
Der BFV führt in Bayernliga und Landesliga Sperren nach Gelb-Roter Karte und fünfter Gelber Karte ein. Die Zeitstrafe wird im Gegenzug abgeschafft.
Es ist eine einschneidende Änderung für die Amateurfußballer in der Bayernliga und Landesliga: Für diese Spielklassen haben die Delegierten beim 27. Ordentlichen Verbandstag des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) Anfang Mai in Bad Gögging die Einführung einer Sperre nach Gelb-Roter Karte sowie nach der fünften Gelben Karte beschlossen. Einem entsprechenden Vorschlag des BFV-Vorstands stimmten die Delegierten laut Pressemitteilung des Verbandes „mit deutlicher Mehrheit“ zu.
Bei vorangegangenen Wahlveranstaltungen auf Kreis- und Bezirksebene waren entsprechende Änderungen abgelehnt worden, sodass die Neuerung ab der Landesliga gilt. Im Gegenzug wird die erst 2022 eingeführte Zehn-Minuten-Strafe abgeschafft. Die Beschlüsse treten am 1. Juli 2026 in Kraft. Der Münchner Merkur hat sich bei Trainern betroffener Vereine im Landkreis umgehört, was sie von der Änderung halten.
Andreas Pummer, Trainer des Bayernligisten FC Deisenhofen: „Ich finde es absolut richtig, dann hören sich das Zeitspiel und die Unsportlichkeiten endlich auf. In der Schlussphase der Spiele häufen sich die Gelben Karten extrem, weil sie keine Folgen haben, da kannst du 15 Mal Gelb kriegen. Mir fallen auf einen Schlag mindestens fünf Leute ein, die so abgezockt sind, dass sie am Ende eines Spiels die Verwarnung in Kauf nehmen, wenn sie ein taktisches Foul begehen oder verzögern. Wenn argumentiert wird, dass dann Leute fehlen, muss man sagen: Dann muss man halt anders planen. Ein oder zwei Spieler sind auch nicht die Welt. In den Ligen drüber ist es gang und gäbe, wobei dann natürlich ein Kimmich sich die Gelbe absichtlich abholt, um in einem bestimmten Spiel nicht gesperrt zu werden. So versucht jeder, seinen Vorteil daraus zu schlagen.“
Sebastian Koch, Trainer des Landesligisten TSV Grünwald: „Ich verstehe den Ansatz hinter der neuen Regelung, aber man darf den Amateurfußball nicht mit dem Profibereich vergleichen. In der Landesliga oder Bayernliga stehen die Jungs nicht morgens auf und denken nur an Fußball. Sie arbeiten, studieren, haben Familie und gehen trotzdem jedes Wochenende mit voller Leidenschaft, Mentalität und absolutem Einsatz auf den Platz. Genau das macht den Amateurfußball aus. Emotionen, hitzige Spiele und auch mal eine Gelbe Karte gehören dazu. Solange alles im Rahmen bleibt, ist das kein Problem, sondern Ausdruck davon, wie viel Herzblut in diesem Sport steckt. Wenn daraus künftig aber ständig Sperren entstehen, trifft das viele Vereine massiv. Die Kader sind im Amateurbereich deutlich kleiner und Ausfälle kaum aufzufangen. Die Abschaffung der unsinnigen Zehn-Minuten-Strafe finde ich dagegen absolut richtig, weil sie oft mehr Verwirrung als Nutzen gebracht hat. Bei den zusätzlichen Sperren hätte ich mir aber deutlich mehr Verständnis für die Realität und die Mentalität im Amateurfußball gewünscht.“
Christoph Schmitt, Sportlicher Leiter beim Bayernligisten SV Heimstetten: „Wir kennen die Regelung ja aus der Regionalliga. Und da war es für mich das Normalste der Welt, dass man nach einer Gelb-Roten Karte ein Spiel gesperrt ist. Das gehört dazu, meine ich. Gleichzeitig bin ich sehr gespannt, wie das jetzt umgesetzt wird. In der Bayernliga bewegen wir uns ja nicht auf dem absoluten Spitzenniveau – auch, was die Schiedsrichter anbelangt. Hier werden aus meiner Sicht oft früh und häufig Gelbe Karten gezückt. Und wenn das nun schwerere Konsequenzen nach sich zieht, dann würde ich mir von den Schiedsrichtern in dieser Hinsicht mehr Zurückhaltung wünschen.“
Steven Toy, Ex-Trainer des Landesligisten Kirchheimer SC: „Mit der Zeitstrafe habe ich gute Erfahrungen gemacht. Gerade im Amateurfußball war sie ein sinnvolles Mittel, Spieler zu bestrafen, ohne sie direkt für weitere Partien zu sperren. Die Zehn-Minuten-Strafe hatte zudem den Vorteil, dass die Konsequenz sofort spürbar war, weil die Mannschaft gleich in Unterzahl agieren musste. Bei Sperren nach der fünften Gelben Karte fehlt dieser direkte Bezug – dann profitieren andere Gegner von der Sperre. Zudem haben viele Vereine im Amateurbereich ohnehin regelmäßig Ausfälle durch Beruf, Urlaub oder private Termine: Deshalb können zusätzliche Sperren schnell große Auswirkungen haben, gerade bei kleineren Kadern. Und das sage ich trotz der Tatsache, dass wir mit 60 Gelben Karten die wenigsten in der Landesliga Südost haben.“
Xhevat Muriqi, Trainer des Bayernligisten FC Ismaning: „Ich finde das grundsätzlich in Ordnung. Es passiert ja öfters, dass sich Spieler in der Schlussphase Gelb nehmen, weil es keine Folgen hat. Teilweise passieren da wilde Dinge, aber jetzt überlegt man sich diese taktischen Fouls. Für uns ist es gut, weil die anderen Mannschaften da cleverer als wir sind. Und warum soll es bei den Amateuren anders sein als bei den Profis.“
Andreas Faber, Trainer des Landesligisten FC Unterföhring: „Ich sehe das differenziert. Bei Gelb-Rot ist die Sperre hart, aber vertretbar. Bei der fünften Gelben ist es schwierig. Weil bei uns die Qualität der Sportler und Schiedsrichter nicht Profi-Niveau hat. Vielleicht brauche ich jetzt einen oder zwei Spieler mehr im Kader. Aber zumindest ist die Zehn-Minuten-Strafe weg. Da wusste eh keiner, wo vorne und hinten ist. Gelb-Rot mit Sperre kann man machen, aber fünfte Gelbe mit Sperre ist ein Schmarrn.“