
Von einem kuriosen Wiederholungsspiel bis hin zu gravierenden Fehlentscheidungen: Die Unparteiischen nahmen am Finaltag der Hallenstadtmeisterschaft Oberhausen einen unfreiwillige Hauptrolle ein. FuPa Niederrhein sprach mit zwei vermeintlich benachteiligten Spielern.
Nach dem Viertelfinal-Aus seines 1. FC Hirschkamp war Top-Stürmer Emrullah Bayhoca nicht mehr zu besänftigen. Für einen Sekundenbruchteil bejubelte der 29-Jährige noch seinen Treffer zum 2:2 gegen den SC Buschhausen, ehe der Pfiff des Schiedsrichters ertönte.
"Ich spekuliere extra nach links, weiß aber, dass er nach rechts spielt. Ich sehe aus dem Augenwinkel, dass er den Ball abwirft und er knallt gegen meinen Fuß", rekapitulierte Bayhoca die Situation im Gespräch mit FuPa Niederrhein (>>> die gesamte Szene ist sehr gut auf FuPa.tv zu erkennen). Von seinem Fuß prallte das Leder nämlich zurück und hoppelte über die Linie zum vermeintlichen Ausgleichstreffer, doch stattdessen entschied der Unparteiische offenbar auf ein Foulspiel in der Entstehung. Gegenüber Bayhoca wollte er sich daraufhin nicht erklären: "Gar nichts hat er mir gesagt. Ich habe ihn gebeten, dass er die Entscheidung begründen soll, das konnte er nicht machen."
Gemessen an den vom DFB veröffentlichten "Fußball-Regeln 2024/25" hätte der Treffer zählen müssen. Demnach darf ein Torhüter „von einem Gegner nicht angegriffen werden, wenn er den Ball mit einer oder beiden Händen kontrolliert.“ Die Ballkontrolle liege vor, wenn eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist: Der Torhüter hält den Ball mit einer Hand oder gegen eine Oberfläche, hält ihn in der ausgestreckten, offenen Hand oder kontrolliert ihn durch Prellen oder Werfen in die Luft. Da der Schlussmann den Ball jedoch sichtbar aus der eigenen Hand nach vorne gibt und dabei Bayhoca anwirft, traf keine dieser Voraussetzungen zu.
Nach Bayhoca und dem 1. FC Hirschkamp sah sich auch der BV Osterfeld im Halbfinale stark benachteiligt. Hierbei beschränkte sich der Frust gegenüber des Unparteiischen nicht auf eine einzelne Aktion, sondern auf eine Vielzahl von Zeitstrafen, wodurch der A-Ligist in den späten Zügen der Partie einen 0:1-Rückstand in doppelter Unterzahl gegen Topfavorit DJK Arminia Klosterhardt hätte überwinden müssen.
Doch dazu kam es nicht. Spieler und Verantwortliche redeten wütend auf den Spielleiter ein. Um den Wettkampftisch an der Spielfeldmitte bildete sich kurz darauf ein großer Pulk teils verbal entgleisender Spieler. In der Folge weigerte sich der BV, die Partie erneut aufzunehmen. Auch auf ein potenzielles Spiel um Platz drei verzichtete man. Aus Sicht von Abdül Kilic, bester Ligatorschütze der Osterfelder, war die plötzliche Zeitstrafen-Flut unerklärlich: "Wir haben vorher acht Spiele gespielt. Von der Vorrunde bis zum Viertelfinale bekommen wir keine gelbe Karte, aber beim Halbfinale auf einmal vier Zwei-Minuten-Sperren", ärgerte sich Kilic und hinterfragte im gleichen Atemzug die Ansetzung des Unparteiischen für diese Partie. "Der Schiedsrichter hat auch bei einem Spiel in der Gruppenphase gepfiffen, was wiederholt wurde, weil er grottenschlecht ist. Wenn er so viele Fehler macht, dass das Spiel wiederholt werden musste, darfst du ihn nicht weiter pfeifen lassen."

Kilic bezog sich auf die Vorrunden-Partie zwischen Adler Ostefeld und SuS Oberhausen. Da ein Spieler nachweislich dreieinhalb statt zwei Minuten auf der Strafbank verweilen musste, wurde die Partie kurzerhand erneut ausgetragen. Der gleiche Schiedsrichter durfte nun die Halbfinal-Begegnung zwischen Osterfeld und Klosterhardt leiten.
Zusammen mit einigen kleineren Fehlentscheidungen, verbreitete sich in der Halle somit schon recht früh der Konsens, dass das Schiedsrichtergespann nicht unbedingt den besten Tag erwischt hatte. Sowohl in Hirschkamp als auch in Osterfeld wird man deshalb wohl noch etwas am letzten Tag der Oberhausener Hallenstadtmeisterschaft zu nagen haben.
