Geteiltes Echo über Saisonfortsetzung

Die aktuelle Lage ist schwierig. Das zeigen auch die Ergebnisse der großen FuPa-Umfrage. Die einen wollen wenigstens 50 Prozent der Serie absolvieren, andere halten eine Annullierung für unumgänglich. Oft richtet sich die Ansicht nach dem Tabellenplatz.

FuPa Ostwestfalen hat gefragt – die Verantwortlichen und Trainer haben geantwortet. Wir wollten wissen, wie bewerten die Klubs eine mögliche Annullierung der Saison 2020/21? Wie sehen es die Aktiven? Wie ist die Sichtweise des Vereins. Wäre eine Annullierung fair oder unfair? Und: Sehen die Vereine alternative Lösungsvorschläge? So haben sich die Vereine geäußert.

Oberliga Westfalen


Christopher Hankemeier, Victoria Clarholz:


„Ich denke über kurz oder lang wird man – immer unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen – nicht um eine Saisonannullierung herumkommen. Selbst wenn es möglich wäre, im April/Mai wieder mit dem Trainingsbetrieb zu starten, würde eine mögliche zweiwöchige Vorbereitungsphase nicht ausreichend. Um den Körper und die Muskulatur wieder an (Oberliga-)Fußball zu gewöhnen, braucht es wesentlich länger. Von daher denke ich, gerade im Hinblick auf die Gesundheit aller Akteure, wäre es das Beste, die Saison abzubrechen und ab dem 1. August 2021 mit der neuen Meisterschaftsrunde zu starten. So könnten sich alle Spieler langsam wieder an Fußball gewöhnen – und das Verletzungsrisiko würde minimiert. Sollte es trotzdem zu einer Saisonwertung 2020/21 kommen, nehmen wir als Victoria Clarholz es so, wie es kommt. Würde die Saison abgebrochen werden, wäre es natürlich für Vereine wie den FC Gütersloh wesentlich bitterer, als für uns.“

Julian Hesse, FC Gütersloh:

„Ich beteilige mich ungern ohne feststehende politische Beschlüsse an Spekulationen.“

Westfalenliga Staffel I

Philipp Willmann, VfB Fichte Bielefeld:

"Eine Annulierung der Saison wäre für alle Fußballer sehr schade. Nimmt man mal den 2000er Jahrgang unter die Lupe, so haben diese Jungs in zwei Jahren im Herrenbereich kaum Spiele absolviert. Da geht dem Amateurfussball viel Qualität verloren. Wenn es nach mir persönlich geht, würde ich gerne so viele Spiele wie möglich absolvieren. Aus der aktuellen tabellarischen Sicht würde man wohl vermuten, dass wir mit einer Annullierung der Saison nicht unzufrieden wären. Aber ich sage ganz ehrlich, jede Trainingseinheit und jedes Spiel ist für einen jungen Kader, wie wir ihn haben, gold wert.

Dennoch ist eine Annullierung der Saison in meinen Augen aktuell sinnvoller, als 50 Prozent der Saison zu werten. Bei einer 50%-Wertung ist die Tabelle nicht aussagekräftig genug, um über Aufsteiger oder Absteiger zu werten. In 17 weiteren Partien und 51 Punkten, die noch zu vergeben wären, kann viel passieren. Unabhängig davon wie das persönliche Empfinden ist, gibt es Regeln. Wenn wir es noch schaffen, 50 Prozent zu absolvieren, dann ist das so. Da gibt es kein fair oder unfair. Regeln sind Regeln."


Sergej Bartel, SC Herford:

"Meiner Meinung nach wäre eine Annullierung sehr schade. Schade für die Vereine die ggf. nicht aufsteigen, schade für den Aufwand, den jeder Verein betrieben hat, schwierig für alle, die das weitere Vorgehen tragen und entscheiden müssen. Aber, ich glaube, dass es dazu kommen kann, und wenn es hilft, dass wir dieses Problem Corona endlich in der Griff bekommen, führt kein Weg daran vorbei.

Auch aus Sicht der Trainer und Sportler wäre eine Fortsetzung schwierig. Jeder, der mal Fußball gespielt hat und dann einige Wochen Pause gemacht hat, weiß, was mit dem Körper passiert. Wir bräuchten eine viel längere Vorbereitungszeit als üblichweise, um Verletzungen vorzubeugen und die Spieler wieder an die Belastung zu gewöhnen.
Bei einer Fortsetzung würde es zu einem Glücksspiel werden. Ich halte also eine mögliche Annullierung aufgrund der aktuellen Lage für unausweichlich, so schmerzhaft dies für uns Sportler auch ist. Ich glaube nicht daran, dass die Zahlen bis zum März/ April viel besser sind."


Andreas Brandwein, VfL Theesen:

"Ich bin mittlerweile überzeugt, dass wir in dieser Saison nicht mehr spielen werden. Eine Wertung ist somit nicht möglich, was auch fair ist. Der sportliche Aspekt wird so zum zweiten Mal ad absurdum geführt, und es gibt Vereine, die eigentlich das zweite Mal abgestiegen wären und in der nächsten Saison wieder in der Klasse antreten dürfen. Das ist schon ziemlich seltsam. Der Unterschied zum letzten Jahr dürfte jedoch sein, dass es keine Aufsteiger geben wird. Praktikabel wäre es aus meiner Sicht, die laufende Saison dann einfach ab Sommer fortzusetzen und zu Ende zu spielen. So gehen keiner Mannschaft Punkte verloren, was ich sehr fair finden würde. Knackpunkt dürfte sein, dass beispielsweise in der Regionalliga gespielt wird - und es da Absteiger geben wird.

Aus Vereinssicht wäre ein Abbruch keine schlechte Lösung. Aufgrund rückläufiger Einnahmen, die der Pandemie geschuldet sind, kann der Verein so die Ausgabenseite entprechend anpassen, was für die neue Saison sicher etwas mehr Spielraum schaffen wird. Für mich persönlich wäre der Saisonabbruch extrem bitter, da ich bekanntlich im Sommer in Theesen aufhören werde. Nach 16 Jahren wäre das nicht der Abschluss, den ich mir wünsche."


Tim Daseking, Preußen Espelkamp:

"Der Abbruch ist das wahrscheinlichste Szenario, mit dem wir uns beschäftigen müssen. Es wäre wichtig, in der dritten Aprilwoche den Spielbetrieb wieder aufnehmen zu können, um überhaupt eine Chance zu haben, eine Halbserie durchspielen zu können. Viele werden jetzt sehr ungeduldig und rufen sehr frühzeitig nach einem Abbruch. Ich würde eher sagen, dass man trotz der aktuellen Situation Geduld und Vertrauen in die Funktionäre haben sollte.

Mir geht es gar nicht immer nur um den Seniorenfußball oder um eine Wertung. Ich würde in der aktuellen Situation eher zwei Gruppen sehen. Einmal die Bewegung für Kinder und Jugendliche. Vor allem Vereinssport hat ja grundsätzlich schon einen wichtigen Auftrag – gerade auch Freiluftsport und Reha-Sport für ältere oder kranke Menschen. Da würde ich natürlich irgendwie schon, das für sinnvoll erachten unter den strengsten oder strikten Hygienevorschriften – dass Kindern und Jugendlichen wieder Bewegung zu ermöglichen. Oder letztendlich vielleicht auch Reha-Sport zuzulassen. Das ist, glaube ich, wesentlich wichtiger, als sich um den Westfalenligafußball im Seniorenbereich zu kümmern.

Landesliga

Maik Uffelmann, FC Kaunitz:

"Ich glaube, mir geht es so wie vielen anderen Trainern auch. Es wäre schön, eine Saison zu Ende zu spielen oder zumindest das Minimalziel an Spielen zu absolvieren. Aber wir sind nur Amateuerfußballer bzw. Trainer - und ich würde die Entscheidung des Verbandes verstehen. Momentan ist die Eindämmung der Coronafälle das oberste Ziel. Wenn sich die Coronazahlen bis Ostern nicht verbessern, sehe ich keine Möglichkeit, dass Minmalziel an Pflichtspielen zu erreichen. Die Saison sollte auch spätestens am 30. Juni 21 beendet werden. Fair oder unfair ist unwichtig. Die Entscheidung des Verbandes müssen alle akzeptieren."


Igor Sreckovic, SpVg. Steinhagen:

"Ich glaube nicht, dass wir vor dem Sommer wieder Fußball spielen, wenn überhaupt dieses Jahr noch was gehen sollte. In meinen Augen führt kein Weg an einer Annullierung vorbei, weil eine komplette Saison nicht zu schaffen ist. Und auf Teufel komm raus, 50 Prozent zu spielen, ist auch nicht fair, ohne Hin- und Rückspiel findet letztendlich kein fairer Wettkampf statt."

Haydar Özdemir, Spvg. 20 Brakel:

„Die Annullierung der Saison 2020/21 halte ich persönlich nicht für eine gute Idee. Es wäre unfair gegenüber den Mannschaften wie zum Beispiel Gütersloh in der Oberliga oder Post Detmold in der Bezirksliga, Staffel 3. Beide besitzen eine sehr gute Ausgangslage, um aufzusteigen. Man sollte versuchen, 50 Prozent der Spiele ab Mai zu absolvieren, um eine Bewertung der Saison herzustellen. Als alternative Lösung würde ich vorschlagen, dass wir mit der unterbrochenen Saison im August weitermachen. So hätte jede Mannschaft nochmal die Möglichkeit, auf einen Aufstiegsplatz zu kommen oder genauso sich von den Abstiegsrängen zu befreien. Eine Bewertung wie letzte Saison sollte nicht wieder vorkommen. Schließlich sollte jeder für seinen Erfolg (Aufstieg) und Misserfolg (Abstieg) geradestehen.“

André Schnatmann, FC Nieheim:

„Ich hoffe noch, dass wir wenigstens die Hinrunde spielen können und so die 50-Prozent-Wertung erreichen. Ich hoffe, dass auch die Politik irgendwann sieht, dass der Sport weitergehen muss – besonders, weil dieser draußen stattfindet und die Vereine gute Konzepte erarbeitet haben. Auch der Verein hofft, dass es bald irgendwie weitergeht. Ich fände es gut, wenn die 50-Prozent-Regel greift und nicht erneut ein Jahr verloren geht. Es müsste ein Signal der Politik geben. Dann könnte man im Februar mit laufen etc. beginnen und im März spätestens mit dem Training. Es ist auch wichtig für alle Sportler, die jetzt nur Zuhause sitzen. Es muss irgendwie weitergehen, weil so wie aktuell ist das kein schöner Zustand.“


Jens Horstmann, TuS Dornberg:

"Jetzt schon über eine Annullierung zu spekulieren, find ich etwas vorschnell. Aus meiner Sicht wäre die Hinrunde problemlos zu bewältigen, wenn man erst Mitte April den Spielbetrieb aufnimmt. Also wenn man Anfang/Mitte März wieder trainieren kann und Mitte April wieder spielt, finde ich das absolut akzeptabel. Ich fände eine (vorschnelle) Annullierung unfair. Die Vereine haben monatelang eine Menge Aufwand betrieben, um wieder einen Spielbetrieb zu ermöglichen (Hygienekonzepte etc.). Da sollte schon das Bestreben da sein, einen Spielbetrieb wieder zu ermöglichen, wenn es vertretbar ist.

Ärgerlich würde ich werden, wenn Vereine eine Hinrundenwertung nach der Pause als "unfair" bezeichnen. Allen muss vorher klar gewesen sein, dass das aktuelle Szenario realistisch ist. Und eine Wertung nach der Hinrunde wäre demnach auch nicht unfair. Die Regeln waren eindeutig, jeder wusste, dass es so kommen kann, und alle haben die gleichen Bedingungen, dass jeder mindestens einmal gegen jeden gespielt hat."


Daniel Hansmeier, Geschäftsführer SuS Westenholz:

"Gerecht machen können wir es wohl niemandem, eine Annullierung wäre bei weniger als 50% der Spiele sicherlich noch der fairste Weg, auch wenn es vielen Vereinen einen Aufstieg vermasseln würde. Wir wollen natürlich gerne die Saison zu Ende spielen und am liebsten 34 Spiele sehen. Das ist natürlich utopisch. Eine sportliche Lösung sollte dann aber in jedem Fall angestrebt werden. Ob es aber in der Praxis sinnvoll ist, in wenigen Wochen die Spiele durchzuknallen, steht auf einem anderen Zettel. Fair wäre eine Annullierung natürlich aus Sicht aller, die nicht um den Aufstieg mitspielen. Unfair entsprechend für alle, die gerade auf Platz 1 stehen oder in direkter Nähe sind."



Bezirksliga, Staffel 1

Stephan Sander (Vorstand), TuS Dielingen:

"Wir sollten nichts unversucht lassen, sobald es möglich/erlaubt ist, wieder Fußball zu spielen. Ist doch es alles trostlos gerade! Darum halte ich gar nichts von einer zu frühen Deadline (Ende Februar) um eine unumstößliche Entscheidung zu treffen. Die Funktionäre machen es sich damit zu einfach. Alles ist besser als eine annullierte Saison. Lass uns vom 01. Mai als Spielstart ausgehen und die ausstehenden Spiele der Hinrunde ansetzen. Der Plan kann nur noch sein, eine wertbare Hinrunde zu spielen bzw. bei den Junioren kreislich die Qualirunde und Vorrunde zu spielen und dann in Summe zu werten. Wie im letzten Abbruchjahr.

Es wären dazu im Juniorenbereich auf Kreisebene nur zwei bis fünf Spiele erforderlich. Dann kann es wieder Aufsteiger aus jedem Kreis geben. Die überflüssige, unfaire und keinem Junioren verständlich zu machende Aufstiegsrunde könnten wir für immer und ewig einstampfen. Meister müssen aufsteigen! Selbst überkreislich fehlen im Juniorenbereich nur vier bis fünf Spieltage um eine wertbare Hinrunde hinzubekommen.

Lächerlich wäre eine Saison frühzeitig zu annullieren, dann darf wieder gespielt werden und keiner kann spielen, weil es keine Saison mehr gibt. Dann verlieren wir noch mehr Kinder und Jugendliche! Die Senioren müssen noch acht bis neun Spieltage absolvieren, geht also nur Hinrunde auch. Mai und Juni spielen - fertig. Wenn wir dann nur zwei oder drei Wochen Vorbereitung im April haben oder gar keine, sollte nicht das zu große Problem sein. Betrifft ja alle gleich (fair). Also Funktionäre und Spielansetzer: Kalender raus und Spiele ab Mai ansetzen. Dann freuen sich Meister über den Aufstieg und Absteiger können sich zur neuen Saison den Wiederaufstieg als Ziel setzen."

Bezirksliga, Staffel 2

Jakob Bulut, SV Avenwedde:

„Die Saison krampfhaft aufrechtzuhalten, halte ich für bedenklich. Bei einer Wiederaufnahme des Trainings- sowie Spielbetrieb muss eine gewisse Vorbereitungszeit berücksichtigt werden. Damit meine ich mindestens vier Wochen Teamtraining, um die Muskulatur auf einen guten Stand zu bekommen, damit keine größeren Verletzungen riskiert werden. Aber selbst vier Wochen sehe ich als grenzwertig an. Im Sommer haben wir eine Vorbereitungszeit von rund acht Wochen. Nichtsdestotrotz wäre es aus unserer Sicht wünschenswert, wenn die Saison fortgeführt werden würde – gerade im Hinblick auf die Tabellenkonstellation. Sollte es zu einer Saisonannullierung kommen, kann sich aber auch niemand beschweren. Es sind gerade einmal rund ein Viertel der Spiele absolviert.“

Vittorio Lombardi, FSC Rheda:

"Ein Abbruch der Saison wäre für unseren Verein die schlechteste Lösung. Wenn es möglich ist, sollte man versuchen, ab April die Hinrunde zu Ende zu spielen, damit die Saison gewertet werden kann. Selbst wenn der Lockdown bis Ostern gehen sollte, hätte man nach Ostern noch drei Monate Zeit, um sich für zwei bis vier Wochen vorzubereiten und die restlichen Spiele der Hinrunde auszutragen - mit englischen Wochen nötigenfalls."


Marcel Klisch, VfL Oldentrup:

"Der Amateursport hat sich aus meiner Sicht hinten anzustellen. Schule/Kita, aber auch wirtschaftliche/berufliche Interessen gehen vor. Im Übrigen sollten wir zwischen Erwachsenen-Sport und Kinder-Jugendlichen-Sport unterscheiden. Kinder und Jugendliche gehen klar vor! Wird jedoch bei jeder Diskussion vollkommen vergessen. Die Anzahl der Jugendmannschaften nahm bereits vor Corona kontinuierlich ab. Wenn in dem Bereich keine geeigneten Maßnahmen von Verband und DFB getroffen werden, sehe ich für die Zukunft ganz schön schwarz.

Ich kann jeden Spieler verstehen, welcher so schnell wie nur möglich wieder in "normalen" Trainings- und Spielbetrieb kommen möchte. Als Vorstand und Hygienebeauftrager muss ich jedoch sagen, die Zeit vor dem Lockdown hat mich und meinen Helfern schon ganz schön gefordert. Zeitlich gesehen könnten die verbleibenden Spiele (ca. 8-10) von April bis Ende Juni abgehalten werden. Im Amateursport halte ich das jedoch nicht für sinnvoll. Das Verletzungsrisiko würde vermutlich stark zunehmen. Zudem kann es während dieser Zeit wieder zum Stopp des Sports oder durch Ausfall von Spielen durch Quarantäne kommen. Das wird ein ganz schönes Stückwerk. Da sollte man lieber einen Schlussstrich unter diese Saison ziehen. Die Annullierung der Serie sehe ich als die fairste Entscheidung von allen an. Es gibt keine Auf- und Absteiger."


Rudi Frank, SV Heepen:

"Ich persönlich würde eine Annullierung sehr schade finden. Gerade mit dem Aspekt, dass es unsere erste Bezirksliga-Saison seit einigen Jahren ist. Ich würde mich schon mehr freuen, sportlich den Klassenerhalt zu schaffen. Wir wären ja quasi durch Corona aufgestiegen und hätten den Klassenerhalt durch Corona geschafft. Daher wünschen wir uns eine Fortsetzung der Hinserie.

Ich würde die 50 Prozent um jeden Preis zu Ende spielen. Auch wenn es sich noch länger zieht und gegebenfalls erst im Dezember die Saison beendet wird. Und die kommende Saison sollte dann direkt auf 50 Prozent eingestellt werden, damit wir da im Sommer 2022 mit durch sind. Aber da würde es dann ja zu dem Problem kommen, dass die aktiven Ligen im Sommer keine Aufsteiger bekommen. Daher ist das wohl nicht so realistisch."


Carsten Johanning, TuS Brake:

"Zunächst mal bin ich der Meinung, dass man die Entscheidung solange aufschieben sollte, wie es möglich ist, um eine Halbserie zu Ende zu spielen. Für eine 18er-Staffel reichen dafür die Monate Mai und Juni aus. Zwei Wochen Vorlauf müssen in dem Fall zur Vorbereitung halt mal ausreichen. Ein Trainingsstart müsste also spätestens Mitte April erfolgen. Um dem erhöhten Verletzungsrisiko Rechnung zu tragen, könnte man beispielsweise mehr Auswechselungen zulassen.

Wenn es gelingt, die Halbserie als Minimum in einem akzeptablen Zeitraum zu beenden, dann ist es auch so fair wie es eben unter den aktuellen Gegebenheiten möglich ist. Sollte es nicht gehen, dann gibt es aus meiner Sicht keine vernünftige Alternative zur Annullierung und wir fangen im Sommer mit einer frischen Saison wieder an. Szenarien zur Verlängerung einer Saison wie in Bayern letztes Jahr halte ich für ausgemachten Blödsinn."

Bezirksliga, Staffel 3:

Matthias Wölk, TBV Lemgo:

„Gehe davon aus, dass die Saison annulliert wird. Es reichen keine zwei Wochen als Vorbereitung auf die restliche Saison aus. Ich stehe mit dem Verein im engen Austausch – und wir sind einer Meinung. Wir hatten immer gehofft, dass wir die Hinserie noch zu Ende spielen können. Fair oder unfair spielt aktuelle keine Rolle. Dafür haben andere Menschen ganz andere Probleme als wir mit unserem Fußball. Natürlich wäre eine Annullierung für Post richtig bitter, aber es liegt alles nicht in unserer Hand und hat auch nichts mit Post zu tun. Für die Mannschaften, die nicht absteigen, ist so eine Entscheidung aber nicht immer gut. Vielleicht wäre es das Gerechteste, wenn wir die aktuelle Saison einfach ab September weiterspielen.“

Sven Schmidt, SV Dringenberg:

„Eine Annullierung der gesamten Saison fände ich sehr schade. Man sollte schon noch alles daransetzen, mindestens die Halbserie für die Wertung zu spielen. Jeder Verein wusste vor der Saison, was auf einen zukommen kann. Jeder hat seine eigenen Argumente dafür oder dagegen. Ich kann jede Mannschaft verstehen, die unten oder oben steht und auf die beste Entscheidung für sich hofft. Man muss dem Verband mal ein Kompliment machen, dass es eine klare Kommunikation über die verschiedenen Varianten gab. Ein alternativer Lösungsvorschlag von mir wäre: Playoffs um den Aufstieg und Abstieg – aber es wird schwer, die richtige Lösung zu finden.“

Marco Weigmann, Co-Trainer TuS Lipperreihe:

„Die Gesundheit aller steht klar im Vordergrund. Solange keine Herdenimmunität erreicht ist, macht eine Wiederaufnahme wenig Sinn, da es überall immer zu Ausbrüchen kommen kann. Von fair oder unfair kann man schlecht reden, da man in dieser Zeit einfach andere Prioritäten setzen muss. Man muss die Entwicklung in den nächsten ein bis zwei Monaten abwarten. Bleibt die Situation, wie sie gerade ist, dann gibt es für mich keine Alternative.“

Uwe Beck, Trainer SV Höxter:

„Von einem ‚normalen‘ Fußballsonntag inklusive Zuschauer sind wir aktuell sehr weit entfernt. Vom Gefühl her legen viele die Hoffnung auf den Impfstoff. Ob das wirklich alles so klappt, ist aber fraglich. Als Optimist sage ich, dass es irgendwann in 2021 auch wieder Amateurfußball zu sehen gibt. Mit der Annullierung würde ich aber warten. Die gesamte Saison zu Ende zu spielen, ist mit den aktuellen Maßnahmen total utopisch. Also gibt es auch keinen richtigen Zeitdruck. Die Frage fair oder unfair stellt sich für mich nicht. Der Verband hat mit der 50-Prozent-Regel zur Wertung der Saison frühzeitig eine transparente und weitsichtige Entscheidung getroffen. Ich würde in unserer Liga Post Detmold den Aufstieg gönnen, weil Sie bisher am stärksten waren. Wiederum hätten es einige andere Vereine, nach zum Teil zwei Jahren herumstottern hintereinander am Tabellenende, verdient abzusteigen. Für diese Szenarien gibt es ja klare Regeln, auf die sich jeder einstellen konnte. Daher halte ich von anderweitigen Alternativen zum jetzigen Zeitpunkt nicht so viel.“

Sascha Weber, TuS WE Lügde

„Für mich gibt es keinen anderen Weg als eine Annullierung. Ich könnte es aber auch verstehen, wenn nur die Hinrunde gespielt und gewertet wird – der Verein denkt da ähnlich wie ich. Fair oder unfair gibt es bei dieser Entscheidung nicht. Egal mit welcher Lösung – man wird nicht allen gerecht. Ich könnte aufgrund unserer sportlichen Situation mit einer Fortsetzung leben. Wir sind stark genug, um die Klasse zu halten. Eine Annullierung wäre für Mannschaften wie Post Detmold natürlich richtig bitter, die haben eine ziemlich gute Saison bisher gespielt. Aber es würde sich gerechter anfühlen, wenn die Saison nicht gewertet wird, bevor wieder ein Koeffizient angewendet wird.“

Markus Rüschenpöhler, SG Hiddesen-Heideoldendorf:

„Der späteste Re-Start wäre Mitte April. Ich befürworte immer eine sportliche Lösung und nicht eine Annullierung. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ein Verantwortlicher an einem vorzeitigen Abbruch interessiert ist. Eine Annullierung ist aus sportlicher Sicht unfair, es wurden bereits einige Spiele gespielt. Alternative Vorschläge für eine Lösung hätte nicht. Was aber auf jeden Fall gut ist, ist, dass der Verband vor der Saison schon alles klar geregelt hat. Jeder wusste, dass diese beiden Fälle eintreffen können. Es kann keiner sagen, dass er davon nichts wusste. Ich glaube noch nicht an eine Annullierung und bin vorsichtig optimistisch, dass wir die 50-Prozent-Marke noch erreichen können.“

Marco Schlobinski, SV Jerxen-Orbke:

„Ich kann mir gut vorstellen, dass die aktuelle Saison annulliert wird. Es wird maximal nur noch die Hinrunde gespielt. Wir sollten jetzt lieber etwas länger den Ball ruhen lassen, um dann zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr wieder dauerhaft und kontinuierlich spielen zu können. Bei einer Annullierung gebe es Gewinner und Verlierer. Da sollen sich die Verantwortlichen vom Verband Gedanken machen. Wir werden jede Entscheidung mittragen. Daher denke ich auch nicht über Alternativen nach.“

Matthias Rebmann, FC Peckelsheim-Eissen-Löwen:

„So eine Saison wie die aktuelle ist nur schlecht zu bewerten – selbst, wenn 50 Prozent der Spiele erreicht werden würden. Wir pausieren jetzt schon seit drei Monaten. Und da wird es große Unterschiede geben, wie die Spieler ihre Hausaufgaben erfüllen. Bei einer Vorlaufzeit von nur zwei Wochen wäre eine Fortsetzung nicht sinnvoll und zielführend. Wir haben die Erfahrung gemacht und hatten sehr viele verletzte Spieler nach der ersten Unterbrechung. Wenn wir noch länger nicht trainieren und spielen dürfen, sollte die Serie abgebrochen werden. Für die Vereine mit Aufstiegsambitionen ist das aber natürlich schwierig. Ein normaler Spielbetrieb ist wohl erst nach den Impfungen wieder möglich.“

Matthias Heymann, FC Augsutdorf:

„Es wäre sehr schade, wenn die Saison nicht beendet oder gewertet werden würde. Es wäre dann schon das zweite Jahr ohne Wertung. Trotzdem finde ich es richtig, dass mindestens 50 Prozent der Spiele für eine Wertung mit Auf- und Absteigern gespielt werden müssen. Um ein faires Ergebnis zu bekommen ist es sinnvoll, einmal gegen jeden Gegner gespielt zu haben. Allerdings verstehe ich auch, dass aktuell kein Spiel- und Trainingsbetrieb erlaubt ist. Um diese Saison zu Ende zu spielen, muss meiner Meinung nach spätestens Mitte März wieder mit dem Training und Mitte April mit dem Spielbetrieb begonnen werden. Nach so einer langen Pause finde ich zwei Wochen Vorlaufzeit beziehungsweise Trainingszeit bis zum ersten Spiel deutlich zu kurz. Vier Wochen wären schon wünschenswert – auch, um unnötige Verletzungen zu vermeiden. Den Saisonstart der kommenden Saison sollte man so legen, dass in jedem Fall auch gespielt werden kann. Es bringt nichts, wieder ein, zwei Monate zu spielen und dann wieder eine lange Unterbrechung zu haben.

Miron Tadic, TSV Oerlinghausen:

„Für Sportler sind Annullierungen immer schwer zu akzeptieren. Aber wenn es um die Gesundheit geht, ist alles andere unwichtig. Persönlich akzeptiere ich und auch der Verein jede Entscheidung, die getroffen wird. Schließlich ist es ‚nur‘ Fußball. Über Fairness möchte ich nicht urteilen, weil jeder aufgrund der Tabellensituation es anders sieht. Lösungsvorschläge habe ich keine. Ich hoffe aber, dass wir alle da gesund durchkommen und schnellstmöglich wieder ins Training einsteigen können.“

Daniel Barbarito, RSV Barntrup:

„Endlich traut sich ein Verband (Hamburg, Anm. d. Red.) eine klare Meinung und einen klaren Fahrplan für den Rest der Saison bekanntzugeben. Man darf hierbei eins nicht vergessen - wir reden über ein Hobby. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich bin immer für eine sportliche Lösung, aber kommen wir bis Ende Februar nicht auf den Platz, ist für mich ein Saisonabbruch alternativlos. Wir wären dann vier Monate in einer Zwangspause - und die Verantwortlichen des Verbandes reden immer noch davon, eine zweiwöchige Vorbereitung sollte dann reichen - da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Sollte dem so sein, sind muskuläre Verletzungen an der Tagesordnung. Ohne eine vierwöchige Vorbereitung brauchen wir über keinen Re-Start sprechen.“

Rytis Narusevicus, TSC Steinheim:

„Die Situation ist nicht einfach. Ich bin aber dafür, dass wir die Saison noch bis Sommer fortsetzen. Ob das realistisch ist, weiß ich nicht. Wir haben aktuell zu wenige Spiele für eine Wertung gemacht. Ich hoffe, dass wir die Runde noch weiterspielen können. Keiner von uns kann sagen, wie lange die Pandemie noch dauert.“

Norbert Dölitzsch, Spvg. 20 Brakel II:

„Die Gesundheit steht bei jeder Entscheidung im Vordergrund. Ich gehe davon aus, dass die Saison nicht weitergeführt wird. Wenn die Werte so hoch bleiben, macht es auch überhaupt keinen Sinn. Die Meisterschaft sollte daher nicht fortgesetzt werden, wenn sich die Situation nicht bessert. Eine Annullierung wäre dann unumgänglich. Und das sage ich nicht, weil wir dann als aktuell Tabellenletzter nicht absteigen würden. Im Moment hat die Menschheit andere Probleme als Bezirksliga-Fußball."

Bezirksliga, Staffel 13:

Peter Rüsing, 2. Vorsitzender Fußball-Senioren SC Borchen

"Eine Annullierung wäre zwar schade, da mit Ausnahme unserer zweiten Mannschaft alle Teams eine klasse Saison spielen. Auf- und Abstiegsfragen sind bei uns aber eher zweitrangig. Im Zweifel müsste die Zweite runter. Von daher hätte ein Abbruch auch was Positives. Wirtschaftlich sind wir ganz gut durch das erste Corona-Jahr gekommen. Von daher wäre insgesamt ein Abbruch verkraftbar. Alle sehnen sich aber wieder nach einem geregelten Spielbetrieb. Das geht natürlich mit dem allgemeinen Befinden in der Krise einher. Dennoch wollen wir nicht meckern. Es gibt andere Organisationen oder Personen, die es wirtschaftlich oder gesundheitlich viel härter trifft.

Wenn die 50%-Quote nicht erreicht werden kann, finde ich, ist eine Annullierung der einzig faire und gangbare Weg. Die erste Idee ist natürlich, die erste Saisonhälfte zu Ende zu spielen und dann zu werten. Es wäre aber schade, wenn sich dies wieder bis in die nächste Saison zieht. Dann lieber abbrechen und sauber neu starten, wenn es denn bis dahin möglich ist.

Henrik Sunder, Vorsitzender Fußballabteilung GW Anreppen

"Es fällt schwer, darüber nachzudenken, wann es denn mit dem Amateursport wieder losgehen könnte, denn vorher sind noch viele andere Bereiche, die erstmal wieder hochgefahren werden müssen wie die Schulen, die Gastronomie und der Einzelhandel. Die aktuelle Saison ist von Anfang an besonders gewesen. Angefangen von der holprigen Vorbereitung ab Juli mit unterschiedlichen Einschränkungen bis hin zum Abbruch Anfang November und zur Überlegung, maximal nur die Hälfte der Spiele spielen zu müssen, um eine Wertung zu haben.

Eine angepeilte Wertung der aktuellen Saison in Anbetracht der momentanen Situation halte ich für schwierig, denn es wird bis zum letzten Spieltag am 30.06.2021 in Frage stehen, ob die 50% der Spiele bzw. die komplette „Hinrunde“ wirklich gespielt werden kann, oder ob es doch nicht klappt, und die Saison dann annulliert werden muss. Ein sicher geglaubter Auf- oder Abstieg verpufft. Diese Situation wünscht man sich als Sportler und auch Vereinsvertreter nicht. Allerdings sehen wir auch keinen Alternativvorschlag zur 50%-Regel oder zur Annullierung.

Aufrufe: 020.1.2021, 05:00 Uhr
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