
Wiesbaden. Wo Derby draufstand, steckte auch Derby drin. Und der SV Wiesbaden scheint in dieser Spielzeit für solche Duelle gemacht zu sein. Das stellte der SVW am Freitagabend beim 2:0 (1:0)-Heimsieg gegen den FV Biebrich 02 eindrucksvoll unter Beweis (diese Zeitung zeigte das Stadtderby im Livestream). Vor rund 350 Zuschauern avancierte Aiden Harney mit einem Traumtor aus etwa 30 Metern zum Matchwinner und sorgte schon früh für das Highlight der Partie.
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„Aiden hat schon einen feinen linken Fuß“, strahlte sein Trainer Daniel Löbelt nach dem Strahl aus der 38. Minute. Julian Bill – der für den verletzten „Saki“ Nakos im Sturmzentrum spielte – hätte kurz vor der Pause sogar auf 2:0 erhöhen können (45.). Die Anfangsphase gehörte allerdings den Biebrichern, die durch Aiman Tahiri (14.) und John Reith (21.) beste Gelegenheiten zur Führung liegen ließen. „Wenn man das Spiel betrachtet, ist es etwas glücklich, weil Biebrich sehr gut gespielt hat und einige Chancen vergeben hat“, musste Löbelt anerkennen. So effizient die 02er beim 3:1-Auswärtssieg in Hadamar gewesen waren, so fahrlässig gingen sie diesmal mit ihren Möglichkeiten um.
„Ich kann keinem Spieler einen Vorwurf machen, dass er nicht alles herausgeholt hat – das hat alles gepasst. Im Fußball spielt aber eben auch Verantwortung eine Rolle. Bei den Torchancen habe ich das Gefühl gehabt, dass wir die Verantwortung von uns weggeschoben haben“, wurde 02-Coach Nazir Saridogan deutlich.
Mit Tim Emmel (Urlaub) und Nikos Iosifidis (verletzt) fehlten ausgerechnet die beiden besten Torschützen. „Die sind nicht ganz leicht zu ersetzen“, wusste Saridogan, der die Leistung von Tahiri, der in die Startelf rückte, dennoch positiv hervorhob. Es fehlte schlichtweg an Durchschlagskraft. Wurde es gefährlich, war entweder ein Bein eines SVW-Verteidigers dazwischen oder Keeper Noah Kara zur Stelle. „Wir haben es uns ein Stück weit erkämpft“, betonte Löbelt.
Klar war: Das hohe Pressing aus Durchgang eins gegen die balldominanten Biebricher ließ sich in der zweiten Hälfte kaum aufrechterhalten. „Eigentlich war der Plan auch weiterhin, hoch zu attackieren. Den Jungs ist aber früh die Puste ausgegangen“, schmunzelte Löbelt. Im tieferen Block „haben wir es gut wegverteidigt und uns in alles reingeschmissen“. Allen voran Jan Rodwald, der in der insgesamt starken SVW-Dreierkette herausragte. Über die Außenbahnen sorgten Naoki Toyosawa und Miguel Pires Almeida für ständige Unruhe. „Der SVW hat mit seiner Herangehensweise des Spiels das Maximum herausgeholt“, befand Saridogan. Das 2:0 durch Toyosawa war der Beweis: Erst gewann Bill nach einem hart geführten Duell den Zweikampf gegen Jonas Nürnberg, dann fasste sich Toyosawa im zweiten Anlauf ein Herz und traf aus der Distanz (67.).
„Ich glaube, dass wir vieles richtig gemacht haben. Am Ende zählt aber das nackte Ergebnis“, sah Saridogan seine Mannschaft weiter anrennen. Die beste Chance vergab der eingewechselte Philipp Offermann, der Keeper Kara bereits umspielt hatte, sich aber uneigennützig für den Pass in die Mitte statt für den Abschluss entschied (80.). „Dieser Mut, das Tor machen zu wollen, hat mir heute gefehlt“, haderte Saridogan mit der Chancenverwertung. „Wenn ein Spiel zehnmal so läuft, gewinnen wir es neunmal.“