Gewitter sind in Nieder-Wiesen ein sensibles Thema, nachdem vor drei Jahren ein Spieler der SG von einem Blitz tödlich getroffen wurde.
Gewitter sind in Nieder-Wiesen ein sensibles Thema, nachdem vor drei Jahren ein Spieler der SG von einem Blitz tödlich getroffen wurde. – Foto: Fotolia

Nieder-Wiesen: Kurioser Spielabbruch

Ein Blitz während der Kreispokal-Partie in Nieder-Wiesen sorgt nachträglich für Aufregung

Nieder-Wiesen. Ein Blitz führte in Nieder-Wiesen indirekt zum Abbruch des Fußball-Kreispokalspiels zwischen der SG Nieder-Wiesen/Oberwiesen/Erbes-Büdesheim II und dem FV Flonheim. Drei Minuten vor Schluss ging er nach Worten von SG-Vorsitzenden Heiko Walther nieder, woraufhin die Nieder-Wieser geschlossen ins Vereinsheim flüchteten. Dort verständigten sich die Parteien angeblich darauf, dass man das Spiel, es stand 5:3 für die Adelberger, nicht mehr anzupfeifen brauche. Dass der Schiedsrichter, Wolfgang Gethöfer, es später als Spielabbruch deutete und entsprechend in die elektronischen Ergebnislisten eingab, überraschte, ja ärgerte, in Nieder-Wiesen erheblich.

Bei Gewitter reagieren die SG Nieder-Wieser Fußballer höchst sensibel. Sie waren vor drei Jahren am Unglück von Spiesheim beteiligt, als einer ihrer Mannschaftsgefährten, vom Blitz getroffen, verstarb. Am Sonntag ergab sich eine ähnliche Situation. Kaum war der Blitz niedergegangen, warnte Sascha Switalski, woraufhin sich die SG-Spieler unverzüglich auf den Weg zur Kabine machten. „Das ist bei uns jetzt so drin“, sagt Heiko Walther. Die Eindrücke von damals hätten sich tief im Vereinsleben eingeprägt, auch wenn am Sonntag nur wenige Spieler auf dem Platz standen, die die Tragödie von Spiesheim persönlich miterlebt hatten.

Schiedsrichter und Flonheimer Spieler folgten. Danach habe es, so Walther weiter, ein Gespräch mit dem Schiedsrichter gegeben, in dem sich die Mannschaftsverantwortlichen dafür aussprachen, dass das Spiel beendet ist. Auf Seiten der Nieder-Wieser war es Trainer Sascha Switalski, auf Seiten der Flonheimer Guido Daniel. Darüber hinaus habe die SG Nieder-Wiesen mehrfach versichert, dass sie gegen diese Entscheidung keine Rechtsmittel einlegen werde. „Es war doch klar, dass wir in diesen verbleibenden drei Minuten keine zwei Tore mehr einholen würden“, sagt Heiko Walther. Und dass die Flonheimer wegen des vorzeitigen Endes Protest einlegen, war in Anbetracht ihrer 5:3-Führung auch eher unwahrscheinlich.

Wolfgang Gethöfer indes sprach auf Nachfrage dieser Zeitung von sechs Minuten, die noch zu kicken gewesen wären, als er das Spiel unterbrach. Nach einer kurzen Pause, während der sich die Wetterlage beruhigte, habe er das Spiel fortsetzen wollen, ja müssen: „Da standen am Rand so viel Fußball-Experten und Zuschauer. Hätte ich das Spiel vorzeitig beendet, sie hätten darüber gesprochen“. Ob der Regelverstoß nun angezeigt worden wäre oder nicht: Er konnte und wollte sich einem solchen Vorwurf nicht aussetzen, weshalb er die Mannschaften zurück auf den Platz bat. Die SG Nieder-Wiesen habe dies nicht gewollt, der FV Flonheim sich den Zwängen gebeugt. Daraufhin habe er das Spiel abbrechen müssen.

Sicher habe er, Wolfgang Gethöfer, Verständnis für die Empfindlichkeit der Nieder-Wieser bei aufziehendem Gewitter. Die Reaktion der SG zu bewerten, obliege jedoch nicht ihm als Referee, sondern dem Pokalspielleiter, erklärte er.

Pokalspielleiter Ralf Müller muss die Stellungnahmen, die er nun von allen Beteiligten abgefordert hat, an die Gebietsspruchkammer weiterleiten, wo ein Urteil gefällt wird. „So ist das Verfahren“, erläutert der Alzeyer. Die Nieder-Wieser müssen nun mit einer Geldstrafe rechnen.



Aufrufe: 010.8.2021, 15:00 Uhr
Claus RosenbergAutor

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