
Überaus anstrengende Wochen liegen hinter den Fußballern des 1. FC Lok Stendal. Seit dem 28. März hat der Aufsteiger zehn Partien in der Oberliga Süd bestritten. Zum Vergleich: Der FC Bayern München kam im selben Zeitraum in Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal auf neun Einsätze. Seine "Krönung" fand das kaum zumutbare Mammutprogramm des Oberligisten am vergangenen Wochenende mit zwei Partien binnen 48 Stunden.
Am Maifeiertag holten die Stendaler im Nachholspiel gegen den FSV Budissa Bautzen einen wichtigen Punkt beim 1:1-Unentschieden. Schon am Sonntag waren die Altmärker - ohne Chance zur Regeneration - wieder gefordert: Im fast 300 Kilometer entfernten Glauchau mussten sie sich mit 0:3 geschlagen geben. Die Umstände hinterließen bei den Verantwortlichen einen faden Beigeschmack.
"Für mich wurde dieses Spiel im Vorfeld entschieden. Nach nur 48 Stunden Pause fahren wir durch ganz Ostdeutschland zu einem Spiel, wo es um den Klassenerhalt geht. Bei einem Gegner der regenerieren konnte und ausgeruht ist", haderte Lok-Coach Jörn Schulz auf den Vereinskanälen. Schon in den vergangenen Wochen hatte der 48-Jährige immer wieder auf die immens hohe Belastung aufmerksam gemacht. Geregeltes Training war - angesichts von Spielen im Drei-Tages-Rhythmus - kaum noch möglich.
"Im Vorfeld hatten wir logischerweise große Sorgen um die Gesundheit und Belastung unserer Spieler. Ein Spiel nach weniger als 48 Stunden Pause ist nicht normal", betonte der Sportliche Leiter Artem Sikulski nach dem Glauchau-Gastspiel. Auch mit dem Spielverlauf der 0:3-Niederlage haderte der 35-Jährige: Einen möglichen Elfmeter beim Stand von 0:0 bekamen die Stendaler nicht, ebenso wenig zählte der vermeintliche Anschlusstreffer durch Florian Stark - wohl aufgrund einer Abseitsposition. "Nach dieser Entscheidung noch einmal Kräfte zu finden, war umso schwerer", untermauerte Sikulski.
Und dennoch: Zum Ende der Mammutwochen hat der 1. FC Lok Stendal - aktuell auf Tabellenplatz 13, punktgleich mit dem Bischofswerdaer FV - weiter alles in eigener Hand. "Wir haben jetzt noch drei Endspiele und schauen, was wir dort noch rausholen können", erklärte Schulz. Das erste dieser Endspiele steigt am Sonntag im heimischen Stadion am Hölzchen gegen den FC Einheit Wernigerode (live übertragen auf volksstimme.de).
Anders als zuletzt "können wir endlich regenerieren und uns wieder vernünftig vorbereiten", erklärte Sikulski angesichts einer (ungewohnt) regulären Trainingswoche. "Drei Endspiele stehen noch bevor. Es wird spannend bis zum letzten Spieltag – aber wir haben weiterhin alles in der eigenen Hand", bekräftigte Sikulski.
Für den Oberliga-Verbleib müssten die Stendaler mindestens den 13. Tabellenplatz behalten. Dieser würde den sicheren Klassenerhalt bedeuten, wenn der Meister der Regionalliga Nordost die Drittliga-Relegation erfolgreich bestreitet. Sollte der Nordost-Vertreter an der Relegation zur 3. Liga scheitern, würden die Tabellen-13. beider Oberliga-Staffeln eine Relegation um den letzten Oberliga-Startplatz spielen. Es wäre dann - nach überaus intensiven Wochen - wohl der letzte Strohhalm für den 1. FC Lok Stendal.