– Foto: Rocco Bartsch

Die Zeichen stehen auf Abbruch

Bereits im Vorfeld der Videokonferenz am heutigen Donnerstagabend, an der neben Präsidiumsmitgliedern des Fußball-Regionalverbands Südwest die Vertreter der 24 Oberligavereine (aus den beiden Staffeln Nord und Süd) teilnehmen, scheinen die Fronten geklärt zu sein: Die große Mehrheit der Clubs ist für einen Abbruch der seit Ende Oktober coronabedingt ausgesetzten Saison 2020/21.

Das ist das Ergebnis einer internen virtuellen Vereinsbesprechung. Im Vorfeld hatte Christian Rauen, der Vorsitzende des FSV Salmrohr, die Meinungsbildung mit einem Rundbrief an die Vereinsverantwortlichen und die Verbandsoffiziellen forciert. Darin betont Rauen, dass der Termindruck für die überwiegend aus reinen Amateuren bestehenden Mannschaften einfach zu hoch sei: Nach aktuellem Stand kann frühestens Mitte April wieder um Punkte gekämpft werden – und müsste die Runde wegen dann anstehender Aufstiegsspiele zur Regionalliga bereits zwei Monate später, am 12./13. Juni, abgeschlossen sein.

Oberliga-Spielleiter Bernd Schneider will mit den Clubverantwortlichen heute verschiedene Modelle besprechen, wie die Saison zu Ende gebracht werden könnte. Eine aktuell von ihm favorisierte Variante ist jene, die Halbserie der angebrochenen Runde fertigzuspielen und dann die jeweils sechs oberen und unteren Teams beider Staffeln um Auf- und gegen Abstieg antreten zu lassen. Dabei würden aber nur noch Partien gegen die Mannschaften aus der jeweils anderen Staffel ausgetragen.

Eintracht Trier hätte so insgesamt neun Partien, Salmrohr eine Partie weniger auszutragen. Rechnet man die Begegnungen im Rheinlandpokal hinzu – aktuell ist noch nicht einmal die zweite Runde komplett ausgetragen – würden zahlreiche Englische Wochen auf die Oberligisten zukommen.

„Selbst ohne Corona ist es unseren Amateurspielern, die alle zur Schule, zur Arbeit gehen oder ein Studium absolvieren, eigentlich nicht zuzumuten, im Drei- beziehungsweise Vier-Tages-Rhythmus Pflichtspiele auszutragen, zumal die Vorbereitungszeit viel zu knapp bemessen ist und aktuell, also Mitte März, noch kein richtiges Mannschaftstraining erlaubt ist“, betont Rauen. Was aber ohne Corona und mit Zuschauern schon kaum zumutbar wäre, gehe erst recht nicht in Zeiten der Pandemie ohne Zuschauer: „Die Oberligen liegen im Zuständigkeitsbereich von zwei Bundesländern, die wiederum Grenzen an Frankreich, Luxemburg und Belgien haben. Die 24 Vereine wiederum liegen im Zuständigkeitsbereich von rund 20 eigenständigen Gesundheitsämtern“, schildert Rauen die komplexe Situation.

Wie schnell der enge Spielplan über den Haufen geschmissen würde, versucht er deutlich zu machen: „Wenn sich von den 24 Mannschaften auch nur ein einziger Spieler, Betreuer oder Trainer infiziert und das örtliche Gesundheitsamt eine vierzehntägige Quarantäne für die Mannschaft anordnet, sind die Terminnöte fast nicht mehr in den Griff zu kriegen.“

Rauen sagt im Gespräch mit dem TV, er würde „einen Teufel tun, ohne Zuschauer zu spielen. Für uns ist Fußball doch kein Selbstzweck. Dann treten wir lieber nicht an, und sie sollen uns dann lieber auf den letzten Platz setzen“.

Bei Nordgruppen-Spitzenreiter Eintracht Trier und auch beim Ersten der Südstaffel, Wormatia Worms, würden sie trotz aller Terminängste nur allzu gerne spielen. Bei den Ex-Zweitligisten herrschen im Gegensatz zu den meisten anderen Vereinen noch semiprofessionelle Strukturen; der Wiederaufstieg in die Regionalliga würde auch den Ansprüchen von Fans und Sponsoren gerechter werden.

Das überdeutliche Plus der Abbruch-Befürworter haben sie auch beim SVE registriert. „Wenn es denn dazu käme, sind aber noch einige Punkte zu klären, allen voran die Aufstiegsfrage“, sagt Geschäftsstellenleiter Björn Berens, der gemeinsam mit Vorstandssprecher Alfons Jochem an der Konferenz am Dienstag teilgenommen hat.

Klar ist auch für die Trierer: Wird in der Oberliga vor Beginn der neuen Saison nicht mehr gespielt, sollen auch die Rheinlandpokalspiele in die zweite Jahreshälfte verschoben werden. „Anders wäre es ein totaler Kaltstart, und eine Mannschaft wie Rot-Weiß Koblenz, die seit Wochen in der Regionalliga wieder im Spielbetrieb ist, hätte einen klaren Vorteil“, sagt Rauen. Berens ergänzt aus Trierer Sicht: „Ganz oder gar nicht. Wir lehnen es ab, nur noch den Pokal auszuspielen.“

Der bundesweite Finaltag der Amateure am 29. Mai mit Live-Konferenzen der Landespokalendspiele in der ARD sei aber gesetzt, betonte Walter Desch, Präsident des Fußballverbandes Rheinland in jüngster Vergangenheit mit dem Hinweis auf Sponsoren- und Fernsehverträge schon mehrfach. „Starrsinn“ wirft ihm Salmrohrs Vorsitzender vor. „In der vergangenen Saison war es doch auch möglich, die Endspiele um einige Wochen zu verschieben.“

Eifrig diskutiert werden dürfte heute noch einmal mit den Funktionären des Regionalverbands. Eine definitive Entscheidung dürfte indes noch nicht fallen. „Weitere Schritte müssten wir danach im Präsidium beraten“, lässt Spielleiter Schneider durchblicken.

Angesichts der Abhängigkeit auch des Trainings- und Spielbetriebs im Fußball von Inzidenzzahlen weiß er, dass „uns die Politik mit ihren Vorgaben unsere Entscheidung vielleicht auch vorwegnimmt“.

Aufrufe: 10.3.2021, 09:50 Uhr
Andreas ArensAutor

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