2026-03-05T07:49:35.839Z

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Georg Koch: Ein großer Junge am Ende einer großen Reise

Egal ob Bielefeld, Duisburg oder Düsseldorf: Wo Georg Koch zwischen den Pfosten stand, war er Publikumsliebling. Nun ist er mit 54 Jahren verstorben.rn

von RP / Robert Peters · Gestern, 22:00 Uhr · 0 Leser
Georg Koch ist gestorben.
Georg Koch ist gestorben. – Foto: IMAGO / Nico Herbertz

Er war eigentlich immer ein großer Junge. Buchstäblich groß (1,91 Meter), mit Händen wie Bratpfannen, einem breiten Kreuz und einer beeindruckenden Figur. Ein staunender Junge in der Welt des Fußballs, stets ein bisschen belustigt, manchmal mit dem rauen Humor der Kabine, gelegentlich ein wenig naiv, zugänglich, einer zum Anfassen. Georg Koch, der für Fortuna Düsseldorf, PSV Eindhoven, Arminia Bielefeld, den 1. FC Kaiserslautern, Energie Cottbus, den MSV Duisburg, Dinamo Zagreb und Rapid Wien im Tor stand, ist tot. Er starb an den Folgen von Bauchspeicheldrüsenkrebs, das gab sein einstiger Verein Fortuna Düsseldorf am Mittwoch bekannt – Koch wurde nur 54 Jahre alt.

Seine Karriere begann beim Bundesligisten Fortuna Düsseldorf. Koch kam in eine, vorsichtig ausgedrückt, unruhige Phase. Die Trainer gaben sich die Schlüssel zur Kabine gegenseitig in die Hand. Gleich vier (Josef Hickersberger, Rolf Schafstall, Hans-Jürgen Gede, Horst Köppel) verschliss die Fortuna in einer Saison 1991/92 – einen (Schafstall) warf sie mitten im Trainingslager auf Gran Canaria nach einem kurzen Gespräch zwischen Swimmingpool und Hotel-Lobby raus. Darüber hinaus ging der Klub mit drei Torhütern durch die Saison, neben Jörg Schmadtke und Jürgen Wittmann, die einander in herzlicher gegenseitiger Abneigung zugetan waren, war kein Platz für Koch. Er machte kein Spiel und stand einigermaßen verloren dabei. Erst nach dem unvermeidlichen Abstieg in die zweite Liga kamen die ersten Einsätze, er machte 13 Spiele, und er blieb auch nach dem erneuten Abstieg. In der drittklassigen Oberliga war er der Stammtorwart.

Er hat es später als großes Glück bezeichnet, dass er geblieben war, denn er kam nun unter die Obhut von Enver Maric, einst ein Weltklasse-Schlussmann, der fast mittellos aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg geflohen war und von seinem Landsmann Aleksandar Ristic zum Trainer-Assistenten gemacht wurde. „Nach den ersten Übungen habe ich gedacht: Was bin ich nur für ein steifer Bock“, sagte Koch. Maric erkannte das Talent des Hünen, der sich im Torwartspiel immer auf seine Größe verlassen hatte, er machte ihn beweglicher, mitspielender, taktisch aufmerksamer. Mit den staunenden Augen des großen Jungen sog Koch auf, was ihm angeboten wurde.

Er war nun der außerordentliche Rückhalt einer von Routiniers wie Petr Rada, Darko Drazic, André Winkhold oder Andrzej Buncol angeführten Truppe, die den direkten Durchmarsch bis zurück in die Bundesliga schaffte. Koch war Torwart einer Mannschaft, die diesen Namen verdiente, die mit Zusammenhalt, taktischem Geschick, Routine und Disziplin ausglich, was ihr an Jugend und Tempo fehlte.

Aber das Glück hielt nicht lang. Als die Fortuna 1997 wieder mal in die zweite Liga abstieg, begann Kochs Wanderschaft durch den Profifußball, denn für die zweite Liga war er einfach zu gut. Die große PSV Eindhoven schnappte sich den 25-jährigen Deutschen. Doch der war zu naiv für den mit allen professionellen Bösartigkeiten geführten Konkurrenzkampf beim Champions League-Teilnehmer. Ronald Waterreus, der eigentliche Stammtorwart, begegnete dem Neuen mit beinharter Abneigung und antideutschen Ressentiments. Der große Junge Koch, hinter dessen manchmal rauer Fassade ein sehr verletzliches Kerlchen wohnte, kam damit nicht klar. Er konnte sich nicht durchsetzen und zog zu Arminia Bielefeld. Dort erlebte er einen Abstieg und einen Aufstieg.

Koch war wieder wer im deutschen Torhütergeschäft, und bei seiner nächsten Station klopfte er auch an die Tür zur Nationalmannschaft. Als Keeper des 1. FC Kaiserslautern in den beginnenden 2000er Jahren stand er im Blickfeld. Eine Berufung erhielt er nicht, worüber sich viele Experten wunderten. Nach drei Jahren FCK löste ihn Tim Wiese ab. Koch zog weiter. Die nächsten Stationen: Energie Cottbus (knapp verpasster Bundesliga-Aufstieg), MSV Duisburg (Aufstieg), Dinamo Zagreb (Meister und Pokalsieger) und Rapid Wien. Im Derby gegen Austria detonierte ein Böller gleich neben seinem Tor. Koch erlitt ein Knalltrauma, und er musste wegen anhaltender Gleichgewichtsstörungen die Karriere beenden.

Es kam noch schlimmer. Nach einigen Stationen als Torwarttrainer (zuletzt bei Viktoria Köln) erkrankte Koch an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Im Mai 2024 machte er das öffentlich, ohne Umschweife und Pathos, wie das seine Art ist. „Ich werde sterben“, sagte er, „aber ich habe keine Angst vor dem Tod.“ Zu einem Abschiedsspiel im Oktober, selten passte das Wort wohl besser, brachte er Fortunas Traditionsmannschaft zu seinem Heimatverein VfR Marienfeld. „Den Tag und die anschließende Feier werde ich nie vergessen“, versicherte er, bereits schwer gezeichnet von der Krankheit. Es gab Currywurst, Gegrilltes und Kölsch. „So habe ich den Fußball kennengelernt und so wollte ich ihn in Erinnerung behalten.“

Zwischen vielen Umarmungen und Tränen wurde auch laut gelacht. Mitten drin: ein großer Junge am Ende einer großen Reise.