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Gott und das runde Leder: Der Fußball-Prediger

Die bemerkenswerte Vita von Thomas Klenner

von Mathias Willmerdinger · 01.11.2025, 14:00 Uhr · 0 Leser
Thomas Klenner in seinem Element: In Soutane - und mit Fußball.
Thomas Klenner in seinem Element: In Soutane - und mit Fußball. – Foto: Privat

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Es gibt viele Menschen im Kosmos des Amateurfußballs, über die es wert wäre zu berichten. Einen evangelischen Pfarrer, der früher Schiedsrichter in der Bayernliga und Sportjournalist unter anderem bei den Nürnberger Nachrichten und beim Fachmagazin "Kicker" war, und heute gerne über das Geschehen auf den regionalen Sportplätzen seine Gedanken zu Blatt bringt, gibt es aber wohl nur ganz wenige. Thomas Klenner liebt seinen Beruf als Schulreferent des Dekanats Regensburg und sieht den Dienst an Gott als seine Berufung. Seine Leidenschaft ist der Fußball.

Mit einer ungewöhnlichen Aktion machte Thomas Klenner vor knapp einem Jahr auf sich aufmerksam. Er erteilte auf dem Fußballplatz den Akteuren seinen Segen. Zunächst hatte er Bammel davor, er würde sich mit der Aktion lächerlich machen, aber zu seinem eigenen Erstaunen und Freude stellte er schnell fest, dass die Aktion bestens ankam. Was er den Jugendspielern vermitteln wollte: "Ihr seid die Hoffnungsträger hier auf dem Platz, aber auch für unsere Gesellschaft:"

Wer ist dieser Thomas Klenner? Früher war er selbst Schiedsrichter in der Bayernliga, heute ist er Fan von seinen beiden Söhnen. Sein jüngerer Sohn Noah ist 17, hat ebenfalls Gefallen an der Schiedsrichtertätigkeit gefunden und pfeift bereits Spiele in der Bezirksliga. Sein älterer Sohn Elias (19) kickt in der Kreisklasse beim FC Thalmassing II. Wenn es die vielen Termine erlauben, ist der Papa bei jedem Spiel der Sprösslinge dabei - und muss sich oft verwundert die Augen reiben: "Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel professioneller das heutzutage ist im Vergleich zu meiner Zeit damals. Heute gibt es beispielsweise diverse Leistungstests. Bei uns gab`s damals nur den berüchtigten Cooper-Test - um Himmels Willen! Wenn wir damals die heutigen Standards hätten erfüllen müssen, wären wir alle gnadenlos gescheitert", lacht er.

Thomas Klenner studierte Theologie in Erlangen. Schon damals nahm das runde Leder einen großen Platz in seinem Leben ein und er fand Gefallen daran, über den Fußball zu berichten. Er schrieb für die "Nürnberger Nachrichten", absolvierte ein Volontariat beim "Kicker" und arbeitete im Anschluss unter dem langjährigen Chefredakteur Rainer Holzschuh für die deutsche Fußballbibel. Er machte seinen Job offenbar gut, Anfang der 1990er Jahre flatterte ihm ein Angebot aus der Schweiz ins Haus. Die Zürcher Gazette "Sport" lockte ihn ins Nachbarland. "Deshalb musste ich damals mit der Schiedsrichterei aufhören. Das Leben in der Schweiz war toll, ich blieb drei oder vier Jahre dort. Das Problem war nur: Innerhalb von vier Jahren musste ich mein zweites kirchliches Examen ablegen, ansonsten wäre alles hinfällig gewesen. Ich habe mich dann dazu entschieden, die Laufbahn des Pfarrers einzuschlagen, und habe es bis heute keine Sekunde lang bereut."

Auch monetäre Anreize konnten Thomas Klenner nicht am schönen Zürichsee halten, wie er sich süffisant erinnert: "Mir wurden 6.000 Franken als Gehalt geboten. Zum Vergleich: Als ich meine erste Vikariats-Stelle, vergleichbar mit der Position eines Kaplans, in Dorfen antrat, bekam ich zum Einstieg 1.300 Mark", lacht er heute in der Nachbetrachtung. In der oberbayerischen Kleinstadt Dorfen (Lkr. Erding) lernte er auch seine Frau kennen - und noch eine weitere Begegnung blieb ihm nachhaltig in Erinnerung. "Damals lebte auch der legendäre Sechzger-Trainer Werner Lorant in Dorfen. Wir haben uns einige Male getroffen. Ein bemerkenswerter Typ, der leider schon verstorben ist."

Heute kümmert sich der bekennende 1. FC Nürnberg-Fan Thomas Klenner als Schulreferent des Dekanats Regensburg um die Organisation von Religionsunterricht in halb Ostbayern. "Regensburg, Kelheim, Straubing, Bogen, Deggendorf - ich bin gut unterwegs. Als Pfarrer bin ich immer noch bei Hochzeiten oder Trauerfeiern aktiv." Sein fußballerisches Herz schlägt für den TSV Langquaid, dem er sich zugehörig fühlt. In Langquaid hat er auch eine Mädchenmannschaft ins Leben gerufen, trainierte selbst die F- und E-Junioren beim Nachbarverein TV Schierling. Und er beobachtet mit Leidenschaft das Geschehen auf den regionalen Fußballplätzen. Seine Gedanken dazu hält er gerne auf Papier fest und hinterfragt das Treiben durchaus kritisch. Mit spitzer Feder lanciert er immer noch Meinungsbeiträge. In der Rolle des Fußball-Predigers gefällt sich Thomas Klenner eigentlich sehr gut...