2026-06-09T05:59:15.975Z

Relegation

Gigantischer Germania-Jubel nach Gruppenliga-Aufstieg

Wiesbadener KOL-Vizemeister hat dank eines Fernschuss-Tors von Ivan Rebic im Relegations-Finale das bessere Ende für sich +++ Walsdorf fehlt die Durchschlagskraft

von Martin Gebhard · Heute, 14:53 Uhr · 0 Leser
Eben ist es passiert: Ivan Rebic erzielte per Weitschuss das entscheidende 1:0 gegen den SV Walsdorf.
Eben ist es passiert: Ivan Rebic erzielte per Weitschuss das entscheidende 1:0 gegen den SV Walsdorf. – Foto: Pia Pfeifer

Kiedrich. Der Jubel kannte keine Grenzen auf dem riesigen Kunstrasenplatz beim FC Kiedrich. Jeder, aber auch wirklich jeder Spieler der SG Germania, Trainer, Verantwortliche wurde im Mannschaftskreis gefeiert. Dann stimmte Necmi Gür, Führungsspieler der Wiesbadener Fußballer, enthusiastisch die Humba an: „Gib mir ein Aufstieg, gib mir ein Gruppenliga, gib mir ein Ausrufezeichen!“, brüllte er in den Rheingauer Nachthimmel. Und Trainer Stefan Kühne, der mehrmals von den Seinen hoch in die Luft geschleudert wurde, brüllte ihnen zu: „Getränke holen, aber kein Wasser: Wir sind aufgestiegen – kann auch Spezi sein.“

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Ja, der Traditionsclub von der Waldstraße ist am Ziel seiner Träume angelangt. Er steigt als Vizemeister der Kreisoberliga (KOL) Wiesbaden in die Gruppenliga auf. Gerade eben hat er gegen den Tabellenzweiten der KOL Rheingau-Taunus, SV Walsdorf, das Finale der Aufstiegsrunde mit 1:0 (0:0) gewonnen. Schon in den beiden Halbfinals gegen den Vertreter aus dem Main-Taunus-Kreis, SG Oberliederbach, waren die Landeshauptstädter ohne Niederlage, mussten aber, so wie auch gegen das Team aus Idstein, alle Register ziehen. Das Halbfinal-Hinspiel hatte 0:0-Remis geendet, dann vor 600 Fans an der Waldstraße gelang ihnen ein hoch dramatischer 2:1-Sieg nach Verlängerung. Die Walsdorfer hatten sich zunächst 2:2 von der SG Villmar/Arfurt/Aumenau aus dem Kreis Limburg-Weilburg getrennt, um dann bei den Mittelhessen 2:1-zu siegen.

Doch nun beim vorbildlichen Gastgeber FC Kiedrich, säumten sogar rund 900 Zuschauer die schmucke Sportanlage „Im Kieslich“. Die Rheingauer managten alles souverän. Die Ordner hatten alles im Griff. Sehr gut und serviceorientiert hatte der FC Kiedrich auch für die Einweisung der unzähligen PKW gesorgt. Weder bei der Anfahrt noch bei der Abreise kam es zu längeren Wartezeiten.

Bengalo-Fackeln der Germania-Kurve

Zurück zum mit Sehnsucht erwarteten Showdown auf dem Kiedricher Kunstrasen: Als beide Mannschaften unter großem Beifall des Publikums einliefen, stimmte sich die „Germania-Kurve“ schon mal kräftig mit Bengalo-Fackeln ein. Dann ertönte der Anpfiff für die mit 125 „Buden“ torhungrigste Mannschaft der KOL Wiesbaden und die mit nur 20 Gegentoren stabilste Abwehrformation der KOL Rheingau-Taunus. Schon bald riss die Germania das Spiel an sich, entwickelte starken Zug nach vorn. Aber die Walsdorfer lauerten auf Konter und stießen wiederholt gefährlich Richtung Germania-„Heiligtum“. Das Bollwerk der Idsteiner hielt – zumindest bis zur Pause.

Germania nach Wiederbeginn am Drücker

Nach Wiederbeginn bestimmte die Germania weiterhin die Szenerie – und belohnte ich nach wenigen Minuten. Dem Torschützenkönig der Liga mit 43 Toren höchstselbst war es vorbehalten sein zweites Tor in der Aufstiegsrunde – wieder das Entscheidende – zu schießen. Fast unbedrängt nutzte der 37 Jahre alte Routinier in der 55. Minute seine Chance – und zimmerte die Spielkugel aus fast 30 Metern ins Netz der Idsteiner – 1:0. Das sollte auch schon der Endstand gewesen sein. Denn die Germania ließ trotz weiter großem Engagement ihres Gegners nichts mehr anbrennen.

„Die Germania war schon besser im Spiel, aber wir hätten die Konter besser fahren müssen“, resümierte Walsdorfs Spielertrainer und Abwehrstratege Sven Ott, während seine Spieler erschöpft am Boden lagen und von den Germania-Akteuren getröstet und verabschiedet wurden. „Wir haben halt auch nicht die Durchschlagskraft nach vorne auf den Platz gebracht“, räumte der 34-Jährige ein, der auch von einem verdineten Germania-Sieg sprach.

Derweil frohlockte der Sieger: „Wir alle haben dazu beigetragen, aufzusteigen“, rief Kapitän und Torjäger Ivan Rebic seinen Jungs im Kreis begeistert zu. „Umso geiler, dass wir jetzt feiern und nächste Saison Gruppenliga spielen dürfen.“

„Das war ein Geduldspiel gewesen, die Walsdorfer haben tief gestanden“, sagte SG-Vorsitzender Vassily Anagnostakis. „Wir haben mehr Ballanteile gehabt – im Endeffekt hat ein guter Schuss von Ivan das Spiel entschieden.“

„Es waren keine leichten Spiele“, atmete sein Trainer Stefan Kühne tief durch. „Walsdorf und Oberliederbach waren tolle und faire Gegner, aber auch die Schiedsrichter verdienen ein Sonderlob.“ Und: „Wir hatten ja für den Aufstieg das Vier-Jahres-Ziel gehabt. Jetzt sind wir nach einem Jahr direkt aufgestiegen. Wir sind glücklich“, strahlte der Coach.

SG Germania Wiesbaden: Hermanns; Talevski, Usorac, Mateus, Prebreza, Bonsu (68. Karatas), Özbeyaz, Heidemann, K. Cal (79. Ahmadi), Gür (88. P. Cal), Rebic (90.+5 Eskhita).

SV Walsdorf: Bauer; Michel, Ott, Engering (45. Borchwaldt), Nitsch (65. Van Wijnen), Giordano (79. Aslan), Neumann, Ernst, Bell, Arslan (80. Lobov), de Oliveira Neto.