
Mit nur zehn Punkten überwintert Viktoria Glesch-Paffendorf auf Rang zwölf der Landesliga Staffel 2. Trainer Marc Diamante analysiert eine Hinrunde voller Rückschläge, verpasster Chancen und struktureller Probleme – und setzt auf eine stabile Vorbereitung, um sich frühzeitig aus der Abstiegszone zu lösen.
Die nackten Zahlen sind eindeutig – und für Viktoria Glesch-Paffendorf ernüchternd. Nach 14 Spieltagen steht das Team von Trainer Marc Diamante mit zwei Siegen, vier Unentschieden und acht Niederlagen auf Platz zwölf der Landesliga Staffel 2. 14 erzielte Treffer bei bereits 39 Gegentoren bedeuten lediglich zehn Punkte und nur einen knappen Vorsprung auf die Abstiegsränge. Doch Diamante macht im Rückblick auf die Hinrunde deutlich, dass die tabellarische Situation aus seiner Sicht nicht das gesamte Leistungsbild widerspiegelt.
Die Mannschaft legte eine längere Winterpause ein, beginnend Mitte Dezember bis Anfang Januar. In dieser Zeit arbeiteten die Spieler individuell nach vorgegebenen Trainingsplänen. Ein Hallenturnier diente als erster Wiedereinstieg, ehe nun schrittweise die Rückkehr ins Mannschaftstraining erfolgt – abhängig von Wetter und Platzverhältnissen. Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung während der Karnevalswoche soll die Vorbereitung ohne größere Einschnitte durchgezogen werden. Testspiele gegen Gegner aus der Bezirks-, Landes- und Oberliga sind geplant, besondere Highlights stehen dabei bewusst nicht im Fokus. Vielmehr geht es darum, Abläufe zu stabilisieren und die Mannschaft gezielt auf die Rückrunde vorzubereiten.
Sportlich fällt Diamantes Bilanz der Hinrunde kritisch aus. Das Abschneiden liegt unter den eigenen Erwartungen, insbesondere weil er sein Team um mehrere Punkte besser einordnet, als es die Tabelle derzeit abbildet. Vier bis fünf Zähler seien aus seiner Sicht realistisch gewesen, um sich im gesicherten unteren Mittelfeld zu bewegen – dort, wo er den Klub auch im Rahmen seiner Möglichkeiten verortet. Er verweist dabei auf ein aus seiner Sicht extrem schwieriges Auftaktprogramm, das sich im Nachhinein mit Blick auf die Tabellenkonstellation bestätigt habe. Gerade für eine Mannschaft aus dem unteren Drittel sei dieser Start eine enorme Belastung gewesen.
Hinzu kommt, dass Glesch-Paffendorf in mehreren Spielen späte Punktverluste hinnehmen musste. In drei Partien gingen Zähler in den Schlussminuten verloren, teils durch unglückliche Situationen oder strittige Entscheidungen. Spiele gegen Fliesteden, Kurdistan Düren, Rasensport Brand und Eilendorf nennt Diamante als Begegnungen, in denen seine Mannschaft aus sportlicher Sicht mehr verdient gehabt hätte. Die Summe dieser verpassten Gelegenheiten erklärt für ihn den Rückstand, den das Team nun mit in die Rückrunde nimmt.
Besonders schmerzhaft waren jedoch zwei deutliche Niederlagen gegen direkte Spitzenteams. Die Auftritte in Breinig und Zülpich bezeichnet Diamante rückblickend als brutal – sportlich wie emotional. Sie markierten einen Tiefpunkt der Hinrunde und führten intern zu intensiven Diskussionen. In dieser Phase übernahmen erfahrene Spieler mehr Verantwortung, was in der Folge zu einer gewissen Stabilisierung führte. Dennoch blieb der erhoffte Lohn in Form von Punkten nicht immer aus.
Auch zum Abschluss der Hinrunde setzte es einen herben Rückschlag. Gegen Viktoria Arnoldsweiler dominierte Glesch-Paffendorf über weite Strecken, verzeichnete einen klaren Ballbesitzvorteil und ließ den Gegner kaum in den eigenen Strafraum kommen – verlor das Spiel jedoch durch zwei Distanztreffer. Für Diamante ein Symbolspiel einer Hinrunde, in der Aufwand und Ertrag häufig in keinem Verhältnis standen. Positive Momente blieben rar, darunter Siege gegen Germania Lich-Steinstraß und Sportfreunde Uevekoven sowie ein intensiver Auftritt gegen Fliesteden, der zumindest leistungstechnisch Hoffnung machte.
Als zentrale Probleme benennt der Trainer die fehlende Konstanz in der Vorbereitung, urlaubsbedingte Ausfälle und eine angespannte Personalsituation durch Verletzungen. Dadurch dauerte es lange, bis sich feste Abläufe entwickeln konnten. Entwicklungsprozesse mussten zugunsten kurzfristiger Stabilität zurückgestellt werden – ein Umstand, der sich auch in der Tabellenlage widerspiegelt.
Für die Rückrunde formuliert Diamante ein klares Ziel: so schnell wie möglich Abstand zu den Abstiegsplätzen schaffen. Er rechnet nicht mit einem einfachen Start, da das Auftaktprogramm erneut anspruchsvoll ist. Umso wichtiger sei eine strukturierte Vorbereitung, um vielleicht früh Bonuspunkte zu sammeln und mit mehr Selbstvertrauen in die direkten Duelle gegen die Konkurrenz zu gehen.
Personell setzt Glesch-Paffendorf auf Kontinuität und gezielte Verstärkungen. Abgänge gibt es keine. Mit Magloire Mbiyavanga kehrt ein Spieler zurück, der zuletzt studienbedingt fehlte. Kai Kunkel soll die Breite des Kaders erhöhen, zudem wird mit Toshiki Otsuki ein ehemaliger Stammspieler vom FC Pesch wieder eingebunden. Ergänzend ist geplant, einen Offensivspieler zu verpflichten, um zusätzliche Optionen im Angriff zu schaffen.
Im Titelrennen sieht Diamante den FC Hürth aufgrund der Kaderbreite und Erfahrung als Favoriten, mit dem SV Breinig als einzigem ernsthaften Verfolger. Im Abstiegskampf rechnet er mit einem engen Rennen zwischen mehreren Teams – darunter auch Glesch-Paffendorf. Für den Traditionsverein geht es in der Rückrunde vor allem darum, den schmalen Grat zwischen Anspruch und Realität erfolgreich zu bewältigen.