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Ligabericht

»Gallisches Dorf« Schaibing: Selbst dem Torverhältnis zum Trotz

Abstiegsrelegant Schaibing ist nun Spitzenreiter der Kreisklasse Passau. Irgendwie unnormal, aber doch wieder normal...

von Helmut Weigerstorfer · 10.10.2024, 09:30 Uhr · 0 Leser
Ein Bild für die Geschichtsbücher: Schaibing auf Rang 1 - mit negativem Torverhältnis.
Ein Bild für die Geschichtsbücher: Schaibing auf Rang 1 - mit negativem Torverhältnis. – Foto: Screenshot: Helmut Weigerstorf

Ein Neuaufgang nach einer einjährigen Auszeit vom Spielbetrieb? Kein Problem! Kreisklassen-Aufstieg über die Relegation? Wenn's sonst nichts ist! Zweimaliger Klassenerhalt nach einer Saisonverlängerung? Sowieso! Mit Spielertrainer Michael Kordick den prägenden Mann der vergangenen Jahre ersetzen? Gibt nichts Leichteres! Kreisklassen-Spitzenreiter mit negativem Torverhältnis? Geht sehr wohl! Normal ist bei der DJK Schaibing offensichtlich unnormal, was vorangegangene Beispiele beweisen. In diese Aneinanderreihung würde nun, man darf sich ja etwas aus dem Fenster lehnen kurz vor dem Ende der Hinrunde, die Kreisliga die logische Fortsetzung sein...

Halt! So einfach ist es dann doch wieder nicht. Simon Lemke, Sportlicher Leiter des Teams aus dem Landkreis Passau, drückt aber mal komplett auf die Euphoriebremse. "Das ist eine Momentaufnahme", bedingt sich der 39-Jährige in Anbetracht der Tabellenführung an einer beliebten Phrase. "Wir denken nicht in einer Sekunde an den Aufstieg. Vordergründig geht es einfach nur darum, den Klassenerhalt zu schaffen. Und bitte, bitte heuer mal keine Relegation." Denn nach drei Saisonverlängerungen in Serie kommen viele Spieler auf dem berühmt-berüchtigten Zahnfleisch daher. Und trotzdem steht man auf Rang 1 – normal wäre ja langweilig.

Und ein genauerer Blick auf die jeweiligen Widerstände und deren Überwindung macht auch vieles deutlicher. Ja, stellt Lemke mit Abstand fest: Der Neuanfang, nachdem die DJK 2016/17 keine Mannschaft stellen konnte, sei ein Schuss ins Blaue gewesen – der gut ging. Ein Rädchen griff wie selbstverständlich ins andere. Der Kreisklassen-Aufstieg 2022 die Bestätigung der guten Arbeit zuvor, die dazugehörige Relegation irgendwie überflüssig. Die zwei Rettungen in den Folgejahren seien Drahtseilakte gewesen, die nur unter Aufwand aller zur Verfügung stehenden psychischen und körperlichen Kräfte gemeistert werden konnten.

Eng verbunden mit all diesen Meilensteinen war der Name Michael Kordick. "Er ist der Mann, ohne den wir das alles nie geschafft hätten", arbeitet Simon Lemke heraus. Im vergangenen Sommer wurde das Unvorstellbare dann aber Realität: Der 37-jährige Spielertrainer verabschiedete sich aus freien Stücken nach sieben Jahren. "Es spricht für ihn, dass er das sehr früh gesagt hat und auch, dass er sah, dass die Mannschaft einen neuen Impuls gebraucht hat." Im Nachhinein das richtige Gefühl. Denn unter dem Trainerduo Mario Breu/Matthias Hieke haben Gell, Pohl & Co. tatsächlich den nächsten Schritt gemacht. Der Beweis: Das aktuelle Tabellenbild der Kreisklasse Passau.

Der "neue" Michael Kordick ist Mario Breu. Nur ist der 35-Jährige im Vergleich zu seinem Vorgänger reiner Linientrainer.
Der "neue" Michael Kordick ist Mario Breu. Nur ist der 35-Jährige im Vergleich zu seinem Vorgänger reiner Linientrainer. – Foto: Robert Geisler

Dass es ohne ihn weitergehen wird in Schaibing, stand nicht nur für Michael Kordick außer Frage. Der Verein ist schließlich größer als ein Einzelner. Und dass es noch besser läuft, ist für den 37-Jährigen auch wenig überraschend. "Die DJK ist einfach top aufgestellt – auf und neben dem Platz. Das ist zudem ein eingeschworener Haufen, der komplett zusammenhält", weiß der Mittelstürmer, der inzwischen für die DJK Karlsbach aktiv ist. Und angesichts der vielen Widerstände, denen immer wieder getrotzt wird, spannt er einen Bogen zu Asterix & Co, die sich mit Nachdruck gegen übermächtige Römer wehren: "Schaibing – ein gallisches Dorf eben."

Und ja, dann sind wir schon beim vielzitierten Spitzenreiter mit negativem Torverhältnis. "Ich kann diese Geschichte langsam aber sicher nicht mehr hören", sagt Simon Lemke dazu – und schmunzelt. "Es ist halt einfach nun mal so, dass wir zwei Spiele richtig vergeigt und den Rest nur knapp gewonnen haben." Und auch hier bedarf es einer genaueren Erklärung. Oft hatte, das gibt der Sportliche Leiter zu, die DJK das nötige Glück. Viele Siege wurden erst in der Schlussphase nach Rückständen eingetütet. Eine Qualität - siehe Bayer Leverkusen in der vergangenen Bundesliga-Saison.

Auch die Truppe von Xabi Alonso machte das Unnormale normal, was bei genauerer Betrachtung gar nicht so außergewöhnlich war. So wie bei der DJK Schaibing. Wobei im Amateurfußball noch einmal andere Maßstäbe gelten als bei den Profis. Und Tabellenführer mit einem negativen Torverhältnis ist sowieso nicht jeder...