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Gegen alle Erwartungen - Vor 25 Jahren stieg die SpVgg Unterhaching in die Bundesliga auf

Erster Sieg: Straube machte alles klar

von Thomas Ernstberger · 19.08.2024, 14:50 Uhr · 0 Leser
Oliver Straube während  seiner aktiven im Trikot der SpVgg Unterhaching.
Oliver Straube während seiner aktiven im Trikot der SpVgg Unterhaching. – Foto: SpVgg Unterhaching

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Trotz eines 0:3-Fehlstarts gegen Frankfurt schafften die Hachinger am Ende der Saison die Überraschung und sicherten sich den Klassenerhalt in der Bundesliga.

Für alle „Experten“ stand der erste Absteiger schon vor Beginn der Bundesliga-Saison 1999/2000 fest: Dem „Dorfverein“ aus dem kleinen Unterhaching wurden Nullkommanull Chancen auf den Klassenerhalt zugetraut. Nach dem 0:3-Auftakt in Frankfurt sahen alle Lästerer ihre Vorurteile schon bestätigt. Doch dann kam dieser 20. August 1999, ein Abend, an dem sogar Trainer-Fuchs Friedhelm Funkel das Lachen verging.

Recht viel schlechter kann man als Bundesliga-Neuling nicht in eine Saison starten. Da war zunächst mal die 0:5-Testspielklatsche gegen Piräus, dann die 0:1-Niederlage in der zweiten DFB-Pokalrunde bei Regionalliga-Absteiger SV Babelsberg. Nach der verpatzten Generalprobe lautete die Frage in den Münchner Boulevard-Medien: „Kriegen sie nur die Hucke voll?“ Eine Antwort schien gleich das erste Bundesligaspiel der Vereinsgeschichte zu geben: Am 14. August 1999 gab’s bei Eintracht Frankfurt einen kapitalen 0:3-Fehlstart, Neuzugang Wiggerl Kögl, der neue Hachinger „Hoffnungsträger“, flog zu allem Überfluss nach zwei Fouls auch noch per gelb-roter Karte vom Feld – der einzige Platzverweis in der Karriere des ehemaligen Bayern-Stars. Die Spötter, die die SpVgg vorab schon als die „schlechteste Bundesliga-Mannschaft aller Zeiten“ bezeichnet hatten, sahen sich bestätigt. Und Trainer Lorenz Köstner ärgerte sich: „Jetzt ist genau das passiert, was alle Welt erwartet hat.“ Doch der Coach vertraute seinen Jungs und versprach: „Wir werden den Kritikern das Gegenteil beweisen. Meine Mannschaft ist steigerungsfähig.“ Und das klappte schon im ersten Heimspiel an jenem 20. August, einem Freitag-Abend, an dem die Aufsteiger Geschichte schrieben: Erster Sieg in der Bundesliga, 2:0 gegen den MSV Duisburg!

Altin Rraklli trifft per Elfer zum 1:0

Dem ersten Tor im deutschen Oberhaus, einem Elfmeter von Altin Rraklli nach Foul an Alex Strehmnel (67.), sorgte Neuzugang Oli Straube, der vom Hamburger SV gekommen war, per Abstauber nach einem Schuss von Markus Oberleitner in der 80. Minute mit dem Treffer zum 2:0 für die Entscheidung – sein erstes Bundesliga-Tor im 16. Spiel (zuvor neun für den 1. FC Nürnberg, sechs für den HSV). „Ich kann mich an einige Tore erinnern, zum Beispiel das gegen den HSV, aber an das nicht“, gibt der gebürtige Schwaikheimer (Baden-Württemberg) zu. MSV-Trainer-Routinier Friedheim Funkel, der Straube auch gerne zu den „Zebras“ geholt hätte, musste anerkennen: „Unterhaching hat heute bewiesen, dass die Mannschaft unbedingt bundesliga-tauglich ist. Sie sind in der Lage, zuhause jeden zu schlagen.“ Das belegt auch die Statistik: Saison- und Ligenübergreifend war die SpVgg mit diesem Sieg bereits mehr als ein Jahr im heimischen Sportpark ungeschlagen.

Straube, der den Sieg klar gemacht hatte, kam als Ersatz für den Zweitliga-Kapitän nach Haching: „Ich kannte ihn noch aus Ditzingen. Nach dem Wechsel von Matthias Lust nach Bochum brauchten wir einen Linksfuß“, erinnert sich Köstner. Da passte es, dass Straube nach 57 Spielen für den 1. FC Nürnberg und 49 für Uerdingen beim HSV mit Trainer Frank Pagelsdorf nicht zurecht kam und weg wollte. Haching schlug zu, die Nummer 3 wurde schnell zur festen Größe und mit drei Toren im ersten Jahr sogar einer der besten Torschützen. Nur die SpVgg-Stürmer André Breitenreiter (7), Rraklli (6) und Jochen Seitz (5) trafen öfter. „Keine so schlechte Bilanz für einen Abwehrspieler“, so der zweifache Vater (Gianluca/25 und Leon/15), der nach 91 Einsätzen im rot-blauen Trikot (nach zwei Abstiegen bis hinunter in die Regionalliga) und dann noch den Stationen Jahn Regensburg und TuS Koblenz sowie zwei Kreuzbandrissen seine Profi Karriere 2005 beendete. In den Traditionsmannschaften von Haching und vom HSV sowie beim FC Sternstunden ist er aber immer noch „ab und zu“ am Ball.

Aus dem früheren Fußball-Profi Oliver Straube ist ein erstklassiger Wakeboard-Fahrer geworden
Aus dem früheren Fußball-Profi Oliver Straube ist ein erstklassiger Wakeboard-Fahrer geworden – Foto: Privat/Ernstberger

Straube stieg danach komplett um, wechselte in die Entsorgungsbranche. Erst in Eichstätt, jetzt seit acht Jahren im Büro in Unterschleißheim. Dort ist er bei der Firma BTU Hartmeier (170 Mitarbeiter, größter Baustellenentsorger in Bayern) für das operative Geschäft zuständig: „Ich bin da im Vertrieb tätig und leite den Stoffstrom.“ Das ist die Koordination des ein- und ausgehenden Abfall- und Recycling-Materials. Auch Sohn Gianluca ist bei BTU angestellt.

Und sportlich? Da ist er immer noch aktiv, allerdings in zwei völlig anderen Disziplinen: Bis zu dreimal die Woche steht der ehemalige Fußballer aus Oberhaindlfing (Landkreis Freising) auf dem Golfplatz, will da sein Handicap 9 halten. Schon in den Hachinger Trainingslager-Zeiten zog es ihn in der Fußball-Freizeit regelmäßig auf den Golfplatz. Straube ist zudem begeisterter Wassersportler: Als Wakeboarder und Kitesurfer (Sprünge auf einem Board mit Hilfe eines Lenkdrachens). Stolz erzählt er: „In der Big-Air-Weltrangliste liege ich aktuell auf Platz 421 von 44491.“ 23,70 Meter sprang er mit dem Kiteboard hoch: „Da sprechen wir von einem elfstöckigen Haus“, erklärt er.

Nach seiner Fußball-Laufbahn erfolgreich im Beruf: Oliver Straube in seinem Büro in Unterschleißheim.
Nach seiner Fußball-Laufbahn erfolgreich im Beruf: Oliver Straube in seinem Büro in Unterschleißheim. – Foto: Privat/Ernstberger

Zurück aufs Spielfeld, wo Linksverteidiger Straube schnell zum absoluten Stammspieler avancierte. Der erste Bundesliga-Sieg machte den „Underdogs“ Mut. Obwohl der nächste Gegner schier übermächtig schien: Am 28. August ging’s im Münchner Olympiastadion gegen den FC Bayern. Haching war plötzlich interessant geworden: Sieben TV-Teams, 25 Journalisten und 80 Zuschauer kamen zum Abschlusstraining vor dem ungleichen Derby. 63 000 Zuschauer sahen dann das Spiel, in dem Haching die große Überraschung nur knapp verpasste.

Ich hoffe, dass die Schmähungen jetzt endlich aufhören.

Hachings Torwart Jürgen Wittmann nach dem starken Spiel gegen den FC Bayern.

Durch das Bundesliga-Debüt-Tor von Roque Santa Cruz gewann der Meister 1:0. Aber der Aufsteiger wurde wie ein Sieger gefeiert: „Ein großartiges Spiel der Hachinger“, lobte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld. SpVgg-Keeper Jürgen Wittmann, an diesem Nachmittag Hachings Bester, richtete gleich ein paar deutliche Worte an die Dauer-Kritiker: „Ich hoffe, dass die Schmähungen jetzt endlich aufhören.“ Das passierte dann auch ziemlich schnell. Haching war in der Bundesliga angekommen. Und besiegte anschließend den VfB Stuttgart mit 2:0. „Festung“ Sportpark…