2026-04-29T13:32:52.058Z

Allgemeines

Glöckner wackelt – wer leitet heute das Training bei 1860 München?

Löwen in der Abwärtsspirale

von Uli Kellner · 23.09.2025, 07:47 Uhr · 0 Leser
Einsamer Grübler: Patrick Glöckner kann sich den rasanten Niedergang der Löwen nicht erklären.
Einsamer Grübler: Patrick Glöckner kann sich den rasanten Niedergang der Löwen nicht erklären. – Foto: sampics

Innerhalb von neun Tagen stellt sich bei 1860 München die Trainerfrage. An der Grünwalder Straße 114 läuten nach dem 1:5 am Samstag die Alarmglocken.

München – Montagfrüh, mit zwei Nächten Abstand, begann bei 1860 München die Aufarbeitung der schlimmen Hoffenheim-Pleite. Die Mannschaft hatte turnusmäßig frei, durfte sich sammeln nach der bitteren Wiesn-Watsch‘n (1:5). Oben auf der sportlichen Kommandobrücke wurde trotzdem gearbeitet, en passant ein Krisensofortprogramm beschlossen.

Wer hätte vor neun Tagen bei 1860 München gedacht, dass sich die T-Frage stellt?

Nein, Patrick Glöckner war auch Montagmittag noch im Amt – geändert hat sich dafür der Trainingsplan vor dem Auftakt zur Englischen Woche in Aue (Samstag, 14 Uhr, BR und MagentaSport). Mehrmals. Erst wurde Geheimtraining angesetzt, dann alles wieder rückgängig gemacht. Aktueller Stand: Dienstag wird zweimal öffentlich trainiert (10.30 und 15 Uhr). Die Frage ist: mit wem?.

Die Möglichkeit, dass Glöckner über Rostock (1:2) und Hoffenheim stolpert, ist groß. Entschieden war aber bis Montagabend noch nichts. Die Mühlen bei 1860 mahlen bekanntlich langsam. Fairerweise muss man aber dazusagen: Wer hätte vor neun Tagen gedacht, dass sich die T-Frage so schnell stellen würde?

„Letztendlich ist Fußball ein Ergebnissport. Es ist immer positiv, wenn man ein Ergebnis zieht, egal mit welcher Art und Weise.“

Patrick Glöckner nach dem Last-Minute-Sieg gegen Havelse.

Klar: Der Fußball wurde seit Aachen (2:0/23. August) immer schlechter, das Offensivspiel dürftiger, die Dreierkette löchriger. Trotzdem lagen sich am Sonntag vor einer Woche noch alle in den Armen. Mit einigem Recht hatte Glöckner nach dem Last-Minute-Sieg gegen Havelse gesagt: „Letztendlich ist Fußball ein Ergebnissport. Es ist immer positiv, wenn man ein Ergebnis zieht, egal mit welcher Art und Weise.“

„Wer gewinnt, hat Recht“, hatte schon Kult-Erfolgstrainer Otto Rehhagel gepredigt. Bedeutet aber auch im Umkehrschluss: Wer verliert, hat nicht mehr so gute Karten. Wobei man im Fußball auch selten erlebt hat, dass eine Mannschaft so rasant abbaut. Gegen Havelse (3:2): Zweite Halbzeit Murks, aber immerhin ein Happyend.

Kevin Volland bringt die Verunsicherung bei 1860 München nach der 1:5-Klatsche auf den Punkt

Rostock (1:2): Klassenunterschied vor der Pause, danach zumindest Augenhöhe. Hoffenheim schließlich – keiner hat die Verunsicherung der Mannschaft so auf den Punkt gebracht wie Ex-Nationalspieler Kevin Volland. Sein Originalzitat, geäußert nach dem Schlusspfiff: „Wir standen tief, hoch, haben die Bälle nicht an den Mann gebracht, hatten keine Verbindung – und keine Zweikampfhärte.“

Und natürlich, wenn sich ein Niedergang so rasant vollzieht, ist es als Vereinsführung schwer, vorbereitet zu sein. Man darf davon ausgehen, dass die Löwen noch keinen Ersatzkandidaten in Stellung gebracht hatten, als die historische Heimpleite am Samstag abgepfiffen wurde. Ohnehin ist der Trainermarkt im Spätsommer/Frühherbst überschaubar. Die sehr guten Männer stehen in Lohn und Brot, viele Entlassungen gab es noch nicht, und auf der Liste der „verfügbaren Trainer“ (Transfermarkt) stehen auch viele Namen, die sich 1860 niemals leisten kann: Marco Rose, Ralph Hasenhüttl – diese Liga. Oder eben jene Pappenheimer, die nicht grundlos ohne Verein dastehen.

Viele Fans wünschen sich Michael Köllner zurück an die Grünwalder Straße 114

Auffällig ist jedenfalls, dass der Name Michael Köllner wieder häufig im Zusammenhang mit 1860 genannt wird. Viele Fans sehnen sich zurück nach dem Mann, der für die letzten Achtungserfolge der Löwen steht (zweimal Platz vier). Ein guter, angesehener Mann wäre sicher auch Thomas Wörle (43, lange FCB-Frauen, zuletzt Ulm) – der bayerische Schwabe soll aber Richtung 2. Liga tendieren (Bochum?). Eine Überlegung wert wäre Sascha Hildmann (zwei Aufstiege mit Münster) – oder aber man setzt auf bewährte Drittliga-Schlachtrösser vom Schlage Pavel Dotchev.

Auf dem Markt – aber wie lange noch? Ulms Ex-Erfolgstrainer Thomas Wörle.
Auf dem Markt – aber wie lange noch? Ulms Ex-Erfolgstrainer Thomas Wörle. – Foto: IMAGO/Ulrich Wagner

Dass sich bei 1860 etwas ändern muss, dürfte allen Beteiligten klar sein. Thomas Dähnes bittere Beschreibung der Lage nach der Hoffenheim-Klatsche: „Symptomatisch ist: Wir kriegen das erste Gegentor, dann das zweite. Dann gehen die Köpfe wieder runter. Wenn wir so auftreten wie heute, dann brauchen wir nicht zu erwarten, dass wir irgendwelche Punkte holen. Im Endeffekt darfst du dich so nicht präsentieren, fertig!“ (Uli Kellner)