
Sinnbildlich für eine schwierige, nervenaufreibende Saison: In einem wahren Herzschlagfinale sicherte sich der Würzburger FV am vergangenen Wochenende den direkten Klassenerhalt in der Bayernliga Nord. Ein großer Erfolg in Anbetracht dessen, dass die Unterfranken zwischenzeitlich Schlusslicht waren. Eine herbe Enttäuschung, wenn man die Vergangenheit des Traditionsvereins, den namhaften Kader und die enorme Wucht des Clubs sieht. Hans Schäffer, als "Vorstand Aktivität" derjenige, der das sportliche Sagen hat in der Zellerau, dazu im Interview...
Hans, herzlichen Glückwunsch zum direkten Klassenerhalt in Folge eines wahren Nervenkrimis. Der WFV hatte alles in der eigenen Hand, hat aber sein letztes Saisonspiel gegen den Jahn verloren. Glücklicherweise aus Eurer Sicht konnten aber auch Erlangen und Stadeln, die direkten Konkurrenten, nicht gewinnen. Erzähl doch mal: Wie hast Du den Samstag erlebt? Wie viele graue Haare hat der 34. Spieltag der Bayernliga Nord verursacht?
Sehr viele (lacht). Leider war ich aufgrund eines schon länger geplanten privaten Termins nicht live dabei. Ich war aber immer am Handy und habe alles – soweit es möglich war – mitverfolgt. Nach anfänglichem Jubel hat sich mein Gemütszustand immer weiter verschlechtert. Nach dem Rückstand sind mir dann die Haare komplett zu Berge gestanden. Nach dem 3:3 von Erlangen ist dann endgültig der Puls hochgefahren. Gott sei Dank ging alles gut aus. Auch wenn wir es uns anders vorgestellt hätten, sind wir glücklich! Dementsprechend groß war die Erleichterung nach Abpfiff.
Wie fällt Dein generelles Saison-Fazit aus? Seid ihr mit dem blauen Auge davon gekommen?
Ich habe ja erst in der Winterpause übernommen. Und ich will mich auch nicht loben, aber ich habe dem Trainer den Rücken frei gehalten und einige Entscheidungen getroffen, die wichtig waren. Wir haben den Kader sortiert und viele Gespräche geführt. Dass wir den direkten Klassenerhalt noch geschafft haben, nachdem uns bereits jeder abgeschrieben hatte, war eine Gemeinschaftsproduktion. Es war ein absolut heißes Eisen, auf das ich mich eingelassen hatte! Zu Beginn meiner Amtszeit wäre ich mit der Relegation zufrieden gewesen. Seit der Winterpause waren die Leistungen und Ergebnisse der Mannschaft sehr zufriedenstellend.
Angesichts namhafter Spieler wie Steffen Krautschneider und Adrian Istrefi, die im Sommer zurückgekehrt sind: Ist der Klassenerhalt am letzten Spieltag eine bittere Enttäuschung? Oder entspricht die Endplatzierung dem Niveau/der Qualität der Mannschaft?
Jein. Auf dem Papier ist die Qualität da. Krautschneider, Istrefi und die anderen erfahrenen Spieler haben ihr Sache gut gemacht, sind dadurch – genauso wie die übrige Mannschaft – in ein Loch gefallen. Ihnen ist es nicht gelungen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen – zumindest in der Vorrunde. In der Rückserie waren sie dann Leistungsträger und die komplette Mannschaft hat sehr gut und konzentriert gearbeitet.
Der Start in die Spielzeit war alles andere als glücklich. Erst verließ Cheftrainer Philipp Eckart kurzfristig den Verein, dann war der WFV Schlusslicht. War es ein Fehler, Andi Eisenmann vom „Co“ zum Cheftrainer zu machen?
Zunächst war es sehr unglücklich, dass Philipp Eckart den Verein so kurz vor Saisonbeginn verlassen hat. Man hat dann zu lange gewartet, die Nachfolge fix zu regeln. Und dann kann man nicht einen unerfahrener Co-Trainer als alleinverantwortlichen Übungsleiter installieren. Das geht nicht! Eine klare Fehlentscheidung! Er hat es dann auch leider nicht gut gemacht. Absoluter Niedergang war die Niederlagenserie...

Mit Christian Breunig ging es wieder aufwärts. Gerade die Spiele nach dem Winter haben Eindruck hinterlassen. Liegt's wirklich an Christian?
Spielst Du die Vorrunde ähnlich wie die Rückserie, stehst du am Ende wahrscheinlich auf dem 5. Platz. Das spricht für sich! Das ist das Ergebnis von harter Arbeit – von ihm und der Mannschaft. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, dass wir die Klasse halten konnten. Entscheidend war ein offener und ehrlicher Umgang miteinander. Es wurden auch mal unangenehme Dinge direkt angesprochen. Christian hat es geschafft, alles richtig einzuschätzen und an den nötigen Stellschrauben zu drehen. Allein, dass er die Defensive stabilisiert hat, ist hier zu nennen. Das ist eine große Leistung!
Warum ist er genau der richtige Trainer für den WFV?
Es klingt einfach, ist aber doch kompliziert: Auch aufgrund seiner Vergangenheit hat er den WFV verstanden. Er versteht es, das umzusetzen, was den WFV ausmacht: Er verkörpert die Bereitschaft, alles zu geben. Unter ihm war jeder Spieler bereit, 100 Prozent zu geben. Das war vorher nicht so der Fall...
Muss man sich in der Zellerau auf Bayernliga-Klassenerhalt einstellen – oder siehst Du die Perspektive, wieder vorne angreifen zu können?
Schwierige Frage (überlegt). In dieser Bayernliga ist Erfolg nicht planbar. Es wird schwer für uns nächste Saison. Wir verlieren einige erfahrene Spieler und werden insgesamt eine andere Strategie fahren, weil es eben heuer irgendwie nicht gepasst hat. Künftig setzen wir auf Spieler aus der WFV-Jugend oder von unterklassigen Vereinen.
Apropos: Vorne angreifen. Die Kickers spielen um einen Platz in der 3. Liga. Lässt Euch das komplett kalt – oder drückt ihr dem Rivalen die Daumen?
Die Kickers haben genauso wie wir und jeder andere Vereine Problem. Ich schaue mir viele Spiele von denen an, aber ich möchte nicht von Rivalität sprechen. Mir ist es letztlich egal, ob die Kicker dritte Liga spielen. Steigen sie auf, gibt’s aber natürlich Glückwünsche von uns!
Vielen Dank für das Gespräch - und gute Erholung in der Sommerpause!
