860 München gewesen sein. Was vom Club noch nicht kommuniziert wurde, ist längst ein offenes Geheimnis: Hiller wird die Löwen nach 17 Jahren im Verein verlassen.
Was bleibt bei vielen Fans, ist die Frage nach den Gründen für den überraschenden Abgang des Publikumslieblings. Liegt`s am Geld? An der sportlichen Perspektive? An privaten Entwicklungen? Fakt ist, dass Hiller in den vergangenen Jahren bei 1860 zu den absoluten Topverdienern gehörte. Nach tz-Infos soll das neuerliche Löwen-Angebot unter den bisherigen Bezügen des Keepers liegen. Im künftigen Gehaltsgefüge sollen die ganz großen Ausreißer an der Grünwalder Straße 114 vermieden werden, auch Star-Rückkehrer Kevin Volland bildet da keine Ausnahme.
Doch die finanziellen Einbußen sind nicht die Hauptursache für die Entscheidung des Löwen-Urgesteins. Nach tz-Infos fehlt Hiller schon seit Längerem das Vertrauen der verantwortlichen Personen. Der Keeper habe lange gute Miene zum bösen Spiel gemacht und nun eine Entscheidung für sich getroffen. Auf gut Deutsch: Hiller hat die Schnauze voll!
Trotz seines jahrelangen Status als Nummer eins der Sechzger, war Hiller nie unumstritten. Immer wieder wurden dem Gröbenzeller Konkurrenten vor die Nase gesetzt – Hendrik Bonmann, David Richter oder René Vollath –, immer wieder setzte sich Hiller auf lange Sicht durch. Und dennoch scheinen die ständigen Zweifel an seiner Klasse an Hiller gezehrt zu haben.
Immerhin wird es den Löwenfans wohl erspart bleiben, Hiller in einem anderen Trikot gegen 1860 auflaufen zu sehen. Nach tz-Infos zieht es den langjährigen Stammkeeper ins Ausland, Frankreich scheint die wahrscheinlichste Option zu sein. Frankreich? Was im ersten Moment etwas überraschend klingt, macht auf den zweiten Blick Sinn. Hillers Partnerin Cloé ist Französin, das Paar bekam im Dezember 2023 eine Tochter. Ein Wechsel nach Frankreich würde also Sinn ergeben, besonders, da die Tochter noch einige Jahre im nicht-schulpflichtigen Alter vor sich hat.
Offiziell kommuniziert haben die Löwen den Abschied ihres Aufstieg-Torwarts von 2018 noch nicht. Als Rechtsverteidiger Tim Danhof nach der Essen-Pleite zur Hiller-Zukunft befragt wurde, funkte 1860-Pressemitarbeiter Felix Hiller – Bruder des Löwenkeepers – sofort dazwischen: „Da sagste nichts dazu.“ Einzig Patrick Glöckner, dessen Zukunft in München-Giesing über die Saison hinaus weiter unsicher ist, sagte vor dem Essen-Spiel: „Marco hat sich auch bei mir als Nummer eins durchgesetzt und hat ein entsprechendes Standing.“
Ein Standing, von dem Hiller zuletzt offenbar wenig verspürt hat. Klar ist: Der Abschied Hillers wird vielen Fans nicht gefallen. Spannend wird sein, wie Sport-Geschäftsführer Christian Werner die Lücke schließen will. Wer ab Sommer das Löwentor hüten wird, ist völlig offen. Hiller jedoch wird es nicht sein.