2024-02-23T08:22:50.674Z

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Fussballstipendium in den USA - "Das Beste aus zwei Welten"

Franco Varga vermittelt junge Fussballtalente an US-Colleges

Fussball und Studium kombinieren? Nirgendwo geht das einfacher als in den USA. Der frühere GC-Junior Franco Varga weiss das aus eigener Erfahrung; vier Jahre lang hat er dank Fussballstipendium in Amerika studiert. Heute ebnet der Urdorfer mit seiner Agentur Collegiate Soccer Recruitment Service jungen Fussballtalenten den Weg ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Es klingt fast zu gut, um wahr zu sein: täglich unter professionellen Bedingungen trainieren und Fussball spielen und gleichzeitig ein Bachelor- oder sogar Master-Studium absolvieren, zusätzlich sein Englisch verbessern, Auslanderfahrungen sammeln und ein Abenteuer fernab der Heimat erleben. "Eine Win-win-win-win-win-Situation", nennt das Franco Varga.

"Das Beste aus beiden Welten"

Und er stellt klar: "In der Schweiz würde das nicht gehen. Hier wird es schon ab der 2. Liga inter mühsam, Fussball und Studium unter einen Hut zu bringen. In der 1. Liga - gerade wenn Reisen zu Spielen ins Tessin anfallen - wird es dann richtig schwierig." Anders in den USA: "Mit einem Fussballstipendium an einem amerikanischen College kann man das Beste aus beiden Welten vereinen, seine fussballerische Entwicklung vorantreiben und sich gleichzeitig an einer angesehenen Uni das Rüstzeug für die berufliche Laufbahn neben oder nach dem Sport holen."

Wenn es einer weiss, dann er. Denn genau diesen Weg ist Varga auch gegangen. Der heute 32-Jährige hat vier Jahre lang an der Auburn University at Montgomery im Bundesstaat Alabama sowie am Menlo College in Kalifornien International Management studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen. Doch bevor er diesen amerikanischen Traum leben konnte, musste ein anderer Traum platzen - jener von einer Profikarriere als Fussballer.

Diesem Traum hatte Varga viel untergeordnet. Nach Anfängen beim FC Urdorf konnte er sich über viele Jahre im GC-Nachwuchs behaupten - von den E-Junioren bis zur U15. Später spielte er unter anderem im Team Aargau, bei Red Star und in der U21 des FC Winterthur, bevor er seinen Traum vom Profifussball mit Anfang 20 aufgab.

"Das Maximum aus dem Fussball herausholen"

Nun brauchte er ein neues Ziel. "Bis dahin hatte ich praktisch meine ganzes Leben nur dem Fussball gewidmet, diese Zeit sollte nicht umsonst gewesen sein", sagt Varga rückblickend. "Ich wollte nach wie vor das Maximum aus dem Fussball herausholen." Er fasste den Entschluss, sich für ein Fussballstipendium in den USA zu bewerben. Wenn sein Fussballtalent ihm nicht die Tür in den Profisport öffnen konnte, so wenigstens die Tür zu einer Top-Ausbildung in Amerika.

Es war ein Sprung ins kalte Wasser - als 21-Jähriger erstmals für eine lange Zeit weit weg von daheim und mit wenig Englischkenntnissen. Doch nach zwei Monaten sei er "drin" gewesen. "Danach war es das Abenteuer meines Lebens", schwärmt der Urdorfer.

"Diese Zeit hat mich extrem geprägt"

Nicht nur fussballerisch waren es vier sehr erfolgreiche Jahre - mit der Auburn University gewann er die Meisterschaft in Alabama, mit dem Menlo College den kalifornischen Titel -, sondern auch in persönlicher und in beruflicher Hinsicht. "Diese Zeit hat mich extrem geprägt. Du triffst Menschen aus so vielen Nationen, lernst so viele verschiedene Kulturen kennen." In den USA fand Varga seine Berufung. "Ich bin ein Mensch, der gerne hilft. Mir war schon länger klar, dass ich etwas in Richtung Beratung machen wollte."

Dass es gleich eine eigene Agentur werden würde, die jungen Fussballern und Fussballerinnen den Sprung an amerikanische Universitäten ermöglicht, war ihm damals noch nicht klar. Eher zufällig organisierte er während seiner College-Zeit den Transfer eines damaligen Mannschaftskollegen von Alabama nach Florida, als dessen Agentur ihm nicht beim Wechsel helfen wollte. Später transferierte er einen Italiener, der sein Stipendium in Florida verloren hatte, nach Ohio und ermöglichte ihm so den Master-Abschluss. Er fand Gefallen an dieser Tätigkeit, nahm weitere Vermittlungsaufträge an und gründete schliesslich seine Agentur Collegiate Soccer Recruitment Service (CSRS).

In seinen Anfängen verhalf er mit CSRS Schweizer Spielern und Spielerinnen zu erfolgreichen Transfers innerhalb der USA, etwa dem früheren FCB-Junior und Nachwuchs-Internationalen Michael Weber (inzwischen zurück in der Schweiz und für den FC Baden im Einsatz), dem Ex-Luzerner Omar Thali sowie der ehemaligen Thunerin Rani Müller. Auch Kaylin Swart, die heute das Tor des südafrikanischen Nationalteams hütet, unterstützte er beim College-Wechsel.

Seither hat Varga mit seiner Agentur zahlreiche junge Schweizer Talente erfolgreich nach Amerika vermittelt, unter anderem Dennis Vanin (ex FCSG und Juniorennationalspieler), Dario Salzer (ex Frauenfeld und Wil), Levin Ledergerber (ex FCSG), Lukas Aeberli (ex FCZ und Juniorennationalspieler), Diego Vargas (ex Winterthur und Wil) und Viviana Corbisiero (ex GC und Winterthur).

Kennenlerngespräch ist kostenlos und unverbindlich

Man spürt das Herzblut in Vargas Worten, wenn er sagt: "Ich durfte etwas mega Geniales erleben. Das möchte ich weitergeben." Gleichzeitig relativiert er: "Nicht jede und jeder ist dafür gemacht." Deshalb legt er mit seiner Agentur grossen Wert auf eine sorgfältige Rektrutierung und Abwägung, ob ein Fussballstipendium für einen Spieler oder eine Spielerin wirklich der richtige Weg ist. Bei jungen Spieler:innen werden auch die Eltern stark in den Prozess miteinbezogen, der idealerweise ein bis zwei Jahre vor dem gewünschten Studienbeginn initiiert wird. Ein erstes Kennenlerngespräch ist kostenlos und unverbindlich.

Der Erfolg gibt Varga Recht: CSRS hat eine Vermittlungsquote von 100 Prozent, jedem Fussballer und jeder Fussballerin konnten Varga und sein Team bisher ein Stipendium nach seinen oder ihren Wünschen besorgen. Nach dem Evaluieren der verschiedenen Möglichkeiten und der Festlegung einer Strategie repräsentiert die Agentur den Spieler oder die Spielerin auf dem College-Markt in den USA und Kanada - mit professionell gedrehten Highlight-Videos und persönlichen Gesprächen mit den Coaches. Die daraufhin eingehenden Offerten der verschiedenen Unis bespricht Varga mit den Spieler:innen eingehend und wägt Pros und Contras ab.

Ist eine Universität gefunden und ein Stipendium gesichert, hilft CSRS bei allen Formalitäten rund um die Uni-Anmeldung, die Spielberechtigung und den Visumantrag. Auch danach bleibt die Agentur eine wichtige Ansprechpartnerin für die Spieler:innen. "Wir lassen sie nach der Vermittlung nicht alleine, sondern betreuen und beraten sie weiter." Varga ist regelmässig in den USA und besucht "seine" Spieler:innen. Mit der Zeit sei eine richtige CSRS-Community entstanden, die sich auch schon in der Schweiz zu Plauschmatches gegen Urdorf und Dübendorf getroffen habe.

Doch für wen eignet sich ein Fussballstipendium an einem US-College überhaupt? "In erster Linie für talentierte Fussballer und Fussballerinnen aus dem Amateur- oder Nachwuchsbereich im Alter zwischen etwa 18 und 24 Jahre, die nicht nur auf die Karte Fussball setzen wollen, sondern denen auch die schulische Bildung wichtig ist", sagt Varga. "Die Spielstärke der verschiedenen College-Ligen reicht von Schweizer Drittliga- bis zu sehr gutem Erstliga-Niveau."

Mit Fussballtalent die Ausbildung finanzieren

Nebst dem fussballerischen Talent muss vor allem Wille, Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen vorhanden sein. "Man muss bereit sein, gleichermassen hart zu trainieren als auch fleissig zu lernen", so Varga. Die Schule habe oberste Priorität. "Darauf baut man seine Zukunft auf. Der Fussball dient vor allem dazu, die Ausbildung zu finanzieren."

Für viele Spieler sei das Fussballstipendium eine Art Plan B, wenn die Chancen auf eine Profikarriere schwinden. "Wenn ein Spieler möglichst professionell trainieren und gleichzeitig in seine schulische Laufbahn investieren will, dann ist er bei uns an der richtigen Adresse." Der Uni-Sport gilt als Vorstufe zum Profisport und Varga hat auch Kontakte in die Major League Soccer, die höchste amerikanische Liga. Besonders talentierte Spieler können zu Sichtungstrainings eingeladen werden, jährlich finden MLS Drafts statt. Diesen Weg gemeistert hat beispielsweise Giuseppe Gentile, der während seiner College-Zeit für die MLS gedraftet wurde. Nach mehreren Jahren als Profi in den USA ist er inzwischen zurück in der Schweiz und spielt beim USV Eschen/Mauren.

Varga stellt klar: "Ich sage den Spielern immer: 'Wenn du Profi werden willst, dann bleib in der Schweiz.' Denn Profi zu werden, ist in den USA nicht einfacher als hier." Etwas anders sei die Situation im Frauenfussball, der in den USA einen höheren Stellenwert besitzt als sein männliches Pendant. "Für eine Spielerin kann ein Fussballstipendium in den USA eine sehr gute Möglichkeit sein, sich weiterzuentwickeln und ihre Fussballkarriere voranzubringen. Das Niveau ist sehr hoch, die sportliche Infrastruktur hervorragend."

Am besten gleich nach der Matura oder dem Lehrabschluss starten

Die akademischen Voraussetzungen können je nach College oder Universität unterschiedlich sein. Grundanforderung sind 12 Jahre Schulausbildung (z.B. Matura, BMS, EFZ etc.). Idealerweise wird das Stipendium direkt nach der Matura oder dem Lehrabschluss in Angriff genommen. Über speziell gute Englischkenntnisse muss man nicht verfügen.

In der Wahl des Studienfachs ist man ebenfalls relativ frei. "Viele interessieren sich für der Bereich Wirtschaft", sagt Varga, "aber grundsätzlich kann man in den USA von A bis Z alles studieren." Auch ein einzelnes Austauschjahr ist möglich. "Die allermeisten finden es dann aber so cool, dass sie länger bleiben." Das Studium dauert bis zum Bachelor-Abschluss in der Regel vier Jahre.

Ein Vollstipendium deckt alle Studienkosten

Bleibt die Frage, wie sich die Spieler:innen ihr Leben in den USA finanzieren. Das Stipendium wird je nachdem voll oder zu grossen Teilen von der Uni übernommen - abhängig von der Spielstärke und der schulischen Qualifikation des Bewerbers oder der Bewerberin. Mit einem Vollstipendium können sämtliche Studienkosten (Studiengebühren, Wohnen, Essen, Versicherung und Bücher) abgedeckt werden.

Der durchschnittlich von CSRS vermittelte Stipendienbetrag pro Spieler:in und pro Jahr beträgt 35'000 Franken. "Beim Kennenlerngespräch schaue ich mit den Spielern und Spielerinnen genau an, mit welchen zusätzlichen Lebenskosten sie in den USA rechnen müssen und wie sie sich das nötige Budget erarbeiten können." Es sei beispielsweise möglich, in den dreimonatigen Semesterferien im Sommer in der Schweiz zu arbeiten oder auch in den drei bis vier Wochen Winterferien", sagt Varga. So habe er sich seinen Lebensunterhalt damals auch finanziert.

Sogar Real Madrid und Liverpool trainieren auf College-Arealen

Wenn Varga über die Infrastruktur an den Colleges spricht, gerät er ins Schwärmen: "Man muss sich das so vorstellen: Ein kleines College ist wie ein eigenes Dorf, ein grosses College ist wie eine Stadt." Nebst hochstehenden Sportanlagen und Stadien, Schulgebäuden und Bibliotheken sind auf dem Campus auch Wohnhäuser, Fitnesscenter, Wellnessbereiche, Arztpraxen, Einkaufs- und Verpflegungsmöglichkeiten angesiedelt. Die Infrastruktur ist so professionell, dass teilweise auch Teams wie Real Madrid oder Liverpool ihre Trainingslager auf amerikanischen College-Arealen abhalten.

Die Studenten wohnen auf dem Gelände, in Einzel- oder Mehrbettzimmern. Während der Saison wird täglich trainiert und etwa zweimal pro Woche ein Ernstkampf bestritten. An manche Spiele reisen die Teams mit dem Bus, an andere mit dem Flieger. Es wird in verschiedenen Verbänden und Ligen gespielt und die Gewinner der regionalen Meisterschaften spielen um den nationalen Titel. Einer, der die "National Championship" gewinnen konnte, ist Dario Salzer, Torhüter bei den Keiser Seahawks (siehe Video oben). Ein anderer Diego Vargas, der mit seiner damaligen Universität Cal State Los Angeles ebenfalls siegreich war und der inzwischen an der Binghampton University in New York studiert.

Mehr zu CSRS bei FuPa: Vom FC Freienbach nach Oklahoma - der Weg von Yasha Schärer

Neugierig geworden? Hier erfährst du mehr über die Agentur Collegiate Soccer Recruitment Service: https://www.csrs-usa.com/

Aufrufe: 026.9.2023, 13:00 Uhr
Sandra TrupoAutor