Gebenbach hat einen »scheiß Ruf«
Als Neuzugang gleich Vize-Kapitän: Alexander Moratz von der DJK Gebenbach im Interview...
von Helmut Weigerstorfer · 05.11.2025, 09:00 Uhr · 0 Leser
Alexander Moratz (rechts) ist in Gebenbach gleich mittendrin. – Foto: Florian WürtheleEs klingt wieder einmal deutlich einfacher als es ist. Außenstehende würden vielleicht glauben, der neue Besen Dominic Rühl sei ausschlaggebend, warum bei der DJK Gebenbach - trotz Stadeln-Pleite zuletzt - ein deutlicher Aufwärtstrend auszumachen ist. Alexander Moratz, erst seit Sommer bei den Oberpfälzern und gleich Vize-Kapitän, mit einem genauen Blick in den immer mehr funktionierenden Maschinenraum...
Alex, euer Trainer war nach der Stadeln-Niederlage enttäuscht. Vorne klappte es nicht, und hinten war der Wurm drin. Siehst Du es ähnlich?
Wir spielen auswärts gegen einen starken Aufsteiger, da müssen wir einfach aus der Anzahl an guten Torchancen auf die Anzeigetafel mindestens einen Treffer zaubern. Und hinten ist es ähnlich: Auswärts muss das Ziel sein, die 0 zu halten. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn man dem Gegner zwei Tore schenkt und somit ein Spiel verdient verliert, ohne dass der Gegner viel dafür selber gemacht hat. Für die Niederlage sind wir komplett selber verantwortlich und das ist natürlich ärgerlich.
Sa., 01.11.2025, 14:00 Uhr
Trotz dieser Pleite ist ingesamt ein klarer Aufwärtstrend ausmachbar bei der DJK Gebennach. Warum klappt’s nun - und zu Saisonbeginn nicht?
Der Lauf hat schon unter Markus Kipry mit zwei Siegen angefangen, unter Andy Graml und Johannes Scherm haben wir zwei sehr gute Spiele absolviert, in denen wir gepunktet haben, folglich hat der Dominic Rühl eine Mannschaft übernommen, die nicht am Boden war, sondern schon mit einer breiteren Brust aufgetreten ist. Der neue Trainer hat dann jede Woche an weiteren Stellschrauben gedreht, sodass wir immer mehr Überzeugung und Strukturen in unser Spiel bekommen haben. Ein klarer Unterschied im Vergleich zu Saisonbeginn ist, dass wir weniger Torchancen zu lassen und nicht mehr direkt einem Rückstand hinterherlaufen.
Liegt’s tatsächlich am Mann auf der Bank?
Nein, das wäre zu einfach. Die Mannschaft hat es nicht geschafft, 90 Minuten ihre Qualität auf dem Platz zu bekommen. Es wirkt so, als würden die Mechanismen von Dominic besser greifen. An der Person auf der Bank liegt es auf alle Fälle nicht.
Was macht Dominic Rühl anders/besser als Markus Kipry?
Trainer zu vergleichen, finde ich sehr schwierig, da ich Dominic bereits in Altdorf in der U13 zwei Jahre lang und auch in der U23 von Greuther Fürth schon als Trainer hatte und unter Markus nur zwei Monate trainieren durfte. Ich habe mit Markus sehr gern zusammengearbeitet.
Rühl und Du habt fast die selbe Biographie - Neumarkt, Eichstätt, Fürth. Ihr kennt euch bestens. Welchen Ruf hat der Coach - und wird er diesem gerecht?
Domi ist ein Trainer, der von den Spielern viel verlangt und auch dafür sorgt, dass man jedes Training ans Maximum geht - körperlich und geistig. Den Ruf eines harten Trainers hat er mit Sicherheit, aber indirekt verlangt er nur das, was er auch selber macht: Jedes Training alles zu geben! Es liegt dann an jeden Spielern selber, die Möglichkeiten anzunehmen und sich bestmöglich weiterzuentwickeln. Wenn man beispielsweise auf die letzte Station in Eichstätt schaut, auch in Hinblick auf die aktuelle Regionalliga-Saison, ist in der Zeit einiges richtig gelaufen.
Immer noch etwas ungewohnt: Dominic Rühl (links) als Gebenbach-Trainer. – Foto: Werner Franken
Und welchen Ruf hat die DJK Gebenbach, immerhin zweimaliger Vizemeister, in den vergangenen Jahren?
Aus Sicht aus meiner Zeit in Neumarkt hat Gebenbach einen "scheiß Ruf" - Entschuldigung für das Wort. Das ist aber der Tatsache geschuldet, weil wir nie was gegen Gebenbach gewonnen haben. Ich glaub, generell hat Gebenbach den Ruf eines kleinen familiären Vereins, gegen den man ungern spielt. Und diesen Ruf wollen wir auch behalten.
Ist die DJK - Jahre des Auf und Abs als Ausgangslage - nun Topteam oder Kellerkind?
Weder noch aktuell. Euphorie, Erfolgsserien, genauso Verletzungspech etc. haben dafür gesorgt, dass über die Jahre eine sehr hohe Diskrepanz zwischen den Platzierungen war. Schlussendlich sind wir in Gebenbach eine Mannschaft, die sich keinesfalls verstecken muss. Wir sind besser als unser aktueller Tabellenplatz, aber zu den Spitzenmannschaften gehören wir aktuell definitiv noch nicht.
Du bist im Sommer neu dazugekommen - und gleich mittendrin: Überrascht es Dich, dass Du gleich Leistungsträger und Führungsspieler bist?
Nein. Ich wurde geholt, um die Mannschaft mit zu führen und nichts anderes erwarte ich auch von mir. Die Rolle hat ich auch schon davor in den anderen Verein inne, da ich im meinem ersten Herrenjahr früh durch Verletzungspech von Mitspielern die Chefrolle in der Verteidigung bekommen habe - und schlussendlich nicht drumrum kam, meine Klappe aufzumachen.
Bist Du in der Bayernliga zufrieden - oder ist angesichts Deiner Vergangenheit mehr drin?
Wenn man in der Regionalliga mal gespielt hat, dann will man dorthin zurück, sich gegen die U-Mannschaften messen, Traditionsvereine wie Burghausen oder Unterhaching vor größerer Kulisse ein Bein stellen... Aber es muss halt immer zeitlich in den Alltag reinpassen. Da haben mittlerweile andere Sachen Vorrang...
Der obligatorische Blick in die Zukunft: Erzähl doch mal…
Bis zur Winterpause müssen Punkte her, allerdings stehen ausschließlich 50/50-Spiele an - unter anderem, weil die Plätze teilweise keinen gepflegten Fußball mehr zulassen. Da geht es dann um andere Faktoren im Spiel... Nach der Winterpause werden wir dann richtig Gas geben. Ich freu mich jetzt schon auf die Rückrunde, wenn wir den Gegner das Leben richtig schwer machen werden. Ich bin überzeugt davon, dass wir mit der Truppe am Ende einen einstelligen Tabellenplatz erreichen werden.
Vielen Dank für das Gespräch - und alles Gute für die Zukunft!