2026-02-20T12:29:42.904Z

FuPa Portrait

Fußball, Fahrrad und sechs Enkelkinder

Wolfgang Kappelmann ist bekannt wie ein bunter Hund – „Ich liebe die frische Luft“ – Achillessehnenriss verkürzt die Laufbahn

von Michael Brunsch · Heute, 20:00 Uhr · 0 Leser
Wolfgang „Schorsch“ Kappelmann ist häufig mit seinem Fahrrad unterwegs.
Wolfgang „Schorsch“ Kappelmann ist häufig mit seinem Fahrrad unterwegs. – Foto: Michael Brunsch

Auf den Sportplätzen in und um Stade kennt ihn vermutlich jeder, und wer nicht auf Sportplätze geht, sieht ihn auf seinem Fahrrad. Wolfgang „Schorsch“ Kappelmann wird bald 73 Jahre jung und liebt es, sich an der frischen Luft aufzuhalten. Er ist seit 46 Jahren verheiratet, hat drei Kinder und sechs Enkel.

Zum Fußball kam Schorsch Kappelmann, wie ihn viele nennen, mit neun Jahren. Bei der TuS Güldenstern Stade stellte ihn sein Trainer zunächst ins Tor, was gründlich danebenging. „Ich kassierte 15 Tore, und zwei Wochen später war ich dann Feldspieler“, sagt er heute lachend.
Bei den Rot/Schwarzen blieb Kappelmann bis zu seinem 18. Lebensjahr, spielte mit seinen Mannschaften in den Leistungsstaffeln und in der A-Jugend-Sonderstaffel. „Das war damals die höchste Liga“, so der eingefleischte Fußballfan. Im Gedächtnis geblieben ist hier ein Testspiel mit den Stadern beim FC St. Pauli. „Mit der A-Jugend machten wir das Vorspiel zur Bundesliga-Aufstiegspartie des FC gegen Borussia Neunkirchen. Das war eine tolle Atmosphäre am Millerntor. So etwas vergisst man nicht“, meint Kappelmann.

Frühes Karriereende

1971 folgte der Umzug nach Wiepenkathen und somit auch der Wechsel zum TSV. Unter dem legendären Trainer Werner Milsmann spielte er in der Bezirksklasse. Ein Achillessehnenriss sollte Schorsch bereits 1980 aus allen Träumen reißen. „Danach kam ich nie wieder so richtig in Tritt. Später half ich dann immer mal wieder, auch mal eine etwas längere Zeit, bei den Alten Herren und dann in der Ü40 aus“, so Kappelmann. Als Trainer führte er die erste Herrenmannschaft 1988 in die Bezirksklasse. Seine Frau Brigitte kam über die Leichtathletik beim VfL Stade und den Handball – sie spielte in Cuxhaven in der Regionalliga – schließlich auch zum Fußball. „Ich brachte sie zu den Frauen des TSV Wiepenkathen, die ich dann auch zwei Jahre trainierte“, sagt der 72-Jährige.

Sohn wird beinahe Profi

Bei solch sportlichen Eltern blieb es nicht aus, dass auch die drei Kinder beim Sport landeten. Tanja, die ältere Tochter, spielte beim TSV Mulsum auf Bezirksebene, später in Wiepenkathen. Jasmin kickte in Wiepenkathen, dann in Agathenburg. Der Kreis schloss sich bei Sohn Sascha, der auf dem Sprung zum Profi war. In der Jugend kickte er in Wiepenkathen, dann bei der SV Ahlerstedt/Ottendorf, dem SV Werder Bremen, Hannover 96. „Bei Hannover war er kurz davor, im Profikader zu landen, bis der zweite Kreuzbandriss kam. Von da ging es dann zur SV Drochtersen/Assel, zur TuS Güldenstern Stade und schließlich wieder zum TSV Wiepenkathen. Es sollte einfach nicht sein. Immer wieder kamen Verletzungen dazwischen“, so der stolze Wolfgang Kappelmann. Inzwischen sind sechs Enkelkinder da, und auch hier sind drei dem Fußball verfallen, alle machen Sport.

Durch und durch Fußballer: Wolfgang Kappelmann.
Durch und durch Fußballer: Wolfgang Kappelmann. – Foto: Michael Brunsch

Schorsch Kappelmann übernahm einst beim TSV auch das Amt des Fußballobmanns. In der Zeit von 2002 bis 2008 leitete er die Geschicke. Der TSV hatte nach schwierigen Phasen mit Abstiegen und Abmeldungen dann wieder Erfolge. Vier Aufstiege gelangen in fünf Jahren, nachdem man wieder in der untersten Kreisklasse starten musste. „Starke Jugendtrainer wie Robert Schlimm oder Frank Speer als Herrentrainer sorgten dafür, dass der TSV Wiepenkathen wieder erfolgreich wurde. Wir hatten eine tolle Gemeinschaft“, schwärmt er heute.

Zurück nach Stademit neuem Job

2008 war Schluss für ihn, und er bekam nur kurz danach das Angebot, bei der TuS Güldenstern Stade als Platzwart einzusteigen. In Vollzeit nahm Kappelmann diese Aufgabe an. „Nachdem ich erst im Einzelhandel tätig war und danach 25 Jahre bei der Saline, hatte ich Zeit und Glück, so einen tollen Job in einem super Verein zu übernehmen. Es war eine gute Zusammenarbeit, machte richtig viel Spaß. Ohne meine tolle Frau wäre all das, was ich gemacht habe, nie möglich gewesen“, so Schorsch. In einer Vereinschronik des TSV Wiepenkathen lobte ihn einst der Ehrenvorsitzende Karl Kraake mit den Worten: „Schorsch ist eine Institution des TSV Wiepenkathen. Er hat sehr viel für diesen Verein getan.“
Angst mache dem 72-Jährigen der Rückgang der Vereine in den unteren Klassen. „Bald wird es vermutlich keine 4. Kreisklasse mehr geben.“