2024-07-17T10:40:36.325Z

Allgemeines
Plötzlich ist er ein Held in Angola: Turniersieger Muteba vom TSV 1860.
Plötzlich ist er ein Held in Angola: Turniersieger Muteba vom TSV 1860. – Foto: Privat

„Gänsehaut am ganzen Körper“: Muteba erlebt großes Afrika-Märchen

Unter den Augen von 1860-Sportchef Werner

Vom Junglöwen zum Regionalmeister mit Angola: Eliot Muteba vom TSV 1860 München holt mit Angola den COSAFA-Cup, einem Turnier im Süden Afrikas.

München – Training, Testspiele, Teambuilding. So lässt sie sich grob skizzieren, die Windischgarsten-Woche des TSV 1860. Ein Löwe erlebt seit dem Vorbereitungsstart ein Kontrastprogramm: Afrika-Abenteurer Eliot Muteba (21).

Kam vom 1. FC Nürnberg zum TSV 1860 – Eliot Muteba und Angola triumphieren

Seine Erlebnisse seit Ende Juni wird der gebürtige Niederbayer so schnell nicht vergessen: Debüt im Nationalteam von Angola, mit dem er auf Anhieb eine Regionalmeisterschaft gewann. Volle Stadien, Vuvuzela-Stimmung und ein Adrenalinbad beim Empfang in der Hauptstadt Luanda. Eindrücke, die auch noch nachwirken werden, wenn Muteba am Mittwoch das erste Training mit seinen alten und neuen 1860-Kollegen bestreitet.

Als Regionalliga-Talent von Nürnberg II stieß Muteba im Januar zu den Löwen. Jetzt hat er seine ersten beiden Länderspiele bestritten, ist stolzer Nationalspieler des Heimatlandes seiner Eltern. Im Finale des COSAFA-Cups, der Meisterschaft des südlichen Afrikas, half er mit, das vom Ex-Löwen Collin Benjamin trainierte Namibia vom Platz zu fegen (5:0). Ein Märchen, wenn man bedenkt, dass der Jungspund Ende 2023 noch gegen Schalding-Heining und Vilzing um Regionalliga-Punkte gekämpft hat.

„Für mich ist es etwas Außergewöhnliches, für mein Heimatland zu spielen.“

Eliot Muteba, Spieler des TSV 1860, über die Nationalmannschaftsspiele für Angola.

Muteba kam am Sonntag zwar erst in der 75. Minute ins Spiel, dafür ist das Lächeln auf einem Foto, das ihn mit dem riesigen Siegerpokal zeigt, umso breiter. „Wie ein Traum“ käme ihm das Erlebte vor, teilte er mit: „Für mich ist es etwas Außergewöhnliches, für mein Heimatland zu spielen.“ Im Vorrundenspiel gegen die Seychellen (3:2), als er erstmals eingewechselt wurde, habe er „Gänsehaut am ganzen Körper“ gehabt. Auch seine Eltern in Pfarrkirchen, ihrer neuen Heimat seit der Flucht, seien „wahnsinnig stolz auf mich!“

Wer hätte diese Entwicklung schließlich vorausgeahnt? Aus dem Januar-Transferquartett des neuen Sportchefs Christian Werner stach Muteba am wenigsten heraus. Max Reinthaler (zuvor Wiesbaden), Abdenego Nankishi (Bremen) und Serhat-Semih Güler (Rostock) hatten alle schon Erfahrungen in höheren Ligen gesammelt, Club-Talent Muteba kam als Versprechen für die Zukunft. Dass er es eilig hat, hätte man allerdings ahnen können, denn es gibt kaum einen anderen Profi im Kader der Löwen, der so flott auf dem Spielfeld unterwegs ist – in der Spitze laut einer Tempomessung mit 34,5 km/h.

Für 1860 lief Eliot Muteba sechsmal in der 3. Liga auf.
Für 1860 lief Eliot Muteba sechsmal in der 3. Liga auf. – Foto: IMAGO/Eibner-Pressefoto/Heike Feiner

„Schon die Stimmung im Stadion war elektrisierend. Solche Erlebnisse sind etwas ganz Besonderes für die Entwicklung eines jungen Spielers.“

Christian Werner, Sportchef beim TSV 1860, über Eliot Muteba.

Auch der 1860-Sportchef klang am Montag schwer angetan, als ihn unsere Zeitung zum märchenhaften Aufstieg seiner Entdeckung befragte. „Ich habe mir das Finale in Gänze angeschaut“, berichtete Werner: „Schon die Stimmung im Stadion war elektrisierend. Solche Erlebnisse sind etwas ganz Besonderes für die Entwicklung eines jungen Spielers. Ich bin mir sicher, das wird ihm unfassbar guttun.“

Womöglich beschleunigt Mutebas Aufstieg zum Nationalspieler nun auch dessen Entwicklung im Verein. Bei den Löwen war Muteba bisher als pfeilschneller Außenbahn-Joker gefragt, laut Werner könnte er aber auch vorne neben einem der drei Mittelstürmer spielen – „auf der Neun ist er auch in seinem letzten Halbjahr in Nürnberg die meiste Zeit eingesetzt worden“.

Es geht gegen den Ex-Club: TSV 1860 fordert 1. FC Nürnberg

Apropos Nürnberg: Das nächste Highlight wartet bereits am Samstag auf den frisch gebackenen Südafrikameister. 1860 tritt in Roth bei Mutebas Ex-Club an (15.30 Uhr) – und es ist kaum zu erwarten, dass der einzige Nationalspieler des Kaders dann in München bleiben muss. (Uli Kellner)

Aufrufe: 09.7.2024, 07:30 Uhr
Uli KellnerAutor