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Allgemeines

FuPa-Medizincheck: Die Arthrose

FuPa-Serie / Regelmäßige Tipps und Infos rund um Verletzungen im Sport

von red · 26.11.2025, 06:00 Uhr · 0 Leser
– Foto: FuPa-Grafik

Im FuPa-Medizincheck berichtet Dr. Simeon Geronikolakis über Verletzungen im Sport und wie diese behandelt werden können. In dieser Ausgabe geht es um die Arthrose.

Was ist Arthrose?

Bei der Arthrose handelt es sich um eine degenerative Gelenkerkrankung mit zunehmendem Knorpelabrieb und später auch begleitenden Veränderungen des Knochens, der Gelenkschleimhaut und der Gelenkkapsel. Im fortgeschrittenen Stadium kann es letztendlich auch zur Zerstörung und Deformierung des Gelenkes kommen.

Sind unter den Arthrose-Patienten auch Spitzensportler und können diese mit einer solchen Diagnose weiterhin ihren Sport ausüben oder führt eine solche Diagnose öfter zum Ende einer Sportlerkarriere?

Neben den häufigen akuten Verletzungen und den Überlastungsbeschwerden haben Spitzensportler sowohl nach als auch teilweise schon während ihrer sportlichen Karriere oft auch mit Arthrose bedingten Problemen zu kämpfen. Die Diagnose Arthrose führt bei einem Leistungssportler jedoch keineswegs zwangsläufig zum Karriereende. Sicherlich ist dies abhängig von verschiedenen Faktoren, so zum Beispiel der Form und dem Ausmaß der Arthrose, dem betroffenen Gelenk, den Achsverhältnissen, der muskulären Situation oder den Belastungsanforderungen der Sportart, aber aus medizinischer Sicht ist das Ziel, den Sportler sowohl wieder spiel- bzw. wettkampffähig zu bekommen als auch ihm das Abrufen seiner vollen Leistungsfähigkeit zu ermöglichen.

Welche Arthrose-Formen sind bei Spitzensportlern besonders häufig?

Bei Spitzensportlern handelt es sich relativ häufig um posttraumatische Arthrosen, also einer Knorpeldegeneration, die in Folge einer vielleicht sogar operativ versorgten Gelenkverletzung, wie zum Beispiel eines Kreuzbandrisses, entstanden ist. Betroffen sind sehr oft die Knie-, Sprung-, Hüft- und Schultergelenke.

In welchen Fällen ist die Gabe von Medikamenten angeraten?

Die Therapie muss viele Faktoren berücksichtigen und individuell gestaltet werden. Sie beinhaltet unter anderem physiotherapeutische Maßnahmen, Bandagen, Orthesen, Einlagen und Akupunkturbehandlungen. Dabei können, unter Berücksichtigung der Kontraindikationen, aber sicherlich auch Medikamente, die sowohl schmerz- als auch entzündungshemmend wirken, zum Einsatz kommen. Dies ist vor allem bei einer aktivierten Arthrose sinnvoll. Ob eine Spritzenbehandlung mit Cortison oder Hyaluronsäure in Frage kommt, muss immer sehr sorgfältig abgewogen werden.

Inwieweit lässt sich eine Arthrose mit Hilfe von Bewegung und Sport aufhalten beziehungsweise lindern?

Eine sportliche Betätigung kann sich bei Arthrose-Patienten sehr positiv auswirken, es muss aber vorher genau definiert werden, welche Belastungen erlaubt sind und welche vermieden werden sollten.

Inwieweit kann Sport eine Arthrose-Therapie unterstützen beziehungsweise wann wird es zu viel?

Durch Reduzierung des Übergewichtrisikos sowie durch Verbesserung der Knochenqualität, der muskulären Stabilisierung, der Koordination und der Gelenkfunktion, hat eine moderate sportliche Betätigung in mittlerer Intensität hinsichtlich der Arthrose sogar eine protektive, schützende Wirkung.

Um die Belastungssteuerung individuell abzustimmen und eine Überbelastung zu vermeiden, bedarf es zuvor jedoch eine sportärztliche Untersuchung mit Erhebung des Ausgangszustandes und entsprechender Sportberatung.

Wann wird ein Gelenkersatz empfohlen?

Bevor die Indikation zu einer operativen Versorgung gestellt wird, müssen viele patienten- und krankheitsspezifische Faktoren berücksichtigt und bewertet werden. Dabei spielt zum Beispiel das Alter des Patienten eine Rolle, seine Vorerkrankungen bzw. Vor-Operationen, sein Allgemeinzustand und sein Aktivitätsgrad.

Liegt, radiologisch nachgewiesen, eine fortgeschrittene Arthrose vor, treten Schwellungen auf, ist die Gelenkfunktion eingeschränkt, ist die schmerzfreie Gehstrecke limitiert, bestehen nicht nur Belastungs- sondern auch Ruheschmerzen, ist der Patient im Alltag und Beruf stark eingeschränkt und ist die konservative Therapie ohne Erfolg komplett ausgeschöpft, kann bei entsprechend hohem Leidensdruck und Minderung der Lebensqualität die Indikation zu einem Gelenkersatz gestellt werden.

Wie viel Sport ist mit einem Gelenkersatz möglich?

Prothesen-Patienten werden immer jünger, aber auch ältere Patienten haben immer höhere Ansprüche an Lebensqualität und Beweglichkeit. Eine große Rolle spielt dabei auch der Sport, der unter bestimmten Grundvoraussetzungen und mit gewissen Einschränkungen sehr wohl möglich, aus ärztlicher Sicht sogar auch empfohlen ist.

Aufgrund der größeren Gefahr einer Prothesenlockerung sind zwar extreme sportliche Belastungen, vor allem Kontaktsportarten mit unvorhersehbaren Belastungsspitzen oder Sportarten mit dynamischen Rotationsbewegungen, nicht erlaubt, aber sportliche Patienten weisen aufgrund des geringeren Übergewichtrisikos, der höheren Knochendichte und der besseren muskulären Stabilisierung sogar eine geringere Lockerungsrate auf.

Welche Sportarten, evtl. unter besonderer Vorsicht, geeignet sind, muss immer individuell mit dem Patienten besprochen und abgestimmt werden.

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Informationen zu Dr. Simeon Geronikolakis

Der in der Privatpraxis Dr. Geronikolakis in Ludwigsburg praktizierende und nicht nur in Fußballerkreisen bekannte Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie kümmert sich schon seit vielen Jahren um die Betreuung von Spitzensportlern und Vereinen aus unterschiedlichen Sportarten und Klassen.

Große Erfahrung und spezielle Kenntnisse beruhen bei Dr. Geronikolakis auch auf seine langjährige und sehr intensive sowie umfangreiche Tätigkeiten im Fußball, zum Beispiel als Verbandsarzt des württembergischen Fußballverbandes (WFV), Referent in der Fußball-Lizenztrainerausbildung, Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart und Nationalmannschaftsarzt der DFB Junioren (unter anderem Team-Arzt der deutschen U15-, U18-, U19- und U20-Nationalmannschaft).

Über Jahre wirkte Dr. Geronikolakis auch als betreuender Arzt der Kaderathleten des Olympiastützpunktes Stuttgart, Nationalmannschaftsarzt der deutschen Mannschaft der rhythmischen Sportgymnastik und leitender Arzt des entsprechenden Nationalmannschaftszentrums.

Ferner übernahm er die medizinische Betreuung von mehreren nationalen und internationalen Sportereignissen (u.a. Welt- und Europameisterschaften in vielen unterschiedlichen Sportarten) und ist als Universitätsdozent und Referent in der Ausbildung von Sportphysiotherapeuten tätig sowie als ärztlicher Leiter beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Nähere Infos über Dr. Geronikolakis unter www.dr-geronikolakis.de oder www.fussballarzt.de

Hierüber oder unter mail@dr-geronikolakis.de ist für unsere FuPa-Leser auch eine Terminvereinbarung möglich.