2024-07-17T10:40:36.325Z

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Ein Leben für den SCU.
Ein Leben für den SCU. – Foto: Heiko van der Velden

Gerd Petrie: Als das runde Leder noch eine Blase hatte

Gerd Petrie ist im Fußball viel herumgekommen, seine Heimat fand der Libero beim SC Unterbach – dort wirkte er 23 Jahre lang als 2. Vorsitzender.

Gerd Petrie kennt sich gut aus im Fußball-Spannungsfeld zwischen Hochdahl, Erkrath und Unterbach. Denn irgendwie ist der nunmehr 75-Jährige dort überall zu Hause. Der gebürtige Erkrather kickte bereits als Zehnjähriger für den SC Unterbach, dem er später als Mitglied treu blieb. Wie lange schon?

„Ungefähr 46 oder 47 Jahre, auf jeden Fall eine ganze Zeit lang“, sagt er schmunzelnd. So ganz genau weiß er es nicht. Sicher ist nur, dass Petrie in absehbarer Zeit sein 50-Jähriges feiert.

Dabei war er in jungen Jahren in vielen Klubs unterwegs. So wechselte er zum TuS Gerresheim, um dort in der Sonderliga zu spielen. 1964 war das, und es lag auch daran, dass er bei der Gerresheimer Glashütte seine Ausbildung absolvierte. Beim TuS lief er später auch noch zwei Jahre für die erste Mannschaft auf. Dann wechselte er in die Erste des SC Unterbach. Nach ein paar Jahren sprach ihn Freddi Zwiebler an, seinerzeit Trainer beim SFD Süd. Dort blieb Petrie zwei Jahre, ehe er weiter zu Bilk 13 zog und dann beim BV 04 landete. Mit dem Klub erlebte er seinen fußballerischen Höhepunkt, denn im Deutschen Fußball-Pokal trafen die Düsseldorfer auf Borussia Mönchengladbach. „Wir waren unter den letzten 128 und haben gegen den VfL Bad Schwartau mit 3:0 gewonnen“, erinnert er sich und erzählt weiter: „Als wir unter den letzten 64 waren, ging es gegen die Borussia. Udo Lattek war damals in Mönchengladbach Trainer. Auf dem TuRU-Platz haben wir mit 1:4 verloren.“

Zwei Jahre dauerte das Gastspiel beim BV 04, dann ging es für Gerd Petrie zurück nach Unterbach. „Mir war der zeitliche Aufwand zu hoch“, gesteht er und berichtet: „Als ich weg war, ist der BV 04 von der Landes- in die Verbandsliga aufgestiegen.“ Doch auch mit seinem Heimatklub war Petrie noch erfolgreich. „Mit dem SCU bin ich 1979 in die Bezirksliga aufgestiegen“, lässt der Rentner die Jahre als Aktiver vor seinem inneren Auge an sich vorbeiziehen.

Wie er überhaupt zum Fußball kam? „Ich habe schon früher immer gebolzt, vor dem Haus. Fünf, sechs Jahre alt war ich da. Ich konnte die Schnürsenkel noch nicht zu einer Schleife binden. Mein Vater hat gesagt, dass ich Fußballschuhe erst bekomme, wenn ich eine Schleife schaffe. Stunden habe ich geübt – zu Weihnachten habe ich sie dann erhalten.“ Auch die Erinnerung an die früheren Lederbälle ist noch ganz frisch. „Die hatten oben eine Kordel drin und in der Hülle war eine richtige Blase. Wenn sie kaputt war, konnte man den Ball auch zum Schuster bringen.“ Als wäre es erst gestern gewesen, erinnert er sich an die Szene, als sein Bruder den Ball auf die Straße schoss. „Ein Auto ist drüber gefahren und kaputt war er.“ Seine Position auf dem Feld? Die Antwort kommt postwendend und ein wenig stolz: „Letzter Mann.“ Also Libero.

Die schönste Nebensache der Welt

Was fasziniert ihn so am Spiel mit dem runden Leder? „Fußball war für mich immer das Größte. Das Schöne ist die Gemeinschaft, die Kameradschaft. Man lernt viele Leute und Freunde kennen. Ich kenne sehr viele gute Leute, die sich noch heute alle vier Wochen freitags im Uerige auf ein Bier treffen und in Erinnerungen schwelgen“, sagt Petrie Das gilt auch für seinen Kegelverein. „Alles Fußballer und seit über 30 Jahren im Klub. Wir kegeln nicht mehr so viel, weil jeder das eine oder andere Wehwehchen hat, aber wir sitzen zusammen, klönen, lachen – es macht einfach Spaß.“ Das gilt auch für den Boulesport, dem er inzwischen ebenfalls frönt. „Es wird über alles gesprochen, man hat immer ein Thema und ist so auch nicht abgeschottet“, unterstreicht der Ruheständler die positiven Aspekte.

Beim SC Unterbach engagiert sich Gerd Petrie auch heute noch und ist als „halber Platzwart“ unterwegs. Vor gut einem Jahr erst beendete er seine Tätigkeit im Vorstand des Vereins. Wie es dazu kam? „Uwe Droste wollte 2000 als Vorsitzender aufhören, weil er mit seinem Stellvertreter nicht klar kam. Dann habe ich ihm gesagt: Ich bin kein Büromensch, aber ich nehme Dir gerne praktische Arbeiten ab. 23 Jahre waren wir dann gemeinsam im Vorstand“, plaudert Petrie gerne von vergangenen Zeiten, in denen er unter anderem auch als Jugendtrainer und Coach der ersten Mannschaft agierte.

2022 lud ihn der Deutsche Fußball-Bund in den Club 100 ein – eine Auszeichnung für die besten 100 Ehrenamtler eines Jahres. Höhepunkt war der Besuch des Länderspiels zwischen Deutschland und England in München. Drei Tage war Petrie in der bayerischen Hauptstadt vor Ort. „Nach einer 1:0-Führung haben die Deutschen noch das 1:1 reinbekommen“, berichtet er und erinnert sich: „Wir haben direkt über der Bank der Engländer gesessen, das war sehr angenehm.“

Am Freitag wird sich Gerd Petrie das EM-Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Schottland anschauen. Nicht im Stadion. „Wir treffen uns um 17 Uhr zum Kegeln. Das lassen wir aber ausfallen, wir werden vielmehr lecker essen und dann treffen wir uns auf dem Fußballplatz. Dort haben wir für unseren Kegelklub Sitze reservieren lassen.“ Dabei schaut Petrie wichtige Begegnungen eigentlich lieber alleine. „Ich möchte ein Spiel in Ruhe gucken und genießen“, gesteht er freimütig.

Seine Prognose für die deutsche Nationalmannschaft ist optimistisch. „Die Schotten schlagen wir schon. Wir werden unter die letzten Vier kommen. Was dann passiert, werden wir sehen“, erklärt der Fußball-Experte.

Aufrufe: 015.6.2024, 21:00 Uhr
RP / Birgit SickerAutor