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Spielvorbericht

Gelingt Ilmenau der nächste Streich?

Am kommenden Wochenende steht für den SV Germania Ilmenau das nächste Pokalspiel vor heimischer Kulisse auf dem Plan. Gelingt es der Mannschaft von Thomas Giehl nach Saalfeld den nächsten Thüringenligisten zu stürzen?

von Fabian Göb · 03.09.2026, 20:00 Uhr · 0 Leser
– Foto: Tom Fröhlich

Am Wochenende wartet im Thüringenpokal ein besonderes Duell auf den SV Germania Ilmenau. Die Mannschaft von Trainer Thomas Giehl empfängt den SV 09 Arnstadt und damit nicht nur einen ambitionierten Gegner, sondern auch einen Verein, mit dem der Germania-Coach eine lange gemeinsame Vergangenheit verbindet. Fünf Jahre stand Giehl in Arnstadt an der Seitenlinie und war dort maßgeblich am damaligen Neuaufbau beteiligt. Mittlerweile blickt er jedoch mit der nötigen Distanz auf das Wiedersehen.

„Der Verein war gefühlt mein Baby“

Gemeinsam mit Dominik Schneider und Heiko Weinrich versuchte Thomas Giehl seinerzeit, den SV 09 nach einem Abstieg wieder aufzubauen. Eine Aufgabe, die nicht immer einfach war, den Trainer aber bis heute mit dem Verein verbindet. „Es war gerade zu Beginn eine schwierige Zeit. Wir haben damals versucht, etwas wieder aufzubauen. Das war anstrengend, hat aber gut geklappt und ging in die richtige Richtung. Natürlich gab es viele Höhen, aber auch Tiefen und Rückschläge. Im Grunde genommen ging es aber stetig bergauf“, erinnert sich Giehl. Während seiner Zeit als Trainer zog er sogar nach Arnstadt, auch wenn dies nach eigener Aussage nichts mit seinem Engagement beim Verein zu tun hatte. Dennoch wurde der SV 09 für ihn zu einer Herzensangelegenheit: „Der Verein ist mir damals sehr ans Herz gewachsen. Am Ende war er gefühlt mein Baby.“ Weniger positiv blieb Giehl dagegen sein Abschied in Erinnerung. „Der Abschied war damals nicht schön und hat mir sehr das Herz gebrochen. Daran hatte ich lange zu knabbern. Abschiede gehören im Fußball dazu, aber es ist immer die Frage, wie man sie gestaltet.“ Das Kapitel sei für ihn danach abgeschlossen gewesen. Entsprechend nüchtern blickt er inzwischen auf das sportliche Wiedersehen: „Wenn ich ehrlich bin, ist es für mich ein Spiel wie jedes andere, weil ich emotional mittlerweile wirklich weit weg bin.“

Ein Derby mit besonderem Reiz für die Region

Gerade einmal rund 20 Autominuten trennen Ilmenau und Arnstadt. Wie viel Brisanz nach den vergangenen Jahren tatsächlich noch in diesem Duell steckt, kann Giehl allerdings nur schwer einschätzen. Zu lange bewegten sich beide Vereine auf unterschiedlichen Ebenen.„Dafür waren wir zu viele Jahre zu weit auseinander. Arnstadt ist einen ganz großen Weg gegangen. Ich habe Ilmenau vor vier Jahren als Tabellenletzten in der Landesklasse übernommen und wir haben anschließend drei Jahre auf Kreisoberliga-Ebene gespielt. Arnstadt war zwischenzeitlich schon zweimal in der Oberliga. Da trennten uns fußballerisch Welten.“ Umso gespannter ist der Germania-Coach darauf, wie das Umfeld das wiederbelebte Duell annimmt. Aus früheren Zeiten kennt er schließlich noch ganz andere Kulissen. „Ich glaube, wir hatten vor vielen Jahren, als sich Arnstadt und Ilmenau auf Augenhöhe bewegt haben, mal um die 400 Zuschauer. Das würde ich mir wieder wünschen.“ Gleichzeitig hofft Giehl natürlich darauf, dem Favoriten sportlich Probleme bereiten zu können.

Freundschaften nach Arnstadt blieben bestehen

Auch wenn die Zeit als Trainer des SV 09 längst vorbei ist, brachen Giehls Verbindungen nach Arnstadt nie ab. Allein aufgrund seines Wohnortes ist der Kontakt weiterhin vorhanden. Erst am vergangenen Wochenende verfolgte er die Partie der zweiten Arnstädter Mannschaft gegen Teichel. Hinzu kommen zahlreiche persönliche Bekanntschaften und Freundschaften aus seiner damaligen Zeit. „Der Kontakt ist nie abgebrochen. Zu vielen Leuten im Verein, die dort tagtäglich tolle Arbeit leisten, besteht er weiterhin“, erklärt Giehl. Auch zu einigen Spielern gibt es noch Verbindungen. Lukas Scheuring, Norman Koch oder weitere Akteure kennt der Trainer noch aus seiner eigenen Zeit beim SV 09. Darüber hinaus tauscht er sich weiterhin regelmäßig mit früheren Weggefährten aus. „Die Freundschaften sind erhalten geblieben“, fasst der Ilmenauer Coach zusammen. Entsprechend verfolgt er die Entwicklung seines ehemaligen Vereins weiterhin und drückt ihm – abgesehen vom direkten Aufeinandertreffen – die Daumen.

„Irgendwann wird bei Arnstadt der Knoten platzen“

Sportlich erwartet Giehl am Wochenende einen Gegner mit enormer Qualität. Besonders die individuelle Stärke des SV 09 hebt der Germania-Trainer hervor. Gleichzeitig erkennt er nach den Veränderungen im Sommer einen gewissen Umbruch bei seinem Ex-Verein. „Ich finde Arnstadt individuell sehr stark und sehr gut aufgestellt. Im Sommer hat man sich vor allem aus dem Umfeld und aus unteren Ligen gute Talente geholt. Dieser Integrationsprozess braucht aber seine Zeit und ist meiner Meinung nach noch nicht abgeschlossen“, analysiert Giehl. Die bislang vielleicht fehlenden Punkte seien deshalb keinesfalls ein Grund, den kommenden Gegner zu unterschätzen. Ganz im Gegenteil: „Ich glaube schon, dass bei Arnstadt irgendwann der Knoten platzen wird. Die erste Mannschaft, die das erwischt, kann dann auch mal gut unter die Räder kommen, weil das alles talentierte Spieler sind, die Fußball spielen können.“

Pokalüberraschung als großes Ziel

Genau diese erste Mannschaft möchte Ilmenau natürlich nicht sein. Stattdessen soll die Germania zeigen, was sie sich in den vergangenen Jahren erarbeitet hat. „Ich hoffe, dass wir dagegenhalten und zeigen können, was wir bisher gelernt haben. Vielleicht können wir noch einmal überraschen. Das ist die große Hoffnung.“ Trotz aller Vorfreude auf das Pokalduell bleibt Giehl bei der Einordnung der Partie realistisch. Die Priorität liegt für den Aufsteiger weiterhin auf dem Ligabetrieb und insbesondere auf dem anschließenden Heimspiel gegen Kahla. „Den Thüringer Pokal nehmen wir gerne mit. Wenn es möglich ist, würden wir natürlich auch gerne noch eine Runde weiterkommen. Aber wir sind realistisch genug und können mit beiden Ausgängen umgehen.“ Ein Fragezeichen steht derweil noch hinter der personellen Besetzung. Zuletzt war die Germania stark gebeutelt, einige Spieler sind weiterhin angeschlagen oder krank. Andere sollen aus dem Urlaub zurückkehren. Erst nach dem Abschlusstraining am Donnerstag dürfte Giehl endgültige Klarheit haben. Unabhängig davon überwiegt die Vorfreude auf das Nachbarschaftsduell. Oder, wie es der Germania-Coach zum Abschluss kurz und knapp formuliert: „Wir freuen uns auf das Derby.“