
Vor 17 Monaten hatte es zahlreiche langjährige Weggefährten zum ersten Mal nach Much in den Rhein-Sieg-Kreis gezogen, um bei seinem Abschiedsspiel gemeinsam mit Georg Koch das Leben zu feiern. Und am Donnerstag kamen sie wieder in die Heimat der Torwart-Legende, auf die Anlage des VfR Marienfeld – um Koch zu feiern.
Gut zwei Wochen nach dessen Tod allerdings unter traurigsten Umständen. Trauerredner Thomas Flörchinger führte durch die einstündige Gedenkfeier zu Ehren des gebürtigen Bergisch Gladbachers, der aufgrund seiner Bauchspeicheldrüsenkrebs-Erkrankung nur 54 Jahre alt wurde.
Der langjährige Keeper von Fortuna fand in diesem Rahmen dort seinen Platz, wo ihn die Fans all seiner Vereine ins Herz geschlossen hatte – im Tor. Da stand sie, seine Urne, umrahmt von zwei rot-weißen Fußbällen. Der Strafraum ist und bleibt auch nach seinem Ableben das Revier von Koch. Seine letzte Ruhe findet er in einer speziellen Fortune-Urne mit Handschuhen, dem Vereinslogo und einem Tor. Auf Bänken im Strafraum fanden auch seine Liebsten Platz; im engsten Kreis befand sich neben seiner Familie auch Markus Anfang.
Neben dem Trainer der Düsseldorfer waren in Klubboss Alexander Jobst, Aufsichtsratschef Björn Borgerding und Sebastian Fuchs, dessen Stellvertreter, weitere Fortuna-Verantwortliche vor Ort. Zu den Vereinsgrößen, die ebenfalls Abschied von Koch nahmen, zählten unter anderem Bernd Restle, Axel Bellinghausen, Pierre Esser, Robert Niestroj und Ralf Vogt sowie Fortunas einstiger Aufstiegstrainer Norbert Meier. Auch Andreas Meurer und Thorsten Breitkopf von den „Toten Hosen“ hatten den Weg nach Much auf sich genommen.
Anfang, der Patenonkel von Kochs Tochter Emma, hielt gemeinsam mit Borgerding die erste Rede. Zuvor war die Gedenkfeier mit „Tommi“ von „AnnenMayKantereit“ eingeleitet worden. „Schorschs Lieblingslied“, erklärte Trauerredner Flörchinger. „Da kamen ihm die Tränen.“ Borgerding erzählte von seiner ersten Begegnung mit Koch, im Rahmen der Aufstiegsfeier 1995. Als 13-Jähriger sei er da auf das „totale Feierbiest“ im Fortuna-Tor getroffen, als Koch es nach dem Aufstieg in der Altstadt so richtig krachen ließ.
Auch das kam im Rahmen der ausgesprochen würdevollen Veranstaltung immer wieder zur Geltung: Es wurde gelacht, an die vielen schönen und ausgelassenen Momente mit Koch gedacht. Anfang entschied sich dafür, ohne vorbereitete Notizen an das Mikrofon zu treten. Sein Freund sei ein Mann gewesen, der „nie Angst, aber Respekt“ gehabt habe. Anfang gab den Gästen mit auf den Weg, „in Trauer die schönen Momente zu leben“ – dies sei in „Schorschs“ Sinne gewesen. Ebenfalls habe Kochs Lebenswerk gelehrt, „keine Angst“ zu haben, gerade im Umgang mit seiner Krankheit. Im Anschluss an seine Rede ging der 51-Jährige zur Familie des Verstorbenen und trauerte gemeinsam mit ihr.
Teil der Veranstaltung war auch die musikalische Untermalung. Sowohl die Fortuna-Ultras als auch der mit Koch befreundete Musiker „Ötte“ veröffentlichten posthum Lieder, die das Wirken des Publikumslieblings ehren. Neben Fortuna-Coach Anfang kam in Dietmar Hirsch auch ein weiterer ehemaliger Mitspieler Kochs zu Wort. Alle drei spielten in den 2000er Jahren gemeinsam beim MSV Duisburg, den Hirsch mittlerweile trainiert. Hirsch betonte, dass es im Leben nur wenige Freunde gebe, die einem zu jeder Tageszeit zur Seite stehen und immer angerufen werden können. Koch war nicht nur einer seiner besten Freunde, betonte Hirsch, er werde auch trotz seines Todes immer eine der wichtigsten Bezugspersonen für den MSV-Trainer bleiben.
Das Ende war dann so, wie viele seiner Weggefährten „Schorsch“ in den etwas mehr als zwei Wochen seit seinem Tod beschrieben hatten: laut, aber würdevoll. Als letztes Lied der Veranstaltung ertönte „Schönen Gruß, auf Wiederseh’n“ von den „Toten Hosen“. Ein Song, der bestens zur Gedenkfeier passte: Einerseits gab es traurige und ausgesprochen emotionale Momente, andererseits war neben der Trauer auch das Feiern von Kochs Lebenswerk ein elementarer Bestandteil. „Es ist wohl besser, jetzt zu gehen, wir können keine Tränen sehen“ – als diese Worte erklangen, waren zahlreiche Trauergäste ergriffen.
Zum Abschluss der Feier wurde es dann noch einmal laut, als Trauerredner Flörchinger alle Anwesenden bat, zu Ehren Kochs und auch in seinem Sinne zu klatschen. Ein großer Mensch und ein großer Fortune hat die Bühne des Lebens verlassen – mit großem Applaus von seiner Familie und vielen seiner engsten Vertrauten.