2026-05-15T09:36:57.455Z

Allgemeines

Gau-Heppenheim feiert Aufstieg

Was für eine schöne Geschichte: TuS Gau-Heppenheim, das vergangene Saison von RWO Alzey im Regen stehen gelassen wurde, schafft in der C-Klasse den Turnaround

von Claus Rosenberg · Heute, 07:00 Uhr · 0 Leser
Das Alzeyer Fußball-Idol Alexander Kinsvater schickt sich an, die nächste Chance zu erarbeiten. SG-Westhofens Keeper Rainer Steuerwald hat er bereits aus dem Tor gelockt. Links eilt Jan Diehl seinem Torhüter zur Hilfe. 	Foto: Christine Dirigo / pakalski-press
Das Alzeyer Fußball-Idol Alexander Kinsvater schickt sich an, die nächste Chance zu erarbeiten. SG-Westhofens Keeper Rainer Steuerwald hat er bereits aus dem Tor gelockt. Links eilt Jan Diehl seinem Torhüter zur Hilfe. Foto: Christine Dirigo / pakalski-press

Gau-Heppenheim. Für den TuS Gau-Heppenheim hat eine berührende Geschichte ein Happy End gefunden: Der Verein, der infolge der Turbulenzen um RWO Alzey in den vergangenen Jahren unter die Räder zu geraten drohte, hat die fremdgemachte Krise gemeistert und am zurückliegenden Wochenende die Rückkehr in die B-Klasse Alzey-Worms geschafft.

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Bitterer Abstieg mit Geschmäckle

RWO Alzey hatte seinen Verbündeten, beide Klubs bildeten über neun Jahre eine Spielgemeinschaft, in der vergangenen Runde nicht nur mit der Trennung überrascht. Zu allem Überfluss meldete der Wartberg-Klub für diese Saison auch noch eine Zweite Mannschaft, weshalb TuS Gau-Heppenheim aus regulatorischen Gründen aus der B-Klasse in die C-Klasse verdrängt wurde. Das war ein bitterer Abstieg, der auch noch ein Geschmäckle hatte: Es gab die Vermutung, dass RWO Alzey seinerzeit nur deshalb eine zweite Mannschaft in der B-Klasse meldete, um den unliebsamen Ex-Partner in die C-Klasse zu schicken.

TuS Gau-Heppenheim kämpfte wegen dieser Umstände um seine Zukunft. Es wurden neue SG-Partner sondiert – und die Ideen wieder verworfen. So lange, bis die eingeschworene Mannschaft mit vielen älteren Fußballern beschloss: „Wir stemmen das alleine“. Wenigstens die Rückkehr in die B-Klasse sollte vollbracht werden, nahm man sich damals trotzig vor.

„Und wir haben es geschafft“, sagt Torsten Becker heute freudestrahlend. Der Verein, so der Vorsitzende, schaue nunmehr optimistisch in die Zukunft. Die familiäre Identität habe bewahrt werden können. Die Verjüngung des Kaders sei eingeleitet. TuS Gau-Heppenheim, der im zurückliegenden Jahrzehnt nur als Junior-Partner der „großen RWO“ wahrgenommen wurde und am Ende von deren rasanter sportlicher Talfahrt mitgerissen wurde, hat den Schritt zurück in die Selbstständigkeit gepackt.

Fast alle Spieler haben eine Geschichte mit RWO Alzey

Die enge Verbundenheit zum RWO Alzey ist indes bis heute im Kader erkennbar. „In unserer Mannschaft spielte so gut wie keiner, der in früheren Tagen nicht das Trikot von RWO getragen hätte. Jeder von uns hat eine Vergangenheit bei den Alzeyern“, reflektiert Vllaznim Dautaj, der vor Jahren die Alzeyer noch in die Verbandsliga geschossen hatte. Fußballer wie er, wie der ehemalige Torschützenkönig Alexander Kinsvater, wie Ronny Schell, wie Marvin Commodore, wie Ardijan Dautaj wollten in ihren sehr reifen Fußball-Tage gemeinsam kicken. Aus Spaß an der Freude, aus Kameradschaft, aus Freundschaft – das ist der Geist, den sie zuletzt bei RWO Alzey nicht mehr leben konnten und weshalb sie nach der Auflösung der SG beim TuS Gau-Heppenheim blieben (oder auch kamen).

Wegen ihrer fußballerischen Qualität war die Mannschaft trotz ihres hohen Altersdurchschnitts (> 30) in der C-Klasse dominant. Aber, das betont Spielertrainer Marcel Beckmann: „Diese Mannschaft hat unheimlich Lust auf Fußball. Lust, auf diesem Platz und vor dieser Kulisse Fußball zu spielen. Im Training hatten wir nie unter der 30 Leuten – das war das Entscheidende“, so der langjährige Coach.

Ein paar eindrucksvolle Zahlen dazu: Mit 86 Treffern stellte der Meister die herausragende Offensive. Auf der anderen Seite kassierte er in den bisher 18 Saisonspielen bloß 15 Gegentreffer. Erfolgreichste Torjäger sind Ardijan Dautaj (30) und Bruder Vllaznim Dautaj (12), die beide in den Top drei der Torjägerliste rangieren. Dazwischen liegt nur Fabian Rudi vom TuS Framersheim (14). Das Alzeyer Fußball-Idol Alexander Kinsvater bringt es auf acht Treffer. Allerdings musste er zwischendurch auch einige Monate pausieren.

Kommende Runde kommt es zum brisanten direkten Duell

Auch wenn in Gau-Heppenheim keiner offen drüber spricht: Der Stachel RWO Alzey sitzt tief. Dass es in der kommenden Runde in der B-Klasse zum brisanten Vergleich der ehemals gut befreundeten Vereine kommt, ist sicher. Wahrscheinlich sogar zwischen den ersten Mannschaften. RWO wird in dieser Saison den dritten Abstieg in Folge kaum mehr vermeiden können. Dadurch wird deren Zweite in die C-Klasse gedrängt – sie ereilt also das gleiche Schickal, das TuS Gau-Heppenheim in der zurückliegenden Runde verkraften musste.

Doch daran denkt beim Meister gegenwärtig keiner. Stattdessen richtet sich der Blick auf die Abschlussfeier in einer Woche, die aus Anlass des Titelgewinns nach dem Heimspiel gegen die SG Nieder-Wiesen / Rheinhessische Schweiz II groß ausfallen wird. Denn, das sagt Torsten Becker, mache Klub, Fans und Spieler ebenfalls aus: Das intakte Vereinsleben, an dem alle inklusive der Familien ihre Freude haben.