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„Heute nicht mehr möglich“: Ex-Haching-Profi Zimmermann spielte mit 21 noch in der Kreisliga

Erster Auswärtssieg mit Opas Hilfe

von Thomas Ernstberger · 19.02.2025, 08:26 Uhr · 0 Leser
Matthias Zimmermann während seiner aktiven Zeit bei der SpVgg Unterhaching.
Matthias Zimmermann während seiner aktiven Zeit bei der SpVgg Unterhaching. – Foto: Bernd Müller

Serien sind dazu da, um gebrochen zu werden, heißt es so schön. Für den damaligen Fußball-Bundesligisten SpVgg Unterhaching gingen im Februar 2000 gleich zwei Serien zu Ende.

Der FC Bayern gewann im Hachinger Sportpark – und die SpVgg siegte beim VfB Stuttgart – das waren vor 25 Jahren zwei ganz besondere Ereignisse.

Der Aufsteiger war nach der ersten Hälfte seiner ersten Bundesliga-Saison schon lange kein belächelter „Dorfverein“ und Abstiegskandidat Nummer eins mehr. Das lag nicht zuletzt an einer fast schon unheimlichen Serie: 25 Spiele und somit etwas mehr als 18 Monate blieb die Mannschaft um Kapitän Matthias Zimmermann (heute 54) im heimischen Sportpark unbesiegt. Bis am 11. Februar 2000 der FC Bayern kam und die Hachinger „Festung“ stürmte. Der 2:0-Sieg der Star-Truppe von Trainer Ottmar Hitzfeld war die erste Heimniederlage des Neulings in der Bundesliga und die erste seit dem 2. August 1998. Da hatte die SpVgg am ersten Spieltag der Saison 1998/99 gegen den späteren Meister Arminia Bielefeld mit 0:2 verloren.

Beim Derby gegen die Bayern zeigte sich der Underdog als ebenbürtiger Gegner, „ein Unentschieden wäre mehr als verdient gewesen“, sagte der 2018 verstorbene Vizepräsident Peter Grosser. Doch Paulo Sergio und Mehmet Scholl, die Torschützen der „Roten“ verhinderten vor den Augen von Ministerpräsident Edmund Stoiber die Sensation – die folgte dann allerdings in der nächsten Saison mit einem 1:0 durch das Tor von Miro Spizak. Superserie futsch, nur noch sechs Punkte Abstand zum Abstiegsplatz – für die Hachinger alles kein Grund, Trübsal zu blasen. „Dann müssen wir eben eine neue Heimserie starten“, sagte Trainer Lorenz Köstner.

SpVgg Unterhaching feierte seinen ersten Bundesliga-Auswärtssieg beim VfB Stuttgart

Nur eine Woche später sprach keiner mehr über die Niederlage gegen die Bayern. Denn heute vor exakt 25 Jahren, am 19. Februar 2000, ging die nächste Serie zu Ende – dieses Mal eine „schwarze Serie“. Haching bannte endlich den „Auswärtsfluch“, feierte den ersten Bundesliga-Sieg auf des Gegners Platz, holte erstmals seit dem 25. April 1999 (2:0 bei Fortuna Köln) drei Punkte in der Ferne. Und das auch noch beim von Ralf Rangnick trainierten VfB Stuttgart, dem Verein, mit dem Köstner 1993 als Co-Trainer von Christoph Daum sowie seine damaligen SpVgg-Akteure Alex Strehmel und Wiggerl Kögl Deutscher Meister wurden.

Und jetzt kommt der Mann ins Spiel, der diesen Sieg sein Leben lang nicht vergessen wird: Matthias Zimmermann, seit Beginn der ersten Bundesliga-Saison als Nachfolger von Matthias Lust (war zu Zweitligist VfL Bochum gewechselt) Kapitän des Aufsteigers, machte ein überragendes Spiel – „wahrscheinlich mein bestes in der Bundesliga“, erinnert er sich. „Käpt’n Zimbo“ bereitete nicht nur Altin Rrakllis 1:0 vor, sondern machte fünf Minuten vor dem Abpfiff auch noch höchstpersönlich mit dem Treffer zum 2:0-Endstand perfekt. Es war sein zweites von vier Toren in der Bundesliga, in der er 66 Mal das SpVgg-Trikot trug und damit zu Hachings „Vize-Rekordspieler“ hinter Danny Schwarz (68 Einsätze im Oberhaus) avancierte.

Es war aber auch ein ganz besonderes Tor, das bewegendste seiner Karriere. Sein Großvater, „mein größter Fan“, war am Dienstag vor dem Spiel verstorben. Bei der Beerdigung am Freitag sagte seine Oma: „Schieß ein Tor für den Opa!“ Zimbo erfüllte ihr tags darauf den Wunsch – und war nach dem Spiel „emotional ganz schön fertig: Der Opa hatte von oben mitgeholfen…“

Ein Tor für den kurz zuvor verstorbenen Opa

Insgesamt absolvierte der gebürtige Trostberger 255 Pflichtspiele (25 Tore) für die SpVgg (66x Bundes-, 143x zweite und 111x Regionalliga, dazu 14 Einsätze im DFB-Pokal). Nur Ralf Bucher (405) und Jörg Bergen (265) kamen auf mehr Spiele. Nach neun Jahren verließ Zimmermann die SpVgg in Liga 2 (seine letzten Trainer: Andy Brehme und Harry Deutinger), wechselte 2005 wieder von Rot-Blau zu Rot – nicht zuletzt dank „Herrn Hoeneß“ (so nennt er den Ehrenpräsidenten heute noch), der ihn seit seiner ersten Bayern-Station schätzte und ihm das „Meistermacher-Spiel“ gegen Leverkusen hoch anrechnete. Der ehemalige Haching-Kapitän spielte noch eine Saison für Bayern II, ist seit 2006 im Merchandising-Bereich des Rekordmeisters tätig.

Die Zimmermanns – eine rundum glückliche Familie: (v.l.) Ehefrau Monika und Matthias mit den Kindern  Paul und Helena.
Die Zimmermanns – eine rundum glückliche Familie: (v.l.) Ehefrau Monika und Matthias mit den Kindern Paul und Helena. – Foto: privat

Mit 21 noch in der Kreisliga

Der frühere Bayern-Profi und spätere Wacker-Burghausen-Trainer Kurt Niedermayer („mein Mentor, ein überragender Mensch und Trainer“) war es, der dem jungen Talent Matthias Zimmermann damals den Weg nach oben ebnete: Der Ex-Nationalspieler entdeckte den Mittelfeldmann beim TSV Trostberg in der Kreisliga und holte ihn 1992 zu Landesligist Burghausen, mit dem er sofort in die Bayernliga aufstieg. Von dort ging’s 1994 zur zweiten Mannschaft der Bayern und von da nach zwei Jahren Regionalliga (damals 3. Liga) nach Haching. Dort wurde er zu einer „Vertrauensperson“ für Trainer Lorenz Köstner. „Er war sportlich und menschlich top“, so der Coach. Und Zimbo blickt zurück: „Ich habe mit 21 den Sprung aus der Kreisliga nach oben geschafft – das ist heutzutage nicht mehr möglich.“

Seit 2009 lebt Zimmermann mit Ehefrau Monika, die er 2004 kennengelernt hat („nach den sportlichen Erfolgen mein größter privater Erfolg“) und seinen Kindern Helena (12) und Paul (9) als rundum glückliche Familie in Bad Feilnbach. Das aktive Fußball-Spielen hat er zwar mittlerweile komplett eingestellt, doch die Fußballschuhe hat „Zimbo“ vor zwei Jahren wieder ausgepackt: Er ist Trainer der Feilnbacher E-Jugend, in der sein Sohn spielt. „Das hatte ich eigentlich nie vor“, gibt er zu. „Aber es macht mir jetzt richtig viel Spaß.“ Entscheidend: Nicht der Leistungsgedanke, „sondern die Freude am Spiel und das Miteinander, das zusammenschweißt“. Wie damals in Haching…