2026-02-20T12:29:42.904Z

Spielvorbericht

Herkulesaufgabe ohne den "Chef"

Wenn der Westthüringer Aufsteiger SV Borsch 1925 am Samstag zur Mittagszeit beim Spitzenreiter SV SCHOTT Jena antritt, muss Trainer Andreas Mannel unfreiwillig aus der Distanz mitfiebern.

von André Hofmann · Heute, 08:10 Uhr · 0 Leser
– Foto: Sebastian Harbke

Der Borscher Coach hatte in der vergangenen Woche die Gelb-Rote Karte gesehen und darf daher in Jena nicht an der Seitenlinie stehen. Ausgerechnet beim Ligaprimus fehlt damit der gewohnte Motivator auf der Bank.

„Ich bin guter Dinge, wir haben einen guten Staff. Wir werden den Matchplan so gestalten, dass es für die Jungs kein Nachteil wird, dass ich nicht direkt draußen stehe“, zeigt sich Mannel dennoch optimistisch.

Moral stimmt – Remis-Serie bremst

Sportlich präsentierte sich der SVB zum Pflichtspielstart mit bemerkenswerter Moral. Sowohl beim 3:3 bei Wismut Gera als auch beim 2:2 gegen Bad Langensalza bewiesen die Rhöner Comeback-Qualitäten. Rückstände warfen die Mannschaft nicht aus der Bahn, vielmehr kämpfte sie sich jeweils zurück ins Spiel. Allerdings verhindert das mittlerweile siebte Unentschieden im 15. Saisonspiel größere Tabellensprünge. Mannel ordnet die Situation realistisch ein: „Seit mehreren Monaten haben wir akute Verletzungssorgen und Ausfälle zu beklagen. Angesichts der Situation machen wir aber das Beste aus den Spielen. Wir sind immer ebenbürtig und geben niemals auf. Wir haben in den beiden Spielen gezeigt, dass wir uns auch von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen. Bis zur letzten Minute versuchen wir alles reinzuhauen.“

Für zusätzlichen Frust sorgte zuletzt die Entstehung des frühen Rückstands gegen Bad Langensalza: „Das erste Tor war doppelt abseits und davor gab es noch ein Foulspiel, wie die Bilder klar zeigen. Das hatte einen Einfluss auf das Spiel und den Spielverlauf. Natürlich bin ich dadurch maximal gefrustet. Emotionen gehören zum Fußball dazu. Mehr möchte ich dazu auch nicht mehr sagen.“

Herkulesaufgabe beim Ligaprimus

Mit SCHOTT Jena wartet nun das Maß aller Dinge der Liga. Die Mannschaft von Trainer Christian Kummer führt die Tabelle mit sieben Punkten Vorsprung an und hat den Thüringenliga-Titel fest im Visier. Individuelle Qualität, Erfahrung und Konstanz machen die Glaswerker zum Topfavoriten. „Zu SCHOTT brauche ich nicht viel sagen. Wenn sie ihre PS mit ihrer individuellen Qualität und Erfahrung auf die Straße bringen, dann ist das für uns eine Herkulesaufgabe. Nichtsdestotrotz nehmen wir die Situation sportlich an und wollen uns mit den Besten in Thüringen messen. Also gehen wir die Sachen wie jedes Spiel auch an“, so Mannel.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Gäste: Auch der Spitzenreiter wirkte zuletzt noch nicht im absoluten Rhythmus. Der knappe 3:2-Erfolg in Bad Frankenhausen war kein Selbstläufer. Zudem ließ SCHOTT seine wenigen Punkte in dieser Saison ausgerechnet auf heimischem Platz liegen – beide Niederlagen sowie das einzige Unentschieden kassierte der Tabellenführer vor eigenem Publikum.

Ex-SCHOTT-Spieler noch in Warteschleife

Trotz aller Widrigkeiten reist der Aufsteiger nicht ohne Selbstvertrauen nach Jena. Die Moral stimmt, die Mannschaft gibt sich nie auf – und vielleicht liegt genau darin die Chance. Wenn Borsch defensiv diszipliniert agiert und erneut seine Comeback-Qualitäten auf den Platz bringt, könnte der Tabellenführer mehr Gegenwehr bekommen, als ihm lieb ist.

Gerade in einer solchen Partie hätte einer wie Paul Wagner sicher helfen können. Der ehemalige SCHOTT-Spieler kennt Verein und Umfeld bestens und hätte mit seiner Erfahrung sowie seinen Leaderqualitäten zusätzliche Stabilität verliehen. Doch der Mittelfeldakteur fehlt dem SVB aufgrund einer Verletzung bereits die komplette Saison. „Wir hoffen, dass er mit Beginn der Vorbereitung zur neuen Saison zurückkehrt. Er ist wichtig für uns und würde uns sehr gut tun“, betont Mannel mit Blick in Richtung Sommer.