– Foto: René Diebel

Saisonabbruch? Entscheidung fällt noch vor Ostern

Niedersachsens Amateurfußballern droht Annullierung der Spielzeit / Das sind die noch unbeantworteten Fragen

Meppen Bis zuletzt verbreitete der Niedersächsische Fußballverband (NFV) trotz Corona-Pandemie Optimismus. Hoffte auf die Fortsetzung der aktuellen Saison im Amateurfußball. Doch der Abbruch wird mit ziemlicher Sicherheit noch vor Ostern besiegelt.

Hubert Börger sieht keinen anderen Ausweg als den Abbruch der Saison: „Aufgrund der Situationen, die sich in den letzten zwei Wochen ergeben haben, gibt es eigentlich keine andere Möglichkeit.“ Die Entwicklung der Inzidenzzahlen sei nicht nur im Emsland zu hoch, sondern auch landes- und bundesweit, ergänzt der Vorsitzende im NFV-Kreis Emsland.

Der Zeitplan: Im Vergleich zu anderen Landesverbänden hatte der NFV lange gezögert. Und stets betont, die Spielzeit trotz monatelanger Pause sportlich beenden zu wollen. Erst Anfang März hatte der Verband beschlossen, dass die Saison bis zum 21. Juli verlängert werden könnte. Zudem hatte im vergangenen Sommer die Zweiteilung der Ligen mehr Luft und Flexibilität gebracht.

Die Pandemie: Vor wenigen Wochen sank der Inzidenzwert Schritt für Schritt unter die Marke von 100. Anfang Februar lag er im Emsland noch bei 57,2 und am Mittwoch bei 158,4. Seit einigen Wochen baut sich die dritte Welle immer mehr auf. Von der Politik angekündigte Öffnungsschritte waren plötzlich hinfällig. Um im Emsland auf Kreisebene die Saison beenden zu können, sollte spätestens am 12. April wieder trainiert werden, um Anfang Mai erste Spiele austragen zu können. Seit dieser Woche ist klar: Vor dem 19. April ist definitiv kein Training möglich.

Der Entscheidungstag: Nach der Lockdown-Verlängerung bis zum 18. April und fehlenden Perspektive für eine Rückkehr auf den Trainingsplatz hat sich der Verbandsvorstand des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV) am Dienstagabend digital getroffen. Ebnete den Weg für einen Saisonabbruch. Noch ist er nicht offiziell beschlossen. Aber wenn kein Wunder geschieht, wird er am Mittwoch nächster Woche (31. März) besiegelt. Um 18 Uhr kommen das Präsidium, die Bezirken und die 33 Kreisvorsitzenden erneut zusammen.

Die Wertung: Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Saison nicht gewertet, alle Spiele der Männer, Frauen und Jugend von der Oberliga bis zur untersten Kreisklasse annulliert. Die Saison würde gestrichen werden, hätte trotz der bislang ausgetragenen Spiele praktisch nie stattgefunden. Es würde keine Auf- und keine Absteiger geben. Eine „Quotienten-Regelung“ wie im Vorjahr wird es diesmal nicht geben. „Das ist dieses Jahr auf keinen Fall gewollt, weil man viel zu wenig Spiele hat“, sagt Börger. Im Emsland gehe es noch, aber in anderen Kreisen seien teilweise erst zwei, drei Spiele absolviert worden. „Und dann macht eine Quotienten-Regelung keinen Sinn.“ Quotienten-Regelung hieße, die erzielten Punkte würden durch die Zahl der ausgetragenen Spielen geteilt werden.

Die offenen Fragen: Was passiert mit dem NFV-Pokal? Und dem Abstieg aus der Regionalliga Nord beziehungsweise den Aufstieg in der Oberliga? Denn es gibt Schnittstellen zwischen dem NFV und den Spielklassen- und Pokalwettbewerben von übergeordneten Verbänden wie dem Norddeutschen Fußball-Verband und dem DFB. Der SV Meppen und der SC Spelle-Venhaus sind noch im NFV-Pokal vertreten und hatten auf die Qualifikation für den DFB-Pokal gehofft. Und die Speller stehen in ihrer Oberliga-Staffel ganz oben.
Offen ist, was im NFV-Pokal passiert „Das ist noch nicht geklärt, wie man damit umgeht“, gesteht Börger. „Zur Not könnte man auch ein Elfmeterschießen machen. Das haben wir letztes Jahr auch gemacht.“ Wenn es irgendwie gehe, sei er für eine sportliche Lösung, betont Börger. Wenn kein Elfmeterschießen möglich sei, müsse wahrscheinlich am grünen Tisch entschieden werden.

Auch die Antwort auf die Frage, wer aus den Oberligen in die Regionalliga aufsteigt, ist unklar. „Das wird noch ein Thema sein und ist noch nicht letztendlich geklärt“, so Börger. Für ihn macht es nur Sinn, Mannschaften aufsteigen zu lassen, die auch eine Lizenz beantragt haben. Börger bringt die Idee ins Spiel, die Oberligisten mit beantragter Lizenz noch gegeneinander spielen zu lassen. „Aber das ist meine persönliche Meinung.“

Die Perspektive: Was passiert mit den Kindern, die seit Monaten keinen Fußball spielen dürfen? Laut Börger würden auch deren Punktspiele nicht mehr stattfinden. Geht es nach dem Fußballchef, könnte der Nachwuchs bei entsprechenden Corona-Zahlen auf freundschaftlicher Basis Partien austragen. Pragmatisch und kurzfristig. „Und möglichst in der Nähe“, so Börger. „Nicht, dass Spelle gegen Papenburg spielt, sondern Spelle gegen Schapen oder Emsbüren. Damit es auch nicht so lange Fahrten gibt.“ Aber das seien noch Überlegungen, die im Detail besprochen werden müssten. Börger wünscht sich ein Höchstmaß an Flexibilität. „Wenn Vereine spielen wollen, sollen sie spielen. Ohne dass der NFV da groß Vorschriften macht.“

Aufrufe: 25.3.2021, 07:19 Uhr
EmslandsportAutor

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